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„Effi Briest“ im Neuen Theater in Halle

„Effi Briest“ im Neuen Theater in Halle: Tragödie einer ausgestoßenen Frau

halle - Das Schicksal von Effi Briest bewegt seit mehr als 100 Jahren. Der gleichnamige Roman von Theodor Fontane handelt von einer Frau, die in einer männlich dominierten Welt gefangen ist und daran zugrunde geht. Angesiedelt ist die Geschichte im ausgehenden 19. Jahrhundert, dem Eintritt in die ...

Von mike händler 03.12.2014, 19:07

Das Schicksal von Effi Briest bewegt seit mehr als 100 Jahren. Der gleichnamige Roman von Theodor Fontane handelt von einer Frau, die in einer männlich dominierten Welt gefangen ist und daran zugrunde geht. Angesiedelt ist die Geschichte im ausgehenden 19. Jahrhundert, dem Eintritt in die Moderne.

Unter dem Eindruck tiefgreifender sozialer Veränderungen entspinnt sich ein Kampf der Geschlechter. Diesem bis heute andauernden Kampf und den darin verwobenen Schicksalen kann die Regisseurin Alice Asper mit ihrer Inszenierung am Neuen Theater in Halle aktuelle Brisanz abringen.

Gelungene Umsetzung

Die Premiere von „Effi Briest“ unterhielt und rührte das Publikum zugleich. Mit der tragischen Verwandlung eines lebenslustigen, jungen Mädchens in eine verzweifelte, ausgestoßene Frau, der kein Mitleid begegnet, gelingt es, das Bild einer reaktionären Gesellschaft samt ihrer Doppelmoral zu entwerfen.

Diese gelungene Umsetzung, gepaart mit herausragenden schauspielerischen Leistungen, bedachte das Publikum am Ende mit lang anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen für die Hauptdarstellerin Stella Hilb.

Und so hat das Spiel begonnen: Nach einem Gang durch das Publikum lüftet Effi Briest den Vorhang. Durch diese kleine Geste ist jeder Anwesende, Schauspieler wie Zuschauer, eine Figur im Spiel. Optisch wird schon durch die Kleidung auf einer schlicht gehaltenen Bühne gekonnt die innerliche Verfasstheit der Figuren gezeigt.

Barfuß und in einem strahlenden Kleid in Magenta erscheint Effi als frischer Kontrast zu den dunklen, männlichen Anzugträgern und hochgeschlossenen Damen-Kostümen der (alten) Gesellschaft.

Mutter erhofft Aufstieg

Mutter Briest (Elke Richter) erhofft sich durch die Heirat Effis mit Baron von Instetten (Peter W. Bachmann) einen gesellschaftlichen Aufstieg – nicht nur für die Tochter. Dass der Mann mehr als doppelt so alt wie ihr 17-jähriges Kind ist und ihr, der Mutter, einst selbst den Hof machte, stört sie nicht sonderlich.

Wunderbar spielt Stella Hilb das naive, energiegeladene Mädchen, das anfangs voller Tagträume ausgelassen über die Bühne tanzt, bevor sie Wünsche und Erwartungen stärker werden spürt, die jenseits der Konventionen liegen.

Als Gegenpart überzeugt Peter W. Bachmann in der Rolle des steifen, biederen Barons. Effis Liebhaber Major Crampas (Hagen Ritschel) fungiert als Antipode zum bürgerlichen „Glück“, projiziert doch die junge Frau in ihn all ihre Sehnsüchte. Vergeblich: Der Major verweigert sich den Ansprüchen ihrer neuen Welt.

Der Tod von Effi Briest bildet den erschütternden Abschluss des Sitten-Gemäldes. Verfemt, verachtet und von ihrer Tochter getrennt, verliert die junge Frau allen Lebenswillen. Eine Lage, die nichts an Aktualität eingebüßt hat. (mz)

Die Vorstellungen am 8. und 28. Dez. sind ausverkauft, Karten gibt es noch für den 10. Januar: 20 Uhr, Kammer