TV-Tipp

Sprung in ein neues Leben: „Neben der Spur ist auch ein Weg“

Eine Trennung ist nicht schön, erst recht nicht, wenn gemeinsame Kinder betroffen sind. Wie es danach weitergehen kann, das erzählt nun eine Familienkomödie im Ersten.

Von Klaus Braeuer, dpa 12.05.2022, 12:06
Linda (Marlene Morreis) und Carmen (Anita Vulesica, r) im Gespräch.
Linda (Marlene Morreis) und Carmen (Anita Vulesica, r) im Gespräch. Hardy Spitz/ARD Degeto/dpa

Berlin - Papa ist ausgezogen. Seit drei Monaten schon wohnt er im Wohnmobil, das im herbstlichen Garten seines stattlichen Hauses in Berlin steht. Fritz (Stephan Kampwirth) hat nämlich erkannt, dass seine Ehe mit Linda (Marlene Morreis) festgefahren ist.

Während sie sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen möchte, macht er bei einem Abendessen kurzen Prozess: Scheidung. Und nicht nur das - er hat bereits eine neue Wohnung und sogar eine neue Partnerin. Während er also in ein neues Leben springt, muss sie erstmal ihre Traurigkeit bewältigen. Davon erzählt die Komödie „Neben der Spur ist auch ein Weg“, die an diesem Freitag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.

Ein neuer Mann für Mama muss her

Für die drei erstaunlich gefassten Kinder des Paares ist schnell klar: Damit endlich wieder Ruhe einkehrt, braucht Mama einen neuen Mann. Mithilfe eines Dating-Portals und kleiner Tricksereien machen sich die Geschwister sofort auf die Kandidatensuche.

Die sich langsam entliebende Linda möchte aber gar nicht verkuppelt werden. Sie merkt nämlich, dass es so allein besser geht, als sie sich das je zugestanden hat. Sogar ein deutlich jüngerer Mann spricht sie an. Und so wacht sie nach einem spontanen One-Night-Stand genau neben jenem Studenten auf, in den sich ihr ältester Sohn verguckt hat (was sie aber erst später erfährt). Etwas neben der Spur, beginnt Linda jetzt, ihren eigenen Weg zu gehen, jenseits ihres bislang hübsch aufgeräumtem Lebens.

Die Regisseurin Anna Justice („Das Leben vor mir“) starb mit 58 Jahren im April 2021 und konnte ihren Film nicht mehr zu Ende drehen. Sie hat sich ihren Kollegen Ed Herzog (56, „3 1/2 Stunden“) als Nachfolger ausgesucht und ihm noch die Rohschnittfassung zusenden können, und er hat es vermocht, in ihrem Sinne weiter zu arbeiten. „Ich habe gemerkt, dass ich den Film nur dann fertigstellen kann, wenn ich auf meine eigene, innere Stimme höre und ihr vertraue“, erklärt er in einem ARD-Statement. „Diesen Film fertigzustellen, war für mich eine tief bewegende und auch wundervolle Art, von Anna Abschied zu nehmen; das schönste Geschenk, das sie mir gemacht hat.“

Kein durchweg leichter Film

Hauptdarstellerin Marlene Morreis (45, „Der Dänemark-Krimi“) ist nahezu in jeder Szene im Bild, gerät in ebenso lustige wie absurde Szenen und trägt diesen nicht durchweg leichten Film mühelos mit ihrem feinfühligen Spiel. Da hat es ihr Partner Stephan Kampwirth (55, „Extraklasse 2+“) deutlich schwerer, denn schließlich ist er es ja, der als Vater alles hinschmeißt. Allerdings wird anhand seiner Rolle deutlich, dass er insbesondere als Ehemann vieles vermisst hat.

Mit diesen beiden Hauptfiguren und ihren klugen Dialogen zeigt der gelungene Film, was seine Themen sind: Dinge nicht wahrhaben wollen, Verluste bewältigen, allein auf den Füßen stehen, Neues und Veränderungen an sich und am Leben entdecken, wieder begehrt werden - alles nach dem Motto: Woher sollen wir wissen, was wir wollen, wenn wir es nicht einfach mal probieren?