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PotsdamPotsdam Museum zeigt "Die wilden 80er Jahre in der deutsch-deutschen Malerei"

Von Joachim Lange 02.01.2017, 11:00
„Paar am Fenster (Leipziger Liebespaar)“ von Doris Ziegler aus Leipzig (links) und „Maler und Modell“ des Dresdner Künstlers Veit Hoffmann
„Paar am Fenster (Leipziger Liebespaar)“ von Doris Ziegler aus Leipzig (links) und „Maler und Modell“ des Dresdner Künstlers Veit Hoffmann dpa

Potsdam - Wer sich an ein Resümee der deutschen Malerei der jüngeren Vergangenheit macht, bewegt sich auf vermintem Gelände. In Weimar führte der „Aufstieg und Fall der Moderne“ 1999 mit der diffamierenden Präsentation der DDR-Malerei zu erheblichen Kollateralschäden im Kunstdiskurs.

Und das war nur das prominenteste Beispiel. Mehrere ausgewogenere Ausstellungen zu diesem Themenkreis (in Weimar, Berlin, Leipzig oder Nürnberg) später, wartet das Museum Potsdam - Forum für Kunst und Geschichte nun mit einem gewichtigen Beitrag zur deutsch-deutschen Malerei auf.

Der gerät deshalb so überzeugend, weil er sich auf die figürliche Malerei der 80er Jahre konzentriert. Vor allem, weil es hier gelungen ist, fast 90 Meisterwerke aus den eigenen Beständen des Museums mit prominenten Leihgaben zu vereinen, die auf beiden Seiten der Mauer entstanden sind.

Die Ausstellung belegt, dass die figurative Malerei in den 80er Jahren auch in der alten Bundesrepublik eine Blüte erlebte. Diese Hinwendung war ein bewusstes Abrücken von einem teils schon dogmatischen Bekenntnis zu Abstraktion, Pop-Art, Minimalismus oder Konzeptkunst. Anders in der DDR. Hier ging es nicht um eine Hinwendung zum Figürlichen, sondern um die Emanzipation von einem vordergründigen Sozialistischen Realismus durch ausgeprägte Individualität bei der Wahl von Themen und künstlerischen Mitteln.

Ein Vorzug der Potsdamer Schau besteht darin, dass die gezeigten Werke bewusst nicht als Ost- oder Westkunst gekennzeichnet sind. In sechs Kapiteln werden sie vielmehr thematisch gruppiert, indem das Attribut „figurativ“ jeweils mit den sechs Stichworten erzählerisch, beobachtend, ekstatisch, kämpferisch, losgelöst und zeichnerisch klug kombiniert wird.

Mit den gezeigten Werken von Bernhard und Johannes Heisig, Mattheuer, Rink, Ebersbach, Giebe, Gröszer, Hampel, Pfeifer, Uhlig und etlichen anderen haben die Ost-Maler in Potsdam einen wirklich starken Auftritt. Die figurative Malerei aus dem Westen ist mit ihren prominenten Protagonisten ebenso eindrucksvoll vertreten.

Wenn jemand wie Georg Baselitz schon 1958 in den Westen ging, ist die Zuordnung noch relativ leicht, bei Hans-Hendrik Grimmling und Volker Stelzmann, die 1986 die DDR verließen, ist sie schon nicht so eindeutig. Und bei einem jüngeren Akteur wie Johannes Heisig war der Wechsel von Dresden nach Dortmund ebenso gesamtdeutsch wie der Aufstieg von Neo Rauch.

Letzten Endes ist es wie mit der deutschen Literatur, die Stephan Hermelin mit einem Baum verglich, an dem verschiedene Äste blühen, die ihre Kraft aus einer Wurzel beziehen. In Potsdam macht es einfach Spaß, den Vorlieben der Künstler nachzuspüren. Ob in der Farbgebung, wo man mehr schrille Töne bei den westdeutschen Wilden, mehr gedämpfte bei den Ostdeutschen finden wird. Oder in deren Hingabe ans penibel ausformulierte Detail.

„Die wilden 80er Jahre in der deutsch-deutschen Malerei“, Potsdam Museum, Am Alten Markt 9, bis zum 21. März. Der Katalog kostet 29,95 Euro. (mz)