Kardiologe Alexander Plehn

Kardiologe Alexander Plehn will abnehmen

Salzmünde - Abspecken mit Sport und gesunder Ernährung - So geht's

Von Bärbel Böttcher 07.05.2017, 20:36

Zweistellig soll das Gewicht endlich werden. Doch seit gut drei Wochen hadert Dr. Alexander Plehn mit der Waage. Die zeigt konstant 105 Kilogramm an. Es wird nicht weniger. Dabei sind die 105 Kilogramm eigentlich schon ein großer Erfolg. Noch Ende Januar wog der 1,88 Meter große Kardiologe 121 Kilogramm.

Der Mediziner, der in Salzmünde gemeinsam mit Dr. Thomas Hartkopf eine Gemeinschaftspraxis betreibt, fühlte sich nicht mehr wohl in seiner Haut. Er zog die Notbremse, achtet seitdem auf eine gesunde Ernährung und treibt wieder viel Sport.

Kardiologe Alexander Plehn: Keine weitere Gewichtabnahme trotz Trainings

Anfangs ging auch alles sehr schnell. Allein innerhalb der ersten sieben Wochen nahm Alexander Plehn zwölf Kilogramm ab. Mittlerweile sind es 16. Doch nun stagniert das Gewicht. Obwohl er konsequent trainiert.

Die Freitagabende gehören dem Fitness-Studio. Bis zu drei Stunden verbringt der 42-Jährige dort. Er kombiniert an verschiedenen Geräten Ausdauer- und Muskeltraining. Zu Hause steigt er regelmäßig auf seinen Heimtrainer.

An den Wochenenden geht Alexander Plehn seit einiger Zeit wieder Laufen. Anfangs hatte er gelenkschonendere Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen bevorzugt, weil 121 Kilogramm „für Knöchel und Knie eine zu rabiate Belastung“ gewesen wären. Nun aber - 16 Kilogramm leichter - suchte er sich am halleschen Hufeisensee eine neun Kilometer lange Strecke.

„Die ersten Male habe ich die nur mit zwei Gehpausen bewältigt“, erzählt er. „Da musste ich mich vom Ehrgeiz ein bisschen lösen.“ Seit kurzem aber läuft er nun durch. 35 bis 40 Minuten. „Und ich bin danach nicht einmal völlig fertig.“ Vielleicht hilft es ihm ja auch, dass Tochter Hannah häufig mit von der Partie ist und ihren Vater - vom Fahrrad aus - anfeuert.

Fitter und gesünder: Leichtes Fettgewebe schwindet, schwere Muskelmasse wird aufgebaut

Alexander Plehn findet es zwar „gemein“, dass sich momentan auf der Waage nichts bewegt. Als Mediziner weiß er aber auch, dass gerade sein Sport eine Erklärung dafür bietet. Er durchlebt nämlich gerade das, was auch viele Patienten von Oberärztin Barbara Renz mitunter verzweifeln lässt. Die Leiterin des Adipositas-Zentrums des Krankenhause St. Elisabeth und St. Barbara in Halle erklärt, dass durch den Sport Muskelmasse aufgebaut wird. „Und Muskelmasse ist schwer“, sagt sie. „Das Fettgewebe, das relativ leicht ist, verschwindet dafür.“ Und so könne es sein, dass ein Abnehmwilliger zwar schlanker aber nicht leichter wird. Fachleute raten den Betroffenen vor diesem Hintergrund lieber öfter mal in den Spiegel als auf die Waage zu schauen.

Barbara Renz erzählt, dass ihre Patienten oft oberhalb ihres Zielgewichtes bleiben, sich aber dennoch wohler fühlen. Sie merkten, dass sie anders aussehen, anders wirken, aufrechter gehen und ein ganz anderes Selbstbewusstsein ausstrahlten. „Und das ist für viele doch wichtiger als das eigentliche Gewicht, was zum Schluss die Waage anzeigt“, unterstreicht die Ärztin.

