Antworten vom Anwalt

Antworten vom Anwalt: Kann man Grundstücke auf dem Mond kaufen?

Halle (Saale) - Anwälte sind langweilige Paragrafenreiter und lesen den ganzen Tag nur Akten. - Falsch! So manch kurioser Fall landet auf dem Schreibtisch von Anwalt Tobias Scheidacker. In seinem Buch erklärt er, wem der Mond gehört und ob eine Fernheilung möglich ist.

Von Gesa Schölgens 14.05.2019, 12:24

Als ihm seine Frau Mila ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück auf dem Mond schenkt, kommt Anwalt Tobias Scheidacker ins Grübeln: „Kann jemand wirklich Mondgrundstücke verkaufen?“ fragt er sich.

Der Job eines Juristen bringt viele kuriose und spannende Probleme mit sich. Wer das nicht glaubt, sollte Scheidackers Buch „Als sich mein Mandant in die Richterin verliebte“ (riva Verlag) lesen. In kurzen, teils witzigen, teils informativen Geschichten berichtet der Experte für Miet- und Eigentumsrecht darin aus seinem Alltag. Immer wieder lässt der Berliner dabei private „Rechtsfälle“ einfließen - so eben auch die Frage, wem der Mond gehört.

Tatsächlich haben die Vereinten Nationen 1967 beschlossen, dass keine Regierung das Eigentum an außerirdischen Grundstücken beanspruchen darf. Das galt aber damals noch nicht für Privatpersonen, und so sicherte sich ein US-Amerikaner namens Dennis Hope im Jahr 1980 die Rechte am Mond. Dabei half ihm laut Scheidacker ein Gesetz aus der amerikanischen Pionierzeit.

Weil innerhalb von acht Jahren niemand widersprach, gehören Herrn Hope nun die Rechte an Mond, Mars und Venus - die Grundstücke bietet der Makler zum Verkauf an. Erst 1984 wurde der „Moon Treaty“ der Vereinten Nationen erstellt. Dieser Vertrag verbietet auch Firmen und Privatpersonen den Besitz des Mondes. „Er ist allerdings bislang nicht wirksam geworden, weil erst zehn von 185 UN-Mitgliedsstaaten unterzeichnet haben“, erklärt Scheidacker. Noch sei die Frage nach dem Mondeigentümer also nicht endgültig geklärt.

In anderen Kurzgeschichten erzählt Scheidacker kleine Anekdoten aus dem Gerichtsalltag und seinem Leben als Anwalt und Familienvater. Ganz nebenbei lernt der Leser, wie (un-)sinnig das Ehegattensplitting ist oder wie sich ein Gerichtsverfahren immer wieder aufschieben lässt.

Vielleicht hätte die ein oder andere Episode noch etwas weniger Juristendeutsch vertragen können. Aber auch als Laie erhält man tiefen Einblick in die Juristerei. Und immer wieder staunt der Leser über die Auswüchse der deutschen Bürokratie, etwa wenn Anwalt Scheidacker zeigt, wie man möglichst teuer zum Termin nach Dessau reist - um die Fahrkosten erstattet zu bekommen.

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