Maite Kelly im Interview

Maite Kelly im Interview: Die Herzfrau mit den sieben Leben

Halle (Saale) - Maite Kelly So klingt ihre neue Single Sieben Leben

15.02.2017, 16:12

Sie ist der zweitjüngste Spross der berühmten Kelly-Family und hat nun als Solo-Künstlerin ihr musikalisches Zuhause gefunden: Mit modernen Popsongs erobert Maite Kelly (37) derzeit die Schlager-Szene.

Der Durchbruch gelang im Jahr 2014, als sie mit Roland Kaiser das Duett „Warum hast du nicht nein gesagt“ aufnahm. Jetzt feiert die 37-Jährige Erfolge mit ihrem Album „Sieben Leben für dich“.

Daneben ist die dreifache Mutter auch als Songschreiberin, Kinderbuchautorin und Mode-Designerin tätig. Vorläufiger Höhepunkt wird die Solo-Tournee, die Maite Kelly und Band am 12. März auch in das Haus Auensee nach Leipzig und am 17. März in das Steintor-Varieté Halle führt.

Maite Kelly im Interview: Durchbruch mit Roland Kaiser

Vorab hat MZ-Redakteurin Kornelia Noack mit Maite Kelly gesprochen.

Ihr Album heißt „Sieben Leben für dich“. Sie scheinen im Schlager-Leben angekommen zu sein. Haben Sie sich denn je eine Karriere als Schlagersängerin vorstellen können?
Maite Kelly: Ich habe schon als Kind in vielen Chanson- und Schlagershows im Fernsehen rumgehangen. Tagein, tagaus. Ich war umringt von solcher Musik und von großen Chansoniers, sonst könnte ich auch nie selbst so über das Leben und die Liebe schreiben. Das war mein großes Glück. Vielleicht verbinde ich momentan in meinen neuen Liedern einfach die ganzen Pop-Erfahrungen, die ich als erwachsene Frau lernen durfte, mit der Folklore, dem Schlager und den Chansons aus meinen jungen Jahren. Und es fühlt sich so echt an. Ich mache ja nicht Schlager, weil es irgendwie Mode ist, sondern ich schwelge in der Welt seit meiner Kindheit und es kommt einfach aus mir raus. Ich habe jetzt schon 40 Skizzen für das neue Album und ich muss mich gar nicht dazu zwingen, einen Schlager zu schreiben, das geht von ganz alleine.

Also haben Sie den Schlager nicht neu für sich entdeckt, sondern er war schon immer Teil Ihres Lebens?
Maite Kelly: Ja, und ich wusste es vielleicht manchmal nicht. Ich hatte mit 20 auch mal eine Ska-Band und habe mich quasi in der großen weiten Welt ausgetobt. Aber jetzt fühlt es sich so an, als wäre ich wieder nach Hause gekommen. Ich möchte in meiner Musik zwei Sachen verbinden. Zum einen war der Ansatz für das Album „honor the past“, also den großen Textern und Melodisten der alten Schlager die Ehre zu erweisen. Zum anderen möchte ich als Vertreterin der neuen Generation qualitativ hochwertige Unterhaltungsmusik machen. Zum Beispiel habe ich mit Wolfgang Hofer, der Autor des Udo-Jürgens-Liedes „Mit 66 Jahren“ für mein Album das Lied „Wir haben uns“ geschrieben. Ich habe aber auch mit vielen gearbeitet, die schon zu Kelly-Zeiten da waren. Das war eine großartige Erfahrung. Ich genieße es, dass wir gemeinsam etwas Neues erschaffen haben.

Der Durchbruch kam mit dem Duett mit Roland Kaiser. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Maite Kelly: Den Song „Sag bloß nicht hallo“ hatte ich schon längere Zeit in der Schublade, und ich hab gedacht: Das ist ein geiler Schlager, den müsste Roland Kaiser singen. Wir sind uns dann bei Veranstaltungen immer öfter über den Weg gelaufen, aber ich habe mich nie getraut zu fragen. Dann saßen wir gemeinsam bei einer Carmen-Nebel-Show und haben eine ganz schreckliche Minestrone-Suppe gegessen. Ich sagte zu ihm: Herr Kaiser, diese Suppe ist hervorragend. Und er antwortete: Die Suppe ist vorzüglich. Da wusste ich, nun kann ich die Bombe platzen lassen. Ich habe ihm das Lied zugeschickt und dann traf ich mich mit ihm in Köln. Ich hatte den Titel vorher mit meinem Schreibpartner Götz von Sydow eingesungen. Das fand Rolands Frau so schön, dass sie vorschlug, dass wir das im Duett machen könnten. Roland fragte mich, und ich wusste, die Frage kann man nicht verneinen. Alles andere ist Geschichte.

