TV-Tipp

„Karla, Rosalie und das Loch in der Wand“ im Ersten

Das Verhältnis zweier Schwestern ist seit Jahren getrübt. Das ändert sich nicht, als die eine bei der anderen spontan einzieht. Jedenfalls nicht auf die Schnelle. Eine TV-Komödie im Ersten.

Von Klaus Braeuer, dpa 14.01.2022, 00:17
Rosalie (Jutta Speidel) bleibt mit Karla (Paula Hartmann) im Rollstuhl im Sand stecken.
Rosalie (Jutta Speidel) bleibt mit Karla (Paula Hartmann) im Rollstuhl im Sand stecken. Stefan Erhard/ARD Degeto/dpa

Berlin - Ein Container landet plötzlich im Garten. Eine Frau mit Gepäck steigt über die Hecke. Es ist Rosalie (Jutta Speidel), die bisher als Ingenieurin in Afrika gearbeitet hat. Nach einem Schwächeanfall kehrt sie nach Deutschland zurück.

Ihrer Schwester, der pensionierten Lehrerin Margret (Ruth Reinecke), wird schnell klar, dass Rosalie sich in ihrem Zuhause bei Berlin auf längere Zeit einnistet. Denn Rosalie ist pleite. Wie das ausgeht, das zeigt die Komödie „Karla, Rosalie und das Loch in der Wand“, zu sehen an diesem Freitag um 20.15 Uhr, Das Erste.

Wundersamerweise entdeckt Rosalie in einem Loch ihrer Zimmerwand (hinter einem Bild) viele große Geldscheine, die sie gut gebrauchen kann - nebenan wohnt die hochbegabte Abiturientin Karla (Paula Hartmann), gemeinsam mit ihrem Vater Harald (Aurel Manthei). Langsam freundet sich die ziemlich penetrante Rosalie mit dem ziemlich klugen Teenagermädchen an, das im Rollstuhl sitzt, und möchte Karla auf dem Weg zum Abitur unterstützen.

Regisseur Hanno Olderdissen (45, „Der Bulle und das Biest“) hat seine Komödie rund um drei Frauen ziemlich flott und mit einiger Situationskomik inszeniert. Die Themen Vereinsamung, Kontaktlosigkeit und Isolation spielen genauso eine Rolle wie der Umstand, dass Rosa bei bedeutsamen Familienereignissen nicht zur Stelle war.

Die gleichsam lebenslustige wie patente Rosa tut der lernbegierigen Karla und der eher muffigen Margret allmählich richtig gut. Die beiden Frauen tauen angesichts von so viel Lockerheit regelrecht auf, und Rosa kann etwas Bodenständigkeit auch ganz gut gebrauchen - schließlich können sich die beiden Schwestern gegenseitig Halt geben.

Ruth Reinecke (66, „Wenn das fünfte Lichtlein brennt“) sagt in einem ARD-Interview: „Es war reizvoll, eine Margret zu erspielen, die mit mir persönlich eher wenig zu tun hat. Ich lebe mit meiner Familie, und ich werde älter und habe nicht das Gefühl, dass es langweilig ist. Im Gegenteil: Ich bin ein wacher und neugieriger Mensch mit einer großen Lebenserfahrung. Das ist der Reichtum unserer Generation.“ Sie und ihre Kollegin Jutta Speidel (67, „Alice im Weihnachtsland“) agieren mit sichtlicher Spielfreude: „Ich bin nicht alt, höchstens reif“, sagt Rosa. Paula Hartmann (20, „Ausgerechnet Sylt“) muss sich keineswegs hinter ihren beiden bekannten Kolleginnen verstecken.

So erzählt der unterhaltsame Film von der Kunst des Anfangens und des Aufhörens. Ach ja, was es mit dem wertvollen Versteck und dem Geld auf sich hat, wird zum etwas melodramatischen Schluss genauso aufgeklärt wie Rosas Schwächeanfälle. Und sowieso wird alles gut.