Nach seiner Teilnahme bei #allesdichtmachen

„Tatort“ mit Jan Josef Liefers: Wirbel um gekürzte Szenen

Von Robert Martin
Nach dem "Tatort" vom Sonntag ist Jan Josef Liefers erst einmal wieder als Professor Boerne in den Schlagzeilen. (Foto: Rüdiger Wölk/Imago)

Halle (Saale) - Jan Josef Liefers ist wieder in den Schlagzeilen - aber nicht wegen seiner Teilnahme an der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen. Diesmal geht um die neueste „Tatort“-Folge, aus der zwei Szenen geschnitten wurden. Am Sonntag war der Schauspieler neben seinem langjährigen Kollegen Axel Prahl in „Rhythm and love“ zu sehen.

In beiden gekürzten Szenen spielte Liefers seinen Charakter, den Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne. Gemeinsam mit seinem Partner, Kriminalhauptkommissar Frank Thiel, muss Boerne im neuen „Tatort“ einen Mörder in einer Hippie-Kommune finden.  

„Schüttel dein Hirn aus!“

Direkt zu Beginn geht der überkorrekte Rechtsmediziner auf Tuchfühlung: In einer kurzen Szene schließt sich Liefers' Charakter einem Trommelkreis an und beginnt, zuerst zögerlich und später mit mehr Einsatz, ekstatisch zu tanzen. „Lass mal das Handy und schüttel dein Hirn aus!“, ruft ihm eine junge Frau zu, woraufhin Boerne in den Kreis springt und später „Raus mit dir“ ruft, während er sein Haar rauft.

Diese Szene wurde aus dem „Tatort“ geschnitten, Liefers lud sie aber auf seinem Instagram-Kanal hoch. Er kommentierte den Beitrag mit den scherzhaften Worten „Diese Szene ist im morgigen Tatort Münster nicht zu sehen. Sie wurde herausgeschnitten, wahrscheinlich wegen der expliziten dance moves.“ Es war das erste Mal, dass sich Liefers seit der Kontroverse um die #allesdichtmachen-Aktion in den sozialen Medien äußerte.

Hat Boerne abgeschrieben?

Auch in der zweiten gekürzten Szene geht es um Liefers' Charakter Professor Boerne. Gegen ihn liegen Plagiatsvorwürfe vor, angeblich solle er bei einer Forschungsarbeit von einem renommierten Kollegen abgeschrieben haben. Dieser Kollege namens Professor Thomsen wird von einem Professor der Berliner Charité, Michael Tsokos, gespielt. Tsokos ist der Leiter der Rechtsmedizin an der renommierten Universitätsmedizin Berlin.

In seiner Gastrolle besucht Tsokos Liefers' Charakter Boerne und räumt die Plagiatsvorwürfe aus der Welt. Doch auch diese Szene ist im „Tatort“ vom Sonntag nicht zu sehen, denn der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat sie vor der Ausstrahlung aus der Folge gekürzt.

Kontroverse auf Instagram

Auf Instagram beschwert sich Tsokos in deutlichen Worten darüber. „Wo fängt Zensur an?“, fragt er und erklärt, dass er bei „TV Now“, dem Streamingsdienst von „RTL“ gemeinsam mit Jan Josef Liefers in einer Serie namens „Die Obduktion. Echte Fälle mit Tsokos und Liefers“ mitspiele. Tsokos kritisiert die Entscheidung des WDR als „brandgefährlich“ in einer Debatte, „in der potentielle Meinungsmache öffentlich-rechtlicher Sender immer wieder hinterfragt wird (und auch hinterfragt werden muss!)“.

Die Antwort des WDR ließ allerdings nicht lange auf sich warten. In einem Kommentar auf Tsokos Beitrag heißt es: „Lange nach dem Ende der Dreharbeiten haben wir durch Zufall erfahren, dass Sie und Jan Josef Liefers für den RTL-Streamingdienst TV Now in einer gemeinsamen Serie auftreten, die das gleiche Umfeld der Rechtsmedizin zeigt, wie der Münsteraner Tatort. Da wir keine Werbung für TV Now machen wollen und dürfen, haben wir die Szene entsprechend gekürzt.“

Beliebt trotz Boykottaufruf

Die Antwort des WDR beschwichtigte den Rechtsmediziner offenbar. In einem Kommentar unter dem Beitrag lobte Tsokos: „Da hat der WDR aber schnell reagiert und ich rechne es den Verantwortlichen hoch an, dass Sie hier nichts unter den Tisch fallen lassen."

Die „Tatort“-Folge „Rhythm and love" war außerordentlich beliebt beim deutschen Fernsehpublikum, über 14 Millionen Zuschauer schalteten ein. Im Vorfeld trendete auf Twitter ein Aufruf zum Boykott der Folge. Beispielsweise schrieb Nutzer @ML_aus_W: „Ich trenne gerne Person und Rolle. Bei dem, was sich Jan Josef Liefers und Konsorten geliefert haben, gelingt mir das nicht. Mir würde das Lachen im Halse stecken bleiben.“ (mz)