Tierischer Liebling

Dem Kaninchen auf den Zahn gefühlt

Die kleinen Nager sind Meister im Verbergen. Halter merken daher oft erst spät, dass etwas nicht stimmt.

Von dpa 05.09.2022, 15:03
Kaninchen sind Meister darin, ihre Schmerzen zu verstecken. Oft werden Zahnprobleme daher viel zu spät erkannt.
Kaninchen sind Meister darin, ihre Schmerzen zu verstecken. Oft werden Zahnprobleme daher viel zu spät erkannt. narong - stock.adobe.com

Wenn Kaninchen krank sind, leiden sie oft lange im Verborgenen: „Als Beutetiere sind sie Meister darin, Krankheiten zu verstecken“, sagt Tierärztin Cecilia Siedl. Bei Wildkaninchen bedeutet ein schwaches Tier Gefahr für die ganze Gruppe – und kranke Tiere werden ausgeschlossen, um die Sippe zu schützen.

Ähnlich verhalten sich auch Hauskaninchen: Sie verbergen Krankheitssymptome so gut wie möglich. „Wenn man bei einem Kaninchen offensichtliche Symptome sieht, ist die Krankheit oft schon weit fortgeschritten, so dass man schnell handeln muss.“

Auf erste Anzeichen achten

Für viele Halter sind Zahnprobleme als Ursache ein überraschender Befund, wenn eines ihrer Tiere plötzlich nicht mehr gut frisst oder Probleme mit der Verdauung hat. Wer die Anzeichen kennt, kann Zahnproblemen möglichst früh auf die Spur kommen: „Es kann sein, dass ein Tier vermehrten Speichelfluss hat, sodass das Fell um das Mäulchen verklebt oder sogar verfilzt ist“, sagt Siedl. Bei starken Problemen kann sogar die ganze Brust mit Speichel verklebt sein.

Auch das Fressverhalten kann einen Hinweis auf Zahnprobleme geben: Auffällig ist es zum Beispiel, wenn ein Tier lieber weichen Blattsalat als rohfaserreiches Heu frisst, das viel gekaut werden muss. „Manche Zahnpatienten kommen auch freudig zur Fütterung gerannt, aber wenn sie dann zu fressen beginnen, kauen sie eine gefühlte Ewigkeit auf einem Blatt herum oder es fällt ihnen sogar wieder unzerkaut aus dem Mund“, sagt die Tierärztin. Auch eine Gewichtsabnahme kann auf Zahnprobleme hindeuten.

Zahnproblemen frühzeitig vorbeugen

Wer Zahnproblemen vorbeugen will, sollte vor allem auf die richtige Fütterung achten. Eine optimale Ernährung besteht Cecilia Siedl zufolge aus frischem und artenreichem Grünfutter. Heu sollte den Tieren immer zur Verfügung stehen. Wiesenkräuter wie etwa Löwenzahn, Spitzwegerich, Klee und Schafgarbe sind geeignet.

Außerdem sollten Kaninchen regelmäßig frische Zweige von Bäumen wie Weiden oder Obstbäumen erhalten. Auch im Winter sollten Tiere in Außenhaltung frisches Futter bekommen, das sich aus Kohl, Bittersalaten, Kräutern, Gemüsegrün und anderem blättrigen Gemüse wie Spinat zusammensetzt.

Pelletiertes Futter ist in mehrfacher Hinsicht ungünstig: Die Kaubewegungen beim Zerkleinern von Pellets sind anders als die seitlichen Bewegungen bei Gras, Blattgrün oder Gemüse. Sie nutzen daher die Zähne kaum ab und können zudem Druck auf die Zähne ausüben und so Entzündungen fördern. Zudem verlangsamen Pellets die Verdauung, quellen im Magen auf und sättigen dadurch stärker, so dass Kaninchen in der Folge weniger Frischfutter fressen.

Die richtige Ernährung beugt Zahnproblemen vor und erspart aufwendige Behandlungen.

Aufwendige und langfristige Behandlungen

Weil bei vielen Tieren Zahnprobleme erst spät auffallen, ist die Behandlung oft aufwendig: „Wenn mehrere Zahnwurzeln betroffen sind und der Kieferknochen verändert ist, kann man diese Tiere nicht mehr heilen, aber oft mit zielgerichteter Behandlung über Jahre gut managen“, sagt Tierärztin Diana Ruf. Manchmal werden Zähne gezogen, manchmal das Gebiss wieder eingeschliffen, oft sogar mehrmals. Diese Behandlungen sind nur in Narkose möglich.

Halter sollten idealerweise einmal in der Woche die Schneidezähne ihrer Kaninchen von vorne und von der Seite kontrollieren. Die Zähne sollten glatt und glänzend sein und keine Querrillen haben – Längsrillen sind hingegen normal. „Der untere Schneidezahn muss hinter dem oberen Schneidezahn liegen“, sagt die Expertin.

Hinter den oberen Schneidezähnen besitzen Kaninchen eine zweite Zahnreihe mit zwei Stiftzähnen. Diese sollten gerade sein. „Zusätzlich ist es sinnvoll, dass ein Kaninchen zur Früherkennung von Zahnerkrankungen wöchentlich gewogen wird“, rät Ruf. Auch den Kiefer sollte man einmal in der Woche abtasten.