Multitalent

Popsängerin und Aktivistin Halsey wird 28

Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein ganz normaler Popstar. Schaut man jedoch genauer hin, wird klar, warum das Magazin Times Halsey als „Anführerin der nächsten Generation“ bezeichnet.

Von Sophia Reddig, dpa Aktualisiert: 29.09.2022, 14:11
Popsängerin Musikerin Halsey ist vielseitig.
Popsängerin Musikerin Halsey ist vielseitig. Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

Berlin - Schwarz, blond, blau, kurz, lang, lockig oder komplett abrasiert: Wenn Halsey auftritt, kann man sich nie sicher sein, welche Frisur sie gerade trägt.

Auch als Künstlerin probiert sie gerne viel aus. Vor allem ist Halsey als Musikerin und Songwriterin bekannt, schreibt jedoch auch Gedichte, malt, tritt als Cameo oder Synchronsprecherin in Filmen auf und hat zwei Make-Up-Labels gegründet.

Ach ja, Mutter ist sie letztes Jahr auch geworden. Und das alles noch vor ihrem 30. Lebensjahr. Die Künstlerin, die mit bürgerlichem Namen Ashley Nicolette Frangipane heißt, wird an diesen Donnerstag (29. September) 28 Jahre alt.

Mit „Ghost“ fing alles an

Der Name Halsey ist ein Anagramm ihres Vornamens Ashley und gleichzeitig der Name einer Straße in Brooklyn. Dort verbrachte sie viel Zeit in ihren jungen Erwachsenenjahren, in denen sie sich ohne festen Wohnsitz und ohne wirklichen Plan durch New York schlug. Während dieser Zeit nahm sie ein Freund mit ins Studio, wo sie den Elektropop-Song „Ghost“ einsang. Sie lud das Lied 2014 auf Soundcloud hoch und teilte es mit ihren Followern auf Tumblr. „Ghost“ verbreitete sich rasch im Internet und sicherte der damals 19-Jährigen einen Plattenvertrag bei Astralwerks. Nur wenige Monate später gab Halsey ihr erstes Konzert überhaupt als Support für „The Kooks“. „Ich hatte keine Ahnung, was ich tat“, sagte Halsey rückblickend in einem Interview.

Dafür lief es aber dann doch erstaunlich gut: Ihr Debütalbum „Badlands“ stieg 2015 direkt auf Platz Zwei der US-Billboard-Charts ein und erreichte nach nur einem Jahr Platinstatus. Das Folgealbum „hopeless fountain kingdom“ schaffte 2017 sogar den Einstieg auf Platz Eins der US-Billboard-Charts. Nach dem Wechsel zum Label Capitol erschienen 2020 „Manic“ mit ihrer bisher bekanntesten Single „Without Me“ und 2021 „If I Can't Have Love, I Want Power“. Für ihr viertes Studioalbum, was deutlich düsterer ist und von Trent Reznor und Atticus Ross der Band Nine Inch Nails produziert worden ist, erhielt sie in diesem Jahr eine Grammy-Nominierung.

Sie hält Kontakt zur ihrer Fanbase

Die Liste von Künstlern, mit denen Halsey zusammengearbeitet hat, ist lang: BTS, Alanis Morisette, Justin Bieber, Bring Me The Horizon, Justin Timberlake, Juice WRLD, Machine Gun Kelly, Yungblud, G-Eazy … um mal ein paar zu nennen. Wie bereits eingangs bemerkt, die Frau hat Freude am Experimentieren. Das zeigt sich auch musikalisch: So finden sich in ihrer Diskografie sowohl atmosphärische Synth-Pop-Nummern als auch rasender Alternative-Rock und alles dazwischen.

Ihre loyale Fanbase geht mit, egal in welchem Genre sie gerade unterwegs ist. Das könnte auch daran liegen, dass Halsey engen Kontakt zu ihren Hörern via Social Media pflegt. Regelmäßig beantwortet sie auf Twitter Fragen, tritt in Livestreams auf und teilt private Momente aus ihrem Leben auf Instagram. Auch in Interviews spricht sie ungewohnt offen über intime Themen wie ihre bipolare Störung, einen Selbstmordversuch und ihre Erinnerung an mehrere Fehlgeburten infolge einer Endomitose. Beim New York Women’s March 2018 teilte sie in einem emotionalen Gedicht ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt und Missbrauch.

Auch für andere Themen engagiert sie sich. Die Tochter eines Afroamerikaners war bei mehreren Black-Lives-Matter-Protesten dabei und rief den „Black Creators Fund“ ins Leben, um schwarzen Künstlern eine Plattform zu geben. Die bisexuelle Frau setzt sich für den Schutz queerer Menschen ein, für mentale Gesundheit und Suizid-Prävention. Immer wieder kritisiert sie das Patriarchat und soziale Ungleichheit. In den vergangenen beiden US-Wahlkämpfen unterstützte sie Bernie Sanders prominent. 2020 zierte die Aktivistin das Cover der Times, welches sie als „furchtlose Künstlerin und Fürsprecherin“ bezeichnete. Im selben Jahr wurde sie vom Magazin zu einer der einhundert einflussreichsten Personen gekürt.

Gerade hat sie die Tour zu ihrem vierten Album abgeschlossen. Wie geht es weiter? In Interviews sagte die Künstlerin, dass sie darüber nachdenkt, TV-Shows zu schreiben oder mehr zu schauspielern. Man darf gespannt sein.