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600 Stellen gestrichen "Heute gefeiert, morgen gefeuert": Moderatoren äußern sich zu RTL-Stellenabbau

Der Kölner Sender RTL setzt zum Jahresauftakt radikale Einschnitte um: Neben etablierten TV-Sendungen fallen rund 600 Stellen weg. Moderatoren verabschiedeten sich unter Tränen von ihren Fans.

Von Tim Müller Aktualisiert: 27.01.2026, 11:01
Die RTL-Zentrale in Köln-Deutz: Hier fiel vermutlich die Entscheidung über die Umstrukturierung des Programms und die damit verbundene Streichung etlicher Formate.
Die RTL-Zentrale in Köln-Deutz: Hier fiel vermutlich die Entscheidung über die Umstrukturierung des Programms und die damit verbundene Streichung etlicher Formate. Foto: Imago/Bonn.digital

Köln. – Mit dem Beginn des neuen Jahres hat Privatsender RTL sein Programm umstrukturiert. Unter anderem wurden die Promi-Magazine "Gala" bei RTL, "Prominent" bei Vox und das Shortformat #VOXStimme eingestellt sowie die Morgenmagazine "Punkt 6", "Punkt 7" und "Punkt 8" überarbeitet – ganz zum Unmut der Moderatoren und Mitarbeiter.

"Prominent!"-Moderatorin geschockt von RTL-Aus

Diese Ausgabe von "Prominent!" falle "dem ganzen Team nicht leicht", so Laura Dahm am Anfang der Sendung am Sonntag, dem 11. Januar. "Es ist nämlich unsere allerletzte Sendung." Die Moderatorin hatte selbst erst am Mittwoch, dem 7. Januar, von ihrem Aus erfahren. 

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"Ich werde all das hier auf jeden Fall niemals vergessen. Ich durfte hier meinen großen Traum leben", sagte die 41-Jährige unter Tränen. "Ich habe es geliebt, hier im Studio zu stehen, draußen zu drehen mit ganz besonderen Menschen und vor allem mit einem besonderen Team zusammenzuarbeiten. Ihr seid alle großartig."

Bereits nach Bekanntgabe der Kürzungen hatte sich die Moderatorin auf Instagram schockiert gezeigt. „Es sind so viele Menschen davon betroffen, die wirklich ganz, ganz viel Herz und Liebe in diese Sendung gesteckt haben“, sagte Dahm in einer Story. "Ich werde in zwei Wochen 40 und anscheinend soll es so sein, dass ich jetzt irgendwie noch was Neues starte. Ich sortiere mich jetzt erstmal."

"Heute gefeiert, morgen gefeuert": Moderatorin Annett Möller teilt gegen RTL aus

Im Zuge der radikalen Neuausrichtung des Senders streicht RTL auch die Morgenmagazine "Punkt 6", "Punkt 7" und "Punkt 8". An ihre Stelle tritt ein gemeinsames Format mit dem Nachrichtensender ntv. 

Auch Annett Möller, Moderatorin der Formate, äußerte sich auf Instagram nun zu ihrem Aus. Dort gab sie zu, dass ihr jetzt schon "das Herz schwer" sei, wenn sie an das bevorstehende Ende der beliebten Morgenformate denke. Zu ihren Worten teilte sie mehrere Schnappschüsse vom RTL-Set.

Wenn nichts dazwischenkommt, werde sie noch vier Wochen mit ihrem Team drehen. Im Mai soll dann "für immer Schluss" sein. Doch sie wolle den Zuschauern mit ihrem Kollegen Simon Beeck bis zum Ende "noch einige schöne Sendungen" liefern. Möller versprach ihren Zuschauern: "Auch auf den letzten Metern soll das frühe Aufstehen Spaß machen." 

Wie sehr sie das Aus getroffen hat, gibt die Moderatorin in der Kommentarspalte unter ihrem Beitrag preis. Dort antwortete der TV-Star einem mitfühlenden User: "Heute wirst du gefeiert, morgen wirst du gefeuert. So oder so ähnlich kann es in unserer Branche tatsächlich zugehen. Habe ich alles schon erlebt!" 

