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Streaming-Tipp Los, verführ mich! Die sexy Serie „Vladimir“

Rachel Weisz spielt in der Netflix-Serie „Vladimir“ eine Mittfünfzigerin, die einen deutlich jüngeren Mann begehrt – erst ist sie fasziniert, dann verfällt sie ihm. Mit weitreichenden Konsequenzen.

Von Simone Andrea Mayer, dpa 05.03.2026, 09:18
Rachel Weisz und Leo Woodall in einer Szene der siebten Folge der neuen erotischen Netflix-Miniserie „Vladimir“.
Rachel Weisz und Leo Woodall in einer Szene der siebten Folge der neuen erotischen Netflix-Miniserie „Vladimir“. -/Netflix /dpa

Berlin - Was kann eine Frau in ihren Fünfzigern noch erwarten? „Erst vor kurzem bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass ich womöglich nie wieder Macht über einen anderen Menschen habe“, stellt sich eine namenlose Professorin zu Beginn der neuen Netflix-Serie „Vladimir“ (Start 5.3.) vor. „Meine Studierenden, die sich ein Bein ausgerissen haben, mir zu imponieren, sie sagen, dass mein Unterricht von gestern sei.“ Ihre erwachsene Tochter finde sie lästig.

Vor allem aber fehle es ihr an Anziehungskraft gegenüber Männern, findet die Frau. Zwar werde sich möglicherweise noch ein Mann auf sie einlassen, aber eine spontane Erektion – die werde sie wahrscheinlich nie wieder verursachen. „Aber was am unangenehmsten ist, dass ich als ältere Frau die Fähigkeit verlieren werde, andere zu fesseln.“

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Eindringlich gespielt wird die Frau von Oscar-Gewinnerin Rachel Weisz, was auch daran liegt, dass sie oft direkt an den Zuschauer gewandt in die Kamera spricht. Eindringlich und dazu verstörend ist auch ihre Lage: Sie lebt in einer offenen Beziehung – also sie und ihr Mann können andere daten. Aber ihr Mann John (gespielt von „Mad Men“-Star John Slattery) hat es übertrieben. 

Er steckt in einem Sexskandal an der Universität, 1.000 ehemalige und aktuelle Studentinnen fordern die Entlassung des Lyrik-Professors. Über sie, ebenfalls Professorin an der gleichen Fakultät, wird getuschelt und getratscht. Sie ist verzweifelt, hält aber die Fassade aufrecht, teilt gar gegen die anklagenden Frauen aus.

Die Macht der Begierde

Aber – oh ja – sie wird doch bemerkt: Eigentlich beobachtet die schöne Frau nur eine kurze Geste eines jüngeren Mannes, der einer jungen Frau ein Glas aus dem Supermarktregal holt. Er flirtet aber nicht mit dieser, er scheint stattdessen sie kurz anzusehen.

Es ist Vladimir („The White Lotus“-Star Leo Woodall). Er gehört neu auch zum Lehrkörper der Universität, ist Vater eines Kleinkindes, verheiratet – und es ist ebenfalls kompliziert in seiner Beziehung. Die Professorin und Vladimir begegnen sich immer wieder, ihre Dialoge sind wertschätzend. 

 

Aus einer Faszination entwickelt sich rasch eine Abhängigkeit der Professorin von Vladimir. Ihre Gedanken an ihn nehmen die Frau so stark ein, dass es ihren Alltag in Beschlag nimmt – mit Auswirkungen auf Beruf und Familie.

Film- und Serienromanzen sind aktuell im Trend – vor allem bei jüngeren Lesern, aber auch als Verfilmungen von beliebter Schmachtliteratur fürs Kino und die Streamingdienste. 

Aufmerksamkeit bekamen darunter auch einige Filme mit Paaren mit deutlichem Altersunterschied – und einer Frau als der Älteren. Etwa „Als du mich sahst“ mit Anne Hathaway, „Babygirl“ mit Nicole Kidman und „Bridget Jones – Verrückt nach ihm“ mit Renée Zellweger. Übrigens: Auch an deren Seite war der „Vladimir“-Hauptdarsteller zu sehen, der 29-jährige Woodall.

Serie dreht die gängigen Erzählweisen um

Die Stärke der Miniserie „Vladimir“ (achtmal ca. 30 Minuten) ist die Erzählweise, die etwa von Serienhits wie „Fleabag“, „House of Cards“ oder „Stromberg“ bekannt ist: Die Professorin bespricht, direkt in die Kamera blickend, mit den Zuschauerinnen und Zuschauern ihre Eindrücke und Begierden. Und sie zeigt ihm immer wieder ihr wahres Verhalten, während sie gegenüber Vladimir teils zum Fremdschämen peinlich flirtet oder anderen gegenüber distanziert bis arrogant wirkt.

Vereinzelt nimmt die Kamera auch ihren Blickwinkel ein: Wie sie etwa Vladimirs Muskeln taxiert, ihre Augen an seinem Hals entlang gleiten. Immer wieder schweift die Professorin ab in Tagträume – in Sexfantasien mit Vladimir.

Die Frau im Fokus

Aber auch auf noch eine Weise wurde die gängige Erzählweise ähnlicher Geschichten umgekehrt: Die Frau in der Zweierkonstellation spricht über ihre Begierden und ihre Besessenheit, nicht der Mann. 

Daher trage die Serie auch den Titel „Vladimir“ - also den Namen des Mannes, erläuterte Julia May Jonas, die die gut verkaufte Romanvorlage mit gleichem Titel sowie das Serien-Drehbuch geschrieben hat. 

„Es ist eine Anspielung auf Romane, die nach den jungen Frauen benannt sind, von denen der Mann besessen ist“, erklärte Jonas bei Tudum, dem Fanhub von Netflix. „Wir werden über dieses Thema der Besessenheit sprechen, und ich wollte die Perspektive umkehren und es aus der Sicht einer Frau erzählen.“