An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

List/Oberstdorf - Der Mensch ist ein Sammler und der Reisende vielleicht noch ein bisschen mehr. Exotische Stempel im Pass jedoch lassen sich auf absehbare Zeit eher nicht sammeln.

26.11.2020, 04:24

Der Mensch ist ein Sammler und der Reisende vielleicht noch ein bisschen mehr. Exotische Stempel im Pass jedoch lassen sich auf absehbare Zeit eher nicht sammeln.

Doch auch in Deutschland können Entdecker auf die Jagd gehen - ganz im Norden, Süden, Westen und Osten der Republik. Wer die vier Zipfel des Landes besucht hat, bekommt eine kuriose Auszeichnung: den Zipfelpass.

Mit dem Zipfelpass zu den Enden Deutschlands

zusammenschlossen: List auf Sylt im Norden, Görlitz im Osten, Oberstdorf im Süden und Selfkant im Westen.

Auch Touristen sollten zu den Zipfeln Deutschlands reisen, ein Anreiz dafür musste her. Die Lösung war der Zipfelpass, den Urlauber jeweils in den Rathäusern oder Tourismusbüros ausgehändigt und abgestempelt bekommen. Sie müssen allerdings mindestens eine Übernachtung im jeweiligen Zipfelort nachweisen. Sonst könnte ja jeder kommen. Die vier Orte müssen außerdem innerhalb von fünf Jahren bereist werden.

Wer im Zipfelpass alle vier Stempel vorweisen kann, erhält als Dank ein kleines Geschenk. In Oberstdorf ist das beispielsweise ein Gipfelbuch. Pardon - natürlich ist es ein Zipfelbuch.

List auf Sylt: Am Ellenbogen über die Nordsee nach Dänemark blicken

, am Strand des Naturschutzgebietes Ellenbogen. Deutschlands Spitze bietet eine Aussicht über die Nordsee nach Dänemark. „Es gibt Gäste, die kommen mal kurz vom Festland mit dem Zug rüber und wollen den Stempel im Zipfelpass haben”, erzählt Wolfgang Nicoley von der Lister Kurverwaltung. Doch eine Nacht vor Ort ist Pflicht.

Görlitz: Östlichste Stadt, aber nicht der östlichste Zipfel

zwischen den Ortsteilen Deschka und Zentendorf. Ein Findling weist dort auf die Stelle in der Flussmitte der Neiße hin, die von Zentendorf aus über kurvige Feldwege erreicht werden kann.

Oberstdorf: Touristenmagnet im Allgäu

, sondern „eine Tagestour von acht bis zehn Stunden”.

Mit dem Fahrrad und zu Fuß kommen die Zipfelstürmer vom Parkplatz Fellhornbahn über den Weiler Einödsbach zur Speicherhütte. Zu Fuß geht es dann weiter. Als anstrengend und matschig wird der Weg von Wanderern zur Trifthütte beschrieben. Nichts ist am Haldenwanger Eck ausgeschildert, die letzten Meter werden zur Kraxelei. Finale am felsigen Hang: Der Grenzstein 147 befindet sich in 1931 Metern Höhe. Mehr Süden geht nicht mehr, an diesem einsamen Ort.

Selfkant: Westlichster Punkt und schmalste Stelle der Niederlande

in Nordrhein-Westfalen steht. Ein Steg am Rodebach leitet Besucher zum Zipfelpunkt, markiert durch einen roten Stab inmitten des Gewässers. Erlebnisraum Westzipfel heißt das hier.

Viele Besucher übernachten in einem der 75 Selfkanter Gästebetten. Bei einer Radtour entdecken sie das schmalste Stück der Niederlande („Het smalste stukje Nederland”), es ist nur 4,8 Kilometer breit. Radelt man schnurstracks nach Westen, ist man rasch in einem dritten EU-Land: in der belgischen Gemeinde Dilsen-Stokkem an der Maas.

© dpa-infocom, dpa:201125-99-461451/2 (dpa/tmn)