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Diesel mit Doppelherz: Neue Hybrid-Modelle auf der IAA

Von Tobias Schormann 11.09.2007, 12:48

Frankfurt/Main/dpa. - Bislang war die Konkurrenz aus Asien den Autobauern aus Europa um Meilen voraus, wenn es um Hybridtechnik ging. Das soll sich nun ändern.

Als Antwort auf Öko-Modelle aus Fernost präsentieren europäische Hersteller auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA, 13. bis 23. September) in Frankfurt den Diesel-Hybrid. Mit ihm wollen sie ihrer Palette einen grünen Anstrich geben und Maßstäbe bei sparsamer Umwelttechnik setzen.

«Der Diesel-Hybrid ist der nächste logische Schritt in Richtung Umweltauto», sagt Peugeot-Sprecher Gordian Heindrichs. Die Technik biete im Vergleich zum Benziner-Hybriden ein größeres Einsparpotenzial bei Spritverbrauch und CO2-Ausstoß, da der Diesel grundsätzlich die sparsamere Technik sei. Auf der IAA zeigt Peugeot eine Studie des 308 Hybrid HDi, bei der ein Elektromotor mit 16 kW/22 PS den 1,6 Liter großen und 80 kW/109 PS starken Diesel unterstützt. Durch diese Kombination soll der Verbrauch um 38 Prozent gegenüber dem Basismodell auf 3,4 Litern Diesel je 100 Kilometer sinken. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 90 Gramm pro Kilometer (g/km).

Bislang war lediglich der Benzin-Hybrid in Serie erhältlich: Vorreiter sind etwa Toyota mit dem Prius, Honda mit dem Civic Hybrid und Lexus mit den Modellen RX 400h, GS 450h und neuerdings auch mit dem LS 600h. Mit dem Diesel-Hybrid gehe man nun bewusst einen anderen Weg als die asiatische Konkurrenz, sagt Heindrichs. Dieser habe auf dem europäischen Markt gute Chancen, da hier der Diesel weit verbreitet ist. Bis 2010 soll der 308 Hybrid HDi zum Aufpreis von rund 2000 Euro gegenüber dem Basismodell zu haben sein.

Auch Mercedes will ab 2010 erstmals einen 15 kW/20PS starken Elektroantrieb mit den «Bluetec»-Dieseln kombinieren. Ziel sei es, «neue Maßstäbe beim CO2-Ausstoß zu definieren», hieß es bei der Vorstellung auf der IAA. Dort zeigen die Stuttgarter zwei entsprechende Varianten des S 300 und S 400 - sie sollen auf 100 Kilometer 5,4 Liter sowie 5,8 Liter Diesel verbrauchen. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 142 und 154 g/km. Daneben ist auch der erste Hybrid-Antrieb in der E-Klasse geplant. Beim umgerüsteten E 300 sinkt der Verbrauch des 150 kW/204 PS starken Diesels dank des Elektromotors auf 5,1 Liter. Mit einem CO2-Ausstoß von 133 g/km liege er rund ein Drittel unter den Werten aktueller Benzin-Hybriden.

Noch sparsamer soll dieser Antrieb ab 2011 die C-Klasse machen: Hier sinkt der Verbrauch auf 4,7 Liter und der CO2-Ausstoß auf 125 g/km. Auf Kurzstrecken sei auch ein rein elektrisches Fahren möglich. Zudem stellt eine Start-Stopp-Automatik den Dieselmotor etwa beim Halten an Ampeln kurzzeitig aus, sagt Firmensprecher Matthias Brock. Dadurch lasse sich besonders im Stadtverkehr Sprit sparen.

Eine weitere Diesel-Hybridstudie zeigt Opel: Sie basiert auf dem Corsa 1.3 CTDI mit einer Motorleistung von 55 kW/75 PS. Das E-Aggregat arbeitet mit Lithium-Ionen-Batterien, die durch Bremskraft-Rückgewinnung aufgeladen werden. Der Verbrauch liegt bei 3,75 Litern je 100 Kilometer und der CO2-Ausstoß bei 99 g/km.

Zu spät kämen die deutschen Autobauer mit solchen Entwürfen nicht, meint Opel-Sprecher Wolfgang Scholz. «Wir haben diese Technik bereits früher vorgestellt - damals wollte sie aber keiner.» Erst mit der jetzigen Umweltdebatte sei vielleicht ein Wendepunkt gekommen, an dem Hybridmodelle den Durchbruch auf dem Markt schaffen könnten.

Der französische Autobauer Citroën stellt mit dem C-Cactus einen weiteren Hybrid-Entwurf vor: Als Antrieb dient ein Diesel mit Partikelfilter und einer Leistung von 51 kW/70 PS. Ihn unterstützt ein E-Motor mit 15 kW/20 PS. Der Wagen erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 150 Stundenkilometer (km/h) und kann auf Kurzstrecken komplett elektrisch betrieben werden. Das Kompaktmodell kommt im Schnitt mit 3,4 Litern Diesel auf 100 Kilometern aus. Der CO2-Ausstoß beträgt damit 78 g/km.

Parallel zum Diesel mit Doppelherz setzen Hersteller wie Audi, BMW und Mercedes aber weiter auf Benziner-Hybriden. Mercedes will schon im Oktober einen Smart mit Start-Stopp-Automatik und ab 2009 zwei Full-Hybrid-Varianten des ML 450 und des S 400 auf den Markt bringen. Der Sportwagenbauer Porsche zeigt auf der IAA einen Hybrid-Cayenne. Der Geländewagen soll 8,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen - 4,0 Liter weniger als die bisher sparsamste Ausführung. Der CO2-Ausstoß liegt bei rund 216 g/km.

Grundsätzlich sei aber immer noch fraglich, ob der Full-Hybrid die richtige Antwort auf die Klimadebatte ist, sagt Verkehrsexperte Günther Hubmann von Greenpeace. Zwar sei die Nachfrage wegen des derzeitigen «Umwelt-Hypes» groß - bislang seien die Versprechungen oft aber «reiner PR-Schwindel». Denn durch das Aufrüsten mit einem zusätzlichen E-Motor erhöhe sich auch das Gewicht des Wagens - und damit wiederum der Verbrauch. «Wenn Hybridtechnik dann mit Spritspartechnik gleichgesetzt wird, ist das eine Milchmädchenrechnung.» Sinnvoller seien Micro-Hybrid-Techniken wie die Start-Stopp-Automatik, sagt Hubmann. Diese allein biete schon ein Einsparpotenzial von acht Prozent gegenüber herkömmlichen Modellen.

Zudem sei Umwelttechnik jetzt zwar sehr gefragt - mehr zahlen wollten Kunden dafür aber nicht, sagt Mercedes-Sprecher Brock. Gerade beim Diesel-Hybrid würden zwei teure Techniken kombiniert - der hohe Preis dürfte viele abschrecken, vermutet Hubmann. Für den Massenmarkt sei es daher sinnvoller, Dieselmotoren weiter zu optimieren, anstatt sie mit neuer Technik auszustatten, die sich kaum jemand leisten kann oder will.