Sie sagen, dass Roland Kaiser in Ihnen die Schlagersängerin entdeckt hat. Was hat er in Ihnen gesehen, was kein anderer gesehen hat?
Maite Kelly: Er hat vor allem das in mir gesehen, was ich am liebsten bin, nämlich eine Entertainerin auf der Bühne. Gute Schlagersänger wollen die Menschen erreichen, sie wollen Unterhaltung mit Haltung rüberbringen. Darin war Roland für mich großes Vorbild und eine Art Mentor. Ich habe von ihm gelernt und bin ihm sehr dankbar dafür, schließlich vertrauen mir die Menschen ihre Zeit an, wenn sie zu meinen Auftritten kommen. Und wenn ich zu der neuen Generation der guten Entertainer dazugehören darf, dann ist es auch meine Aufgabe, Qualität so zu verpacken, dass es ganz selbstverständlich rüberkommt.

Sie scheinen oft selbst überwältigt von Ihrem derzeitigen Erfolg. Können Sie sich erklären, warum es gerade so durch die Decke geht?
Maite Kelly: „Sieben Leben“ ist jetzt mein drittes selbstgeschriebenes Album. Und man sagt ja, jeder gute Künstler braucht drei Alben, um für sich seinen Fluss zu finden. Manche brauchen auch mehr, aber bei mir ist es jetzt wohl dieses. Ich glaube, die Songs funktionieren ganz gut. Der Berühmtheitsgrad reicht für Erfolg jedenfalls nicht aus. Man kann Erfolg nicht erklären. Es ist ein Geschenk, und trotzdem kann man etwas dazu leisten… hart arbeiten, sein Handwerk lieben und vor allem die Menschen lieben, die zuhören.

Sie haben ja auch fast alle Lieder Ihres Albums selbst geschrieben...
Maite Kelly: ... ja, ich war ja schon immer eine Songschreiberin, brauche immer Stift und Papier. Als ich dann vor sechs Jahren entschieden habe, Texte in Deutsch zu singen, war mir auch klar, dass es einige Jahre brauchen wird, um es handwerklich so umzusetzen, dass es wirklich auf den Punkt ist. Dann kam die Zusammenarbeit mit Roland Kaiser vor mehr als zwei Jahren. Da ist auch etwas in mir passiert ist. Trotzdem gehe ich nicht mit dem Kopf ran, sondern immer mit dem Herzen. Und weil Schlager reine Herzmusik ist, passt er so gut zu mir.

In Ihren Liedern geht es hauptsächlich um die Liebe, Versuchungen, aber auch Treue und Neuanfänge. Wie viel persönliche Lebenserfahrung von Ihnen steckt da drin?
Maite Kelly: Es gibt Lieder wie „Es war noch nie so schön, so falsch zu liegen“. Ich weiß ganz genau, wie das ist, denn ich bin seit 17 Jahren treu. Als ich meinen Mann kennengelernt habe, dachte ich: Oh Gott, der ist gefährlich, mit dem solltest du dich auf keinen Fall einlassen. Und er entpuppte sich schließlich als genau das Gegenteil. Das ist dieses Staunen: Oh je, es war noch nie so schön, so falsch zu liegen!

Man kann den Song aber auch anders verstehen... Nämlich?
Maite Kelly: Es gibt viele Frauen, die sich in einen Mann verlieben und die von vornherein wissen, dass er der falsche ist. Aber in dem Fall ist es einfach zu schön, um wahr zu sein. Diesen Widerspruch mag ich an der Liedzeile so gern. Man muss nicht immer das Falsche tun, aber das Falsche zu fühlen, ist menschlich. Dieses Ringen mit sich selbst, wollte ich gern zum Ausdruck bringen. Und es ist gar nicht so leicht, Sätze zu finden, die eine Gefühlswelt beschreiben, die im Pop noch nicht durch sind. Natürlich ist es keine Überpoesie, sondern der Satz hat auch etwas Selbstverständliches. Genauso mag ich das.

Die Konzertankündigung verspricht einen Ausflug in die „Wunderbare Welt der Maite Kelly“. Was erwartet das Publikum dort?
Maite Kelly: Ich möchte gern eine Achterbahn der Gefühle. Es soll bunt, poetisch und auch lustig werden, so dass die Menschen danach sagen: Ja, mit Maite möchte ich noch mehr Stunden verbringen. Ich werde verschiedene alte Schlager singen, aber auch ganz neue Titel, und ich werde ein bisschen tanzen. Außerdem möchte ich gern Intimität schaffen, so dass die Menschen wissen, ich bin ganz nah bei ihnen.

Woher nehmen Sie bloß diese viele positive Energie, die Sie auf der Bühne ausstrahlen?
Maite Kelly: Man sieht es mir vielleicht auf den ersten Blick nicht an, aber ich nehme mir sechsmal pro Woche eine Stunde Zeit für Sport. Ich bin ein Bewegungsmensch, lebe auch sehr diszipliniert und schlafe viel. Und ich teile meine Energie ein. All die kreative Arbeit mache ich von zu Hause aus, so dass ich, wenn ich draußen in der weiten Welt unterwegs bin, dafür die nötige Energie habe. Und ich suche immer wieder gern die Stille. Stille ist ein guter Berater. Wenn die Kinder im Kindergarten und der Schule sind, dann höre ich gern in mich hinein.

