"Tatort"-Vorschau "Tatort"-Vorschau: Charlotte Lindholm und die Gammelfleisch-Geisterbahn
„Na los, reinbeißen und wohlfühlen“, fordert der Metzger die Kommissarin auf und hält ihr einen saftigen Knacker hin. Sie lehnt dankend ab. Oder können sie sich Maria Furtwänglers Charlotte Lindholm wurstkauend vorstellen? Na also. In ihrem ersten Fall seit zwei Jahren untersucht die NDR-Ermittlerin einen Mord im oldenburgischen Schweinegürtel. Ein Chauffeur wurde erschossen. Gemeint war aber wohl der Fleischfabrikant Jan-Peter Landmann, mit dem der Fahrer kurz zuvor den Platz getauscht hat.
Den Unternehmer gibt Heino Ferch mit der warmblütigen Grandezza eines Wurst-Mafiosi, anfangs bezirzt er sogar die spröde Kommissarin. Aber wir sind hier beim „Tatort“ und nicht bei Rosamunde Pilcher. Und da ist der alleinerziehende Machertyp keine gute Partie, sondern die charismatische Verkörperung der Billigfleisch-Industrie.
Keine Ekelszenen, nur grelle Wurstwerbung
Die wird von Lindholm ausgerechnet während des Geburtstages ihres Sohnes an den Pranger gestellt, es ist die trübste Fete aller Zeiten. Immerhin verzichtet der Regisseur und Drehbuchautor Alexander Adolph auf Ekelszenen aus dem Schlachthof. Stattdessen zeigt er Wurstwerbung in übersättigten Farben, das ist ja auch viel gruseliger.
Im Showdown jagt Adolph die Kommissarin dann durch eine Gammelfleisch-Geisterbahn, halb „Schweigen der Lämmer“, halb James Bond. Doch schnell kehrt der Film wieder zum verhaltenen Horror zurück, zum Thema angemessenen Unwohlsein. Weniger Pädagogik wäre mal wieder mehr gewesen, auch Bibiana Beglau ist als Mauerblümchen vom Landrevier etwas verschenkt. Aber szenisch dicht und dabei verdächtig idyllisch fotografiert ist „Der sanfte Tod“ allemal.