Zeitung: EU über gefälschte Arzneimittel besorgt
Berlin/dpa. - Nach Erkenntnissen der EU-Kommission in Brüssel sind immer mehr gefälschte Arzneimittel im Umlauf. «Die EU-Kommission ist darüber äußerst besorgt», sagte der zuständige Industriekommissar Günter Verheugen der Zeitung «Die Welt».
Es handele sich dabei vor allem um gefälschte Antibiotika, Krebs- und Malariamedikamente, cholesterinsenkende Arzneien sowie Schmerzmittel und Viagra. «Die Europäische Union hat bei gezielten Zollkontrollen in allen Mitgliedsländern innerhalb von nur zwei Monaten allein 34 Millionen gefälschte Tabletten sichergestellt. Das hat alle Befürchtungen übertroffen», erläuterte Verheugen.
«Ich rechne damit, dass sich die EU im kommenden Jahr einigen wird, dass der Weg einer Arznei von der Herstellung bis zum Verkauf minuziös zurückverfolgt werden kann. Dazu wird es Sicherheitszeichen auf den Medikamentenpackungen geben, darunter einen Barcode. Es wird auch ein Siegel geben, damit klar ist, ob und von wem die Packung gegebenenfalls geöffnet wurde, um Manipulationen der Medikamente zu verhindern», sagte Verheugen dem Blatt.
Die Europäische Kommission hatte bereits im Juli vor einer hohen Zahl gefälschter Medikamente gewarnt. Mit der neuerlichen Mahnung will Verheugen offensichtlich Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen um das «Pharmapaket» genannte Bündel aus mehreren EU- Richtlinien und Verordnungen bringen.
Streitpunkt ist die Frage, ob und wie die Pharmaindustrie die Patienten beziehungsweise Kunden direkt informieren darf und das womöglich das Werbeverbot ins Wanken bringen könnte. Der europäische Verbraucher-Dachverband BEUC hat das Vorhaben als «versteckte Werbung» gebrandmarkt; im EU-Ministerrat liegt es gänzlich auf Eis.