Fernsehen

Fernsehen: Über die Gnadenlosigkeit des SED-Staates

Hamburg/dpa. - Und: «Ich habe viel gelernt über die DDR. Besonders über die Gnadenlosigkeit dieses Regimes.»

Von Paul Barz 26.09.2007, 08:17
Veronica Ferres (M.) und die Kinder-Darsteller Elisa Schott (l.) und Maria Ehrich stehen während der Dreharbeiten des Zweiteilers «Die Frau vom Checkpoint Charlie» in den Kulissen der ehemaligen DDR-Grenze in Leipzig. (Foto: dpa)
Veronica Ferres (M.) und die Kinder-Darsteller Elisa Schott (l.) und Maria Ehrich stehen während der Dreharbeiten des Zweiteilers «Die Frau vom Checkpoint Charlie» in den Kulissen der ehemaligen DDR-Grenze in Leipzig. (Foto: dpa) dpa-Zentralbild

Und: «Ich habe viel gelernt über die DDR. Besonders über die Gnadenlosigkeit dieses Regimes.»

Besonders makaber: Dieser im Krieg zerbombte Raum war gleichwieder aufgebaut worden, mit der Begründung der Einheitspartei SED: «Wir brauchen das als Dekoration für einen Film über die Nazi-Grausamkeiten.» Tatsächlich blieb die Folterkammer weiterhin in Betrieb. Im vergangenen Jahr Jahr war das inzwischen stillgelegte, jetzt zum Museum hergerichtete Hoheneck tatsächlich Filmkulisse.

Dieses Mal für den Doppelteiler «Die Frau vom Checkpoint Charlie» nach dem dokumentarischen Roman «Gebt mir meine Kinder zurück! Der Fall Jutta Gallus» von Ines Veith, den der deutsch-französische Kultursender Arte an diesem Freitag (20.40 Uhr) in einem Stück und den die ARD am 30. September und 1. Oktober sendet. Im Anschluss an die ARD-Ausstrahlung am Montag wird um 21.45 Uhr unter gleichem Titel eine Dokumentation des authentischen Falls gezeigt.

Regie führte der gebürtige Portugiese Miguel Alexandre, der es fürrichtig hielt, sich der DDR-Thematik zunächst über Komödien wie«Sonnenallee» oder «Good bye, Lenin!» zu nähern: «So etwas befreit,schafft Distanz. Aber jetzt, bald 20 Jahre nach dem Mauerfall, mussein ernsterer Ton gewählt werden, ohne Horror, aber auch ohne "Auchin der DDR war nicht alles schlecht"-Verniedlichung.»

Gerade bereitet er einen weiteren Film über den Kalten Krieg der80er Jahre vor. Im Film «Die Frau von Checkpoint Charlie» ist dasSchicksal der DDR-Oppositionellen Jutta Gallus der Ausgangspunkt,«aber wir zeigen sie nicht eins zu eins, sondern mit allem Vorrechtder Fiktion»: In der Realität ebenso wie hier hat Jutta Gallus, dieim Film Sara Bender heißt, nach dem Versuch einer «Republikflucht»(1982), Gefängnisjahren und ihrem Freikauf in den Westen verzweifeltversucht, ihre beiden Kinder nachzuholen.

Sie kettete sich während der KSZE-Verhandlungen in Helsinki ansGeländer und stellte sich weltweit beachtet am Checkpoint Charlie miteinem Transparent vor die deutsch-deutsche Grenze mitten in Berlin.Die Kinder waren indessen einer «Pflegefamilie» überantwortet worden- abweichend von der Wirklichkeit: Dort gab es immerhin dengeschiedenen Ehemann, der die Kinder sich aufgenommen hatte. Aber, sosagt die zuständige Redaktionsleiterin vom federführendenMitteldeutschen Rundfunk (MDR), Jana Brandt, das hätte die Dramatikgemindert: «So etwas zeigt besser und genauer unsere Dokumentation.Der Film soll vor allem die Mechanismen eines Systems anschaulichmachen.»

Als Sara Bender spielt Veronica Ferres nach «Neger, Neger,Schornsteinfeger» ein weiteres Mal eine im Kampf um ihre Kinder zuallem entschlossene Mutter. Von der echten Jutta Gallus, mit der siemehrfach zusammenkam, ist sie tief beeindruckt: «Eine sehr sensibleFrau, zugleich von unglaublicher Energie.» In der BerlinerVorpremiere saß sie neben Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher,der sich sehr bewegt zeigte. Sie selbst berührte jedoch noch mehr,wie nach der Aufführung einige Frauen zu ihr kamen: «Auch die warenin der DDR inhaftiert gewesen und suchten noch immer ihre Kinder. Obich ihnen wohl helfen könnte?»