Möller gestand aber auch, dass ihr die Härte des Geschäfts stehts bewusst gewesen sei: "Und doch wollte ich immer moderieren und das ist leider etwas, womit ich immer rechne. Aber ja, es tut immer weh." 

Zu ihrer persönlichen Zukunft schrieb Möller: "Dass es das Fernsehen, so wie wir es kennen, leider nicht mehr ewig geben und sich viel verändern wird, das ist ja seit Jahren bekannt." 

"Schwere Tage" für RTL-Mitarbeiter: Moderator vom Morgenmagazin äußert sich

Auch Jan Malte Andresen, Moderator der betroffenen Morgenmagazine "Punkt 6", "Punkt 7" und "Punkt 8", hat sich zu dem Stellenabbau geäußert. Der 53-Jährige teilte auf Instagram bittere Worte zu dem harten Sparkurs des Senders. "Bei RTL verlieren viele Kolleginnen und Kollegen ihren Job. Menschen, mit denen ich so gern zusammenarbeite. Menschen, die ihren Beruf mit Haltung, Herzblut und großem Einsatz leben", schrieb der TV-Star.

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Seine Worte machen klar, wie gedrückt die Stimmung derzeit im RTL-Studio sein muss. "Es sind schwere Tage für viele von ihnen. Und es tut weh zu sehen, wie viel Erfahrung, Leidenschaft und journalistische Arbeit gerade verloren geht", so Andresen. Laut dem 53-Jährigen verliere sorgfältiger Journalismus zunehmend an Wert.

Moderatorin Annika Lau: "'Gala' war mein Baby"

Auch "Gala"-Moderatorin Annika Lau ist von RTLs Entscheidung betroffen. In ihrer Abschiedssendung blickte sie auf die Top 10 der schönsten "Gala"-Momente zurück. Nach der Präsentation von Platz 1 – den lustigsten Outtakes – wandte sich die 46-Jährige emotional ans Publikum und verkündete den Abschied.

"Das war's von uns, leider", so die Moderatorin. "Wir hätten wahnsinnig gerne weitergemacht, müssen uns aber schweren Herzens verabschieden, und das tut mir persönlich besonders weh, denn 'Gala' war mein Baby."

Seit dreieinhalb Jahren gestaltete die Moderatorin die Sendung mit. Sie betonte, dass alle Geschichten "auf Augenhöhe und mit einem liebevollen Herzen" erzählt wurden.

Lobend erwähnte sie das Redaktionsteam, das "wertschätzend ist und nie den Mut verloren hat". Annika Lau: "Danke an das gesamte, sehr große Team hinter der Kamera, das jeden Samstag für euch alles gegeben hat."

Elena Bruhn: "Traurigste Woche in über 20 Jahren RTL"

In einem längeren Instagram-Post hatte sich auch "Explosiv"-Moderatorin Elena Bruhn geäußert. Die 47-Jährige schrieb sich förmlich ihren Frust von der Seele.

"Diese Woche war die traurigste, die ich in über 20 Jahren bei RTL erlebt habe. Viele Kolleginnen und Kollegen haben in diesen Tagen ihren Job verloren", erklärte die Journalistin in dem Beitrag. Sie habe in all den Jahren mit Menschen zusammengearbeitet, die für ihren Beruf "gebrannt und Sendungen mit Kompetenz, Haltung und Leidenschaft geprägt haben."

Es seien nicht einfach "Formate" eingestellt worden, sondern "Lebensabschnitte", wie Bruhn betonte. Sie kritisierte, dass mit den gestrichenen Stellen "Erfahrung, Wissen und journalistische Substanz verloren" gingen.

RTL will künftig auf KI und Digitalisierung setzen

Der Kölner Privatsender RTL hatte zuletzt eine radikale Neuausrichtung angekündigt. Insgesamt sollen rund 600 Stellen gestrichen werden. Im Zuge der Umstrukturierung will der Privatsender vermehrt Künstliche Intelligenz und eine stärkere Digitalisierung setzen.