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Angelina Jolie Angelina Jolie: Brust-Amputation als Krebsvorsorge

Von Eva Fiedler 14.05.2013, 12:17
Angelina Jolie überraschte die Öffentlichkeit mit ihrer vorsorglichen Brustamputation.
Angelina Jolie überraschte die Öffentlichkeit mit ihrer vorsorglichen Brustamputation. dpa Lizenz

HALLE (SAALE)/MZ/DMN. - Angelina Jolie hat sich beide Brüste vorsorglich amputieren lassen, das schreibt sie in einem Gastbeitrag für die New York Times. Durch eine Genmutation ist sie besonders anfällig für Brustkrebs. Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit möchte der Hollywoodstar anderen Frauen helfen. „Heutzutage kannst du durch einen Bluttest herausfinden, ob du besonders anfällig für Brust- oder Eierstockkrebs bist und entsprechend handeln“, schreibt Jolie. Doch ist eine so drastische Maßnahme wie das Amputieren der Brüste wirklich sinnvoll? Und für wen kommt sie infrage?

Fünf bis zehn Prozent erblich bedingt

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. In Deutschland erkranken laut Deutscher Krebshilfe jedes Jahr rund 75.000 Frauen neu daran. Jede vierte Frau ist bei der Diagnose jünger als 55 Jahre. Etwa fünf bis zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen sind erblich bedingt. Haben die Eltern den Gendefekt, wird dieser zu 50 Prozent auf die Kinder übertragen.  

Zwei Gene sind bislang bekannt, deren Veränderungen sind für die meisten erblichen Erkrankungsfälle verantwortlich. Finden Ärzte bei der Analyse eine Mutation an den Genen BRCA1 oder BRCA2, besteht ein 50 bis 80-prozentiges Risiko, dass die veränderten Gene Brustkrebs auslösen. Das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, ist durch die Mutation um 20 bis 50 Prozent erhöht. Trotz der niedrigeren Rate eine ebenso große Gefahr. Denn im Gegensatz zum Brustkrebs gibt es für die Eierstöcke keine Vorsorgeuntersuchungen.

Zentren für familiären Brustkrebs

Zu einer genetischen Untersuchung raten Mediziner zum Beispiel, wenn in der Familie mindestens zwei Frauen an Brustkrebs erkrankt sind und eine davon jünger als 51 Jahre ist. Oder wenn eine Frau in der Familie in diesem Alter bereits an beidseitigem Brustkrebs erkrankt ist. „Meine Ärzte vermuteten, dass bei mir das Risiko für Brustkrebs bei 87 Prozent und Eierstockkrebs bei 50 Prozent liegt“, schreibt Angelina Jolie. Ihre Mutter habe zehn Jahre gegen den Krebs gekämpft und ist mit 56 Jahren daran gestorben.

In den vergangenen Jahren haben sich bereits andere prominente Amerikanerinnen für eine Amputation entschieden. Zum Beispiel Schauspielerin Kathy Bates (64) nach einer Brustkrebsdiagnose. Die erst 24-jährige Miss-Amerika-Kandidatin Allyn Rose kündigte im Januar an, nach der Miss-Wahl ihre Brüste amputieren zu lassen.

Frauen in Deutschland, die den Verdacht haben, durch ihre Gene vorbelastet zu sein, finden in bundesweit eingerichteten Zentren für familiären Brustkrebs eine Anlaufstelle. Dort werden Betroffene medizinisch und psychologisch beraten und betreut.

Viele Kassen übernehmen die Kosten

„Die Brustamputation wird als eine mögliche Behandlungsmethode angeboten, sie kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein“, sagt Dr. Nikola Bangemann, Oberärztin im Brustzentrum der Charité in Berlin. Bei einer Hochrisikogruppe von Frauen bestehe ein etwa 20-prozentiges Risiko, zwischen den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen ein Karzinom zu entwickeln, das nicht mehr ganz klein ist. Wird bei Ihnen eine Genveränderung nachgewiesen, sprechen sich deshalb viele Patientinnen aus Angst spontan für eine Amputation aus, so die Erfahrung der Medizinerin.  

Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Eingriff und für den anschließenden künstlichen Brustaufbau durch Implantate oder Eigengewebe. Doch die Operationen sind nicht ohne Risiken. Beispielsweise besteht die Gefahr, dass beim Entfernen der Brustdrüsen auch Haut oder Brustwarzen so verletzt werden, dass diese absterben. Auch schlecht verheilende oder deutlich sichtbare Narben zählen dazu.

„Betroffene sollten deshalb nicht überstürzt handeln, sondern sich Zeit nehmen, sorgfältig zu besprechen, welche Lösung für sie ganz persönlich die beste ist“, rät Bangemann.

Für genetisch besonders vorbelastete Frauen besteht auch zwischen den Vorsorgeuntersuchungen die Gefahr, bereits ein größeres Karzinom zu entwickeln.
Für genetisch besonders vorbelastete Frauen besteht auch zwischen den Vorsorgeuntersuchungen die Gefahr, bereits ein größeres Karzinom zu entwickeln.
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Ärzte diagnostizierten Angelina Jolie ein 87-prozentiges Brustkrebsrisiko. Die Mutter der Schauspielerin starb mit 56 Jahren an Krebs.
Ärzte diagnostizierten Angelina Jolie ein 87-prozentiges Brustkrebsrisiko. Die Mutter der Schauspielerin starb mit 56 Jahren an Krebs.
dpa Lizenz