Kunstausstellung in Eberswalde

Kunstausstellung in Eberswalde: Europa wohnt im Landkreis Barnim

Eberswalde - Europa? Nein, danke! Das ist eine weit verbreitete Ansicht, die sich vor allem auf die Regulierungswut der Brüsseler EU-Kommission bezieht: Teure Energiesparlampen, Gurken im genormten Gardemaß - es gibt viele Ärgernisse, die man parat hat, wenn das Stichwort Europa fällt. Und die ganz Verbitterten trauern immer noch ihrer D-Mark nach, die ihnen Europa weggenommen ...

Von Andreas Montag

Europa? Nein, danke! Das ist eine weit verbreitete Ansicht, die sich vor allem auf die Regulierungswut der Brüsseler EU-Kommission bezieht: Teure Energiesparlampen, Gurken im genormten Gardemaß - es gibt viele Ärgernisse, die man parat hat, wenn das Stichwort Europa fällt. Und die ganz Verbitterten trauern immer noch ihrer D-Mark nach, die ihnen Europa weggenommen hat.

Europa ist Provokation und Traum

Was sich aber eigentlich, allen Bürokraten zum Trotz, hinter dem Wort Europa verbirgt, ist reizvoll und spannungsreich, ein ganzes Themenfeld sogar, auf dem es um weit reichende Fragen geht: Wie viele Freiheitsgedanken für alle Europäer haben wir gesät in den Jahren des knirschenden Friedens nach den beiden furchtbaren, opferreichen Kriegen, die Europa verwüstet und geistig vergiftet haben? Welche Früchte können wir demnach ernten? Und interessiert uns das überhaupt?

Die Malerin Antoinette, Jahrgang 1956, beschäftigt sich seit Jahren damit. Europa ist für sie stete Provokation und ein Traum, der zwischen Scheitern und Erfüllung steht. Aufgewachsen in den Zwängen des Ostens, von denen sie sich allerdings nicht allein durch Verweigerung, sondern beizeiten auch durch selbstbestimmtes Handeln frei zu machen verstand, ist die einstige Meisterschülerin von Bernhard Heisig und Kommilitonin Neo Rauchs mit dem beschäftigt, was bleibt vom Versprechen Europas in Zeiten globalisierten Wandels, immer agressiver geführter politischer Debatten und sich wandelnder (oder auflösender?) Identität: „Manipulative Wünsche formen uns und die ganze Welt. Die Todsünden sind unterwegs“, stellt Antoinette begleitend zu ihrer großen Werkschau „Mythos Europa“ fest. „Woher wir kommen - wohin wir gehen“ heißt die Ausstellung im Untertitel, gezeigt wird sie beziehungsvollerweise im Zentrum für erneuerbare Energien in Eberswalde, einer mittelgroßen Stadt nordöstlich von Berlin. Seit 2012 lebt Antoinette dort und hat gemeinsam mit umtriebigen Verbündeten in der Stadtverwaltung und kunstsinnigen Bürgern dem Kulturbetrieb Eberswaldes ein paar schöne Lichter aufgesteckt.

Diskussion ist ausdrücklich erwünscht

Die Europa, in die sich der griechischen Mythologie zufolge der Götter-Boss Zeus verliebt hat, sich deshalb als Stier tarnte, die Schöne entführte und Kinder mit ihr zeugte, ist immer noch attraktiv - und immer gefährdet. So lässt sich knapp fassen, was gedanklich hinter den zahlreichen, teils großformatigen Gemälden und grafischen Studien zum Thema steckt, mit denen Antoinette nun in Vorleistung gegangen ist. Diskussion ausdrücklich erwünscht.

Ausstellung in Eberswalde, Brunnenstraße 26, bis zum 5. November, Di-So 11-19 Uhr, Eintritt frei. (mz)

Informationen im Internet:www.antoinette-kunst.de und mythos-europa.de