In welchen Momenten stoßen aber auch Sie an Grenzen?
Maite Kelly: Ein Beispiel: Ich konnte meinen Auftritt beim anstehenden Comeback-Konzert der Kelly-Family im Mai einfach nicht zusagen, weil die Zeit bis dahin einfach zu vollgepackt ist. Und eine gute Work-Life-Balance ist mir sehr sehr wichtig. Ich bin ja kein Übermensch, ich habe ja auch nur dieses Leben. Was viele nicht wissen: 90 Prozent der Anfragen, die ich bekomme, sage ich ab. Dabei denken die Menschen, ich wäre so wahnsinnig viel unterwegs. Ja, es stimmt, ich arbeite hart, aber ich arbeite sehr gezielt und bin dann, wenn ich etwas tue, Perfektionistin. Die Menschen erwarten einfach das Beste von mir und ich möchte es ihnen geben.

Was tun Sie, um aufzutanken?
Maite Kelly: Tanzen oder ein Bad nehmen.

Sie sind vor allem für viele Frauen ein großes Vorbild. Ist es nicht manchmal auch eine Bürde, dieser Rolle gerecht zu werden?
Maite Kelly: Also ich sehe mich überhaupt nicht als ein role model. Am meisten bewundere ich die Frauen, für die ich meine Lieder schreibe… die Bäckerin von nebenan und so weiter. Ich glaube, man ist automatisch ein Vorbild, wenn man jedem, den man trifft, einfach menschlich begegnet. Ich fokussiere mich immer auf Inhalte, weil diese für sich sprechen, und ich mache mir nicht so viele Gedanken, wie ich rüberkomme. Ich bin ja Gott sei Dank kein Politiker. Ich muss ja nicht politisch korrekt sein. Im Gegenteil. Diese Freiheit nehme ich mir aber, weil das auch meine Aufgabe als Künstlerin ist. Und vielleicht ist es genau das, was anderen das Gefühl vermittelt: Ich kann ebenso zu mir stehen, zu meinen Worten, zu meinen Gedanken, meinen Gefühlen. Ich gebe zu, mir ist das nicht immer gelungen, aber es wird im Alter immer besser. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich mit den Jahren zu einer Freundin für viele Frauen geworden bin, die mich schon als kleines Mädchen kannten, weil sie sich in meinen Bruder verliebt hatten (lacht).

Was glauben Sie, wie viele von Ihren heutigen Fans haben Sie schon damals mit der Kelly Family erlebt?
Maite Kelly: Witzigerweise sitzen in meinen Konzerten zu 90 Prozent Paare. Ich weiß, dass die Frauen ihre Männer zwingen, die Tickets zu kaufen. Und die Männer machen das aber gern mit, weil sie wissen, dass sie Spaß haben werden und keinen Ärger kriegen, weil sie mich vielleicht angeguckt haben. Frauen sind nicht gleich eifersüchtig bei mir (lacht). Wie viele von denen damals schon Kelly-Fans waren, habe ich noch nie so richtig zu spüren bekommen. Ich habe ein sehr treues Maite-Publikum, die Menschen sehen mich wirklich als die Frau, die ich bin. Sie verfolgen genau, was ich so mache. Dass sie mich schon als junges Mädchen auf der Bühne kannten, ist dann noch das i-Tüpfelchen. Es ist für mich ein Geschenk, denn nicht jeder Künstler darf mit seinen aktuellen und alten Liedern gleichermaßen so glänzen.

Ihr Bruder Angelo musiziert mit seiner Ehefrau und seinen fünf Kindern gemeinsam auf der Bühne. Könnten Sie sich das auch für Ihre Familie vorstellen?
Maite Kelly: Jeder sollte das tun, was für seine Familie das richtige ist. Meine Kinder leben ein sehr bürgerliches, normales Leben, und wir sind recht spießig. Für sie sehe ich die Bühne momentan nicht als richtig an, sie interessieren sich auch nicht für Musik, sondern haben andere Leidenschaften. Agnès ist zum Beispiel super ehrgeizig im Skilaufen. Da versuche ich schon immer, sie zu bremsen und sage ihr: Du musst keine Medaillen nach Hause bringen, die Hauptsache ist, du liebst das, was du tust. Josephine tanzt sehr gern Hip-Hop. Unsere Kinder bekommen also beides mit, das etwas spießige Dasein und das etwas verrückte künstlerische. Bei Angelo ist es etwas ganz anderes, weil da alles eins ist. Sein Lebensstil, die Kinder, die Folkmusik, das ist etwas sehr Authentisches, und die Kinder sind glücklich, sie gehen auf dabei. Ich glaube, es ist immer nur die Frage, wie man was macht. Und Angelo macht das wirklich großartig. Er ist ein beschützender Vater. Und mir hat so ein Lebensstil ja als Kind auch sehr viel Freude gemacht.

(mz)