Das bestätigt auch Alexander Plehn. „Die Gewichtsreduktion einerseits und der Sport andererseits haben mein Befinden um Längen verbessert“, betont er. Es sei so angenehm, mal wieder zehn Kilometer zu laufen, ohne völlig aus der Puste zu sein - so wie früher. „Ich merke, dass wieder Leistung kommt, dass die Kondition besser wird, dass es mir viel, viel bessergeht.“ Den Stress, den er täglich in seiner Praxis habe, den könne er jetzt viel besser wegpuffern. „Und ich bin abends längst nicht mehr so kaputt wie noch vor ein paar Monaten“, sagt der Arzt.

Wie wichtig Bewegung und Sport sind, um gerade Herz-Kreislauferkrankungen vorzubeugen, darüber hat Alexander Plehn übrigens vor kurzem im Sportpark Halle einen Vortrag gehalten. Das Interesse am Thema war groß. Und der Arzt konnte nun mit gutem Gewissen an die Zuhörer appellieren. Getreu dem Motto: Der (nun nicht mehr) dicke Kardiologe geht voran.

Und trotzdem - Alexander Plehn hat sein Ziel noch nicht erreicht. Er möchte in den nächsten vier bis acht Wochen zweistellig werden. Und langfristig auf der Waage eine 95 sehen. Doch noch steht da die 105. Kann es vielleicht für die Beharrlichkeit dieser Zahl noch einen anderen Grund geben, als den sportbedingten Muskelaufbau? Macht Alexander Plehn vielleicht Fehler bei der Ernährung?

Er isst ballaststoffreich, viel Gemüse, abends eiweißreiche Kost. „Aber ab und zu darf auch mal gesündigt werden“, sagt er. Und es ist unter bestimmten Umständen auch nicht ganz leicht, sich an die selbst aufgestellten Regeln zu halten. Da war zum Beispiel der kardiologische Kongress in Washington, wo er nicht so auf die Ernährung achten konnte wie zu Hause. Was also tun? Er habe dort zwar „recht solide“ gegessen, aber gleichzeitig den Nahverkehr links liegen gelassen und ganz ordentliche Fußmärsche zurückgelegt.

Genuss ist erlaubt

Eine andere Herausforderung war das Osterfest. Alexander Plehn sagt, dass er an solchen Tagen aber gar nicht auf alles verzichten möchte. Auch an dem Wochenende, das er jüngst mit seiner Frau in Amsterdam verbracht hat, wurde ein bisschen geschlemmt.

„Der Sinn für Schönes und für Leckereien geht ja nicht verloren“, sagt er. „Süßzeug wird immer meine Achillesferse sein.“ Ganz, ganz wichtig sei aber die Bewegung. Damit könne manches ausgeglichen werden. Und für Bewegung sorgt er.

Auf jeglichen Genuss zu verzichten, das hält auch die Ernährungsmedizinerin für falsch. Wer sich alles verwehre, der bekomme irgendwann ein unbändiges Verlangen auf bestimmte Sachen, sagt Barbara Renz. „Und dann wird es richtig schlimm.“ Sie sage auch ihren Patienten, dass ein Stück Schokolade am Tag nicht dramatisch sei. Lieber das, bevor aus Heißhunger eine ganze Tafel auf einmal verspeist werde.

Was Alexander Plehn angeht, so hält die Medizinerin seine neuen Essgewohnten prinzipiell für gut. Dennoch rät sie ihm zu einer strukturierten Ernährungsberatung bei einem ausgebildeten Ernährungsberater. Sicher, als Kardiologe weiß er, was gut für den Menschen ist. Und er spricht mit seinen Herz-Kreislaufpatienten viel über das Thema Ernährung.

Doch in eigener Sache kann ein Blick von Außen hilfreich sein, vielleicht sogar neue Einsichten bringen. „Eine sinnvolle Idee ist das auf jeden Fall“, sagt der Kardiologe, der nun eine Zeit lang ein Ernährungsprotokoll schreiben will.

Unterm Strich: Alexander Plehn will den Stillstand auf der Waage überwinden. Wie wird er es schaffen? Die MZ wird ihn weiter begleiten und unter dem Motto „Hand aufs Herz“ über weitere Fortschritte berichten. (mz)