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Test Im Gelände ist Fords Bronco Spitze

Der bullige amerikanische Offroader wird nach 25 Jahren Pause wieder gebaut. Er hat einen Sechszylinder-Benziner, 335 PS und jede Menge elektronische Fahrprogramme.

Von Hans-Ulrich Köhler Aktualisiert: 10.09.2024, 12:29
Breit und hoch gebaut: der Ford Bronco
Breit und hoch gebaut: der Ford Bronco Foto: Köhler

Halle / Saale - Der Ford Bronco ist ein typischer Amerikaner. Groß, breit, kantig, wuchtig, unvernünftig. Das ist einer, der hierzulande sofort die Frage provoziert, wozu man heutzutage noch solche Autos auf den Markt bringt. In seinem Heimatland sieht man das naturgemäß anders, dort, wo ein schwerer Pick-up von Ford seit Jahrzehnten die Zulassungsstatistik anführt. Von 1966 an hat Ford 30 Jahre lang fünf Bronco-Modellgenerationen mit mehr als einer Million Exemplaren gebaut. Plötzlich war Schluss - 25 Jahre lang. Dann die Kehrtwende. Seit 2021 fertigt Ford einen nigelnagelneuen Bronco, die sechste Generation. Damit will man den amerikanischen Offroad-Mythos nun auch wieder den Europäern schmackhaft machen, die auf ihren Straßen und Wegen eigentlich keinen Platz für so etwas haben.

Der aktuelle Bronco (ab 74.500 Euro) hat wie sein Urahn die kastige Grundform behalten, auch die geraden Scheiben, die kantige Front- und Heckpartie und die kreisrunden Scheinwerfer - wie schon anno 1966. Vorn stand damals Ford am Kühler, heute Bronco. Das heißt soviel wie ungezähmtes Pferd. Wenn man vor dem fast zwei Meter breiten und 4,83 langen Offroader steht, erweckt der schon im Stand den Anschein, als würde er überall durchkommen. Er baut auf einen klassischen Leiterrahmen auf, der schon Generationen von Geländewagen besonders robust gemacht hat. Und natürlich gibt es Allradantrieb, zuschaltbar in diversen Variationen.

Der Bronco ist 4,83 Meter lang und hat Allradantrieb.
Der Bronco ist 4,83 Meter lang und hat Allradantrieb.
Foto: Köhler

Innen lässt der Bronco gar nicht erst Zweifel aufkommen: Ich bin ein kerniger Geländewagen, kein weichgespültes SUV. Das Armaturenbrett steht nahezu senkrecht im Raum, mächtig hoch, mächtig breit, im Zentrum ein riesiges Display. Die Oberflächen sind aus harter Plaste, abwaschbar, unempfindlich, praktisch. Die Bedienelemente sind alle eine Nummer größer und griffiger als man es gewohnt ist. Massive Haltegriffe nehmen Mitfahrern Ängste, wenn es mal arg ruppig oder steil unter den Rädern wird. Der Bronco-Cowboy schaltet mit einem Knauf, der weit größer als ein Golfball ist. Platz gibt es innen jede Menge, überall großvolumige Ablagen, diverse USB-Steckdosen.

Nach 25 Jahren Abwesenheit ist der neue Bronco ins digitale Zeitalter gefahren - mit Touchscreen, Infotainment-Systemen und jeder Menge Assistenten, die den Wagen handhabbar und sicher machen, wenn man ihn an seine Grenzen treibt. Der ungeübte Offroadfahrer wird das nicht schaffen. Im Test jedenfalls wurden solche Limits nicht erreicht, aber gestaunt werden konnte dennoch, was dieses Auto alles kann. Eine Erkenntnis: Gelände, in dem man abseits von Offroadparks Grenzen ausloten kann, muss man erstmal finden.

Ab 74.500 Euro gibt es den Ford Bronco.
Ab 74.500 Euro gibt es den Ford Bronco.
Foto: Köhler

Die digitalen Segnungen im Bronco helfen dem Fahrer mutiger zu werden, vorausgesetzt er hat erstmal theoretisch verinnerlicht, was die elektronischen Unterstützer so alles können. Sieben Fahrprogramme werden angeboten. Die werden auf einem großen Drehregler auf der Mittelkonsole eingestellt. Es gibt das normale Fahrprogramm, das Eco-Fahrprogramm und das Slippery-Fahrprogramm bei Schnee oder Nässe für die Straße und dann vier spezielle Offroadprogramme für Sand, Schlamm, schnelles Offroadfahren und felsiges Terrain. Immer lässt sich der Allradantrieb an das jeweilige Gelände anpassen. Eine Bodenfreiheit von 26 Zentimeter und eine Wattiefe von 80 Zentimeter machen einiges möglich. Die 30-Zoll-Reifen lassen den Wagen noch gewaltiger erscheinen, extrem grobstollig finden sie überall Halt.

