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Nachhaltiger lebenEin Adventskranz aus dem eigenen Garten

Alle Jahre wieder beginnt die Weihnachtszeit mit dem ersten Advent - und dem traditionellen Kranz. Wer ihn aus dem Garten bestückt, holt sich nicht nur die Natur ins Haus, sondern tut ihr auch Gutes.

Von Dorothée Waechter, dpa 22.11.2023, 16:24
Der fertige Kranz: ein leuchtendes Beispiel für Nachhaltige Advents-Dekoration.
Der fertige Kranz: ein leuchtendes Beispiel für Nachhaltige Advents-Dekoration. Christin Klose/dpa-tmn

Berlin/Staufen - Wohnungen, Büros und Betriebe: Vielerorts wird in den nächsten Wochen ein Adventskranz aufgestellt.

Man kann diese Dekoration fertig kaufen. Eine besondere Freude ist es aber, das Schmuckstück mit Zweigen, Samenständen und Fruchtschmuck aus dem eigenen Garten zu gestalten. Beim Herbstputz fällt in der Regel genügend Schnittgut an, um daraus einen Kranz zu binden.

Und so geht's:

Schritt 1: Basis-Kranz vorbereiten

Zunächst wird die Unterlage, der sogenannte Rohling geformt. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) empfiehlt hierfür biegsame Zweige, die nicht voll im Saft stehen. Sehr trockene Zweige weicht man über mehrere Stunden in Wasser ein.

Als Hilfsmittel für die Form wird ein Kübel mit dem gewünschten Durchmesser des Kranzes verwendet. Tipp des NABU: Der Topf sollte weder konische Wände haben noch sich nach oben hin öffnen. Ansonsten finden die Triebe keinen Halt und lassen sich nicht straff binden.

Die Zweige können unterschiedlich lang und dick sein. Ideal sind unbelaubte Zweige von Birke, Hasel, Ahorn, Weide, Hartriegel, Kastanie oder Erle. Auch die Triebe von Kletterpflanzen können in den Rohling eingearbeitet werden. Besonders gut eignen sich Wilder Hopfen und Waldreben.

Zunächst wird der Topf mit einer alten Decke ausgepolstert, weil man nur die oberen Zentimeter zum Arbeiten braucht. Nun legt man lange, kräftige Schnüre locker von der Mitte über den Rand des Gefäßes. Im Anschluss werden die Zweige an der Topfwand überlappend eingelegt. Die Menge der verwendeten Triebe ist entscheidend für die Stärke des Rohlings.

Hat man die gewünschte Dicke erreicht, werden die ausgelegten Schnüre zusammengeknotet, so dass der Ring festen Halt bekommt. Laut NABU ist es wichtig, dass man vor dem Verknoten die Schnüre gut zusammenzieht, damit die Zweige auch dann noch fest sitzen, wenn das Material in der Wohnung trocknet und dadurch schrumpft.

Damit die Unterlage in der Stärke gleichmäßig rund wird, umwickelt man den Kranz mit Ranken von Kletterpflanzen. Die Enden werden jeweils zwischen den Zweigen eingeklemmt, damit sie halten.

Kleine Löcher werden mit Moos ausgefüttert. Die Blumendesignerin Myriam Burgert aus Staufen verwendet hierfür Moos, das sie mit der Vertikutierharke aus dem Rasen recht. So wird gleichzeitig der Rasen belüftet und es kommt Licht an die Grasbüschel.

Wer sich das nicht zutraut oder nicht genug Schnittgut hat, kann auch auf einen fertigen Rohling aus Stroh zurückgreifen, der sich Jahr für Jahr wiederverwenden lässt.

Schritt 2: Grüne Grundlage schneiden

Als Material für den Adventskranz dienen in erster Linie immergrüne Sträucher und Bäume im Garten. Sie bilden die Basis für die Dekoration. „Wichtig ist, dass man nicht nur flache Koniferen verwendet“, sagt Blumendesignerin Burgert. Die Zweige sollen auch Volumen in den Kranz bringen. Man schneidet zunächst größere Triebe ab und bereitet diese später am Arbeitstisch vor.

Üppig sieht beispielsweise die Arizona-Zypresse mit grau-grünen Nadeln aus. „Sie bringt außerdem einen angenehmen, harzigen Duft in die Wohnung“, so die Expertin. Mit Thuja kann man eine zarte gelbe Note in Spiel bringen. Für klassisches Dunkelgrün sorgen Tanne und Kiefer, aber auch Efeuranken. „Letztere wirken hübsch mit ihrem winterlichen Beerenschmuck“, sagt Burgert.

Die Blumendesignerin geht zum Sammeln von Schnittgut auch gerne in den Kräutergarten. „Dort, wo Thymian über den Weg gewachsen, Rosmarin in die Höhe geschossen oder das Bohnenkraut breit auseinandergefallen ist, kann man mit der Schere etwas abschneiden“, erklärt Burgert. Ihr Tipp: Wer es im Garten hat, kann auch ein paar Triebe vom Currykraut für den Adventskranz verwenden.

So tut man den Pflanzen gleichzeitig Gutes: Sie profitieren grundsätzlich vom Schnitt, weil sie auf diese Art und Weise kompakt wachsen und im Frühling kräftig durchtreiben.

Was passt noch auf den Kranz? Die Fruchtstände vom Perückenstrauch, von trockenen Hortensienblüten und von Gräserblüten verleihen Fülle mit viel Transparenz. Zum Ausschmücken eignen sich rote Früchte wie Zieräpfel sowie die Beeren von Feuerdorn und Stechpalme.

Mitunter findet Myriam Burgert auch am Wegesrand geeignetes Material. Wildes Hasenschwanzgras und Hirtentäschel bereichern mit ihrem Farben- und Formenspiel die Auswahl. Besonderes Herbstlaub wie Ginkgoblätter kann man mit etwas Blattgold veredeln und ebenfalls einarbeiten.

Schritt 3: Zweige sortieren, zuschneiden und festbinden

Beim Sortieren werden die Zweige nun in kürzere Stücke geschnitten. Blumendesignerin Burgert rät, die Zweige nicht zu kurz zu schneiden. „Mindestens 10 Zentimeter sollte jedes Stück sein“, sagt sie.

Profi-Tipp: Damit der Kranz in sich harmonisch und ruhig wirkt, bindet man ihn gegen den Uhrzeigersinn.

Mit einem kräftigen Blumendraht von der Rolle finden die Triebe auf dem Basiskranz Halt. Das Wichtigste beim Binden sind die Ränder. „Das Material sollte links und rechts bis nach unten gebunden werden, so dass der Rohling nicht mehr zu sehen ist“, erklärt Burgert. Anschließend wird die Mitte oben aufgefüllt.

Wenn der Kranz fertig gebunden ist, kann man ihn mit Zweigen von Lärche oder flechtenbewachsenen Ästen dekorieren. Auch Zapfen kommen gut zur Geltung. Damit diese Materialien gut halten, befestigt man sie mit einem Steckdraht in dem Kranz: „Der Draht wird durch den Kranz gestochen und das Ende wieder zurückgeführt.“

Schritt 4: Kranz genießen - und danach der Natur zurückgeben

Ein solcher Adventskranz spiegelt nicht nur die Fülle des eigenen Gartens wider. Außer dem Draht enthält er nur Naturmaterialien, die man zum Jahreswechsel kompostieren und so dem Kreislauf der Natur wieder zuführen kann. Das schont die Umwelt und erweist sich auch unter Nachhaltigkeitsaspekten als runde Sache.