Übungsstunden und gutes Studium des Handbuches, so eine Testerfahrung, sind hilfreich, bevor man anfängt, möglichst viel aus dem Bronco rauszuholen. Dabei hilft auch eine spezielle Geländegeschwindigkeitskontrolle. Mit der lässt sich der Wagen im Gelände allein mit dem Gaspedal dirigieren. Bis 31 km/h wirkt ein Tempomat. Und wenn man ihn einmal entdeckt hat, wird man gern den sogenannten Trail Turn Assist nutzen, ein seltenes automobiles Extra. Einmal aktiviert, verkleinert er den Wendekreis des Autos von normalerweise zwölf auf acht Meter. Wie er das macht? Das kurveninnere Hinterrad wird abgebremst, so dass der Wagen enger um die Kurve ziehen kann.

Die Motorisierung des wiederbelebten Klassikers ist übersichtlich. Es gibt nur einen Motor, ein Benziner mit sechs Zylindern. Der hat 2,7 Liter Hubraum, 335 PS und ein maximale Drehmoment von bei 563 Newtonmeter. Ergo: Über Kraftreserven im Gelände muss sich ein Bronco-Fahrer keine Gedanken machen. 10,7 Liter pro 100 Kilometer gibt Ford als Normverbrauch an. Rollt man sehr entspannt und lange über die Straßen, hat man, wie im Test, die Chance, sich diesem Wert etwas zu nähern. Im Gelände oder in der Stadt wird das natürlich nichts.

Auffällig erschien, dass sich die ansonsten geschmeidige Zehn-Gang-Automatik beim Gangwechsel immer wieder eine Gedenksekunde leistet. Das wünschte man sich schneller, zupackender. Manchmal fühlte sich der Wagen bei schnellen Richtungswechsel etwas schwammig an und wirkt auch mal poltrig auf schlechter Wegstrecke. Ist der Allradantrieb aktiv, muss man gelegentlich sehr energisch lenken, kräftig zupacken in Kurven oder beim Rangieren. Und laut wird es oberhalb von 100 km/h. Bei Tempo 160 ist Schluss mit dem Vortrieb.

 Dach und Türen sind - nicht bei allen Versionen - ausbaubar.
Dach und Türen sind - nicht bei allen Versionen - ausbaubar.
Foto: Ford

Man sitzt hoch im Bronco. Die Einsteiger müssen sich regelrecht unter Krafteinsatz hoch auf ihre Sitze ziehen, beim Aussteigen fällt man geradezu herunter. Die Rundumsicht ist auch Dank der großen Fenster bestens. Erfreut stellt man fest, dass man das große Auto besser im Griff hat, als gedacht. Auch Kleinigkeiten helfen bei der Orientierung. Die Verzurr-Ösen vorn auf den Kotflügeln sind zugleich gute Peilstäbe beim Rangieren. Praktisch, dass die Kunststoffverbreiterung der Radhäuser nur angeschraubt und so nach leichten Kollisionen gut austauschbar sind. Natürlich gibt es Unterfahr- und Flankenschutz, an der zweigeteilten Hecktür ist ein Reserverad montiert. Rein in den Kofferraum kommt man auf ungewöhnliche Weise. Zunächst ist unten die halbhohe Hecktür mit dem Ersatzrad zu öffnen, dann klappt man die darüber liegende separate Heckscheibe nach oben. Erst jetzt liegt der Kofferraum vor einen. Der hat ein Volumen von 562 Litern, erweiterbar auf 1.804 Liter. Kleiner Gag: Im Dachholm ist ein Flaschenöffner eingelassen.

Und mit noch einer Besonderheit verblüfft der Bronco. Türen und das Dach lassen sich bei der Version Sport Outer Banks in Windeseile abbauen. Das Auto verwandelt sich so in einen Monster-Roadster. Pro Tür sind nur zwei Schrauben und ein Elektrikstecker zu lösen, fertig. Ford liefert das entsprechende Werkzeug mit. Wohin mit den Türen? Der Hersteller bietet Taschen für die Türen an. Gut geschützt passen die in den Kofferraum. Warum das alles? Weil es geht. Für deutsche Interessenten hat die Sache aber einen Haken. Autos ohne Türen dürfen in Deutschland nur auf abgesperrten Privatgelände gefahren werden...

Technische Daten Ford Bronco:

Motor: Sechszylinder-Benziner mit 2,7 l Hubraum

Leistung: 335 PS

Drehmoment: 563 Nm

Normverbrauch: 10,7 Liter

Schaltung: Zehn-Gang-Automatik, Allradantrieb

Höchsttempo: 160 km/h

Länge: 4,83 m

Höhe: 1,87 m

Kofferraum: 562 l

Gewicht: 2,2 t

Anhängerlast: 1.570 Kilo

Preis: ab 74.500 Euro