Die Toten Hosen

Die Toten Hosen : Bassist Andreas Meurer über den Punk, das Alter und Ferropolis

Gräfenhainichen - 36 Jahre im Geschäft und so erfolgreich wie nie: Die Toten Hosen bleiben ein Phänomen. Ihr letztes Album „Laune der Natur“ von 2017 erreichte spielend Platz 1 der Charts. Die zugehörige Tour rollt seit gut einem Jahr. Am 31. August rocken die Düsseldorfer Alt-Punker nun auch Ferropolis. Mit ihnen stehen unter anderem Wanda und Feine Sahne Fischfilet auf der Bühne. Mit Hosen-Bassist Andreas „Andi“ Meurer (56) sprach Daniel ...

Von Daniel Salpius
Campino (vorn) und die Toten Hosen: Am 31. August tritt die Band in Ferropolis auf.

36 Jahre im Geschäft und so erfolgreich wie nie: Die Toten Hosen bleiben ein Phänomen. Ihr letztes Album „Laune der Natur“ von 2017 erreichte spielend Platz 1 der Charts. Die zugehörige Tour rollt seit gut einem Jahr. Am 31. August rocken die Düsseldorfer Alt-Punker nun auch Ferropolis. Mit ihnen stehen unter anderem Wanda und Feine Sahne Fischfilet auf der Bühne. Mit Hosen-Bassist Andreas „Andi“ Meurer (56) sprach Daniel Salpius.

Ist Ferropolis ein besonderer Auftrittsort für euch?

Andi: Das ist natürlich ein besonderer Platz, schon wegen der Kulisse. Als alte Industrieanlage herrscht dort eine eigene Atmosphäre. Backstage kannst du auf den Gerüsten und Baggern turnen und wir sind da immer sehr gern. Wir freuen uns drauf!

Im Lied „Laune der Natur“ singt ihr: „Wir sind die neue Hochkultur.“ Das beschreibt sehr treffend euren aktuellen Erfolg. Fühlt es sich für euch komisch an, die neue Hochkultur zu sein?

In dem Kontext, in dem dieser Satz vorkommt, ist das selbstredend ironisch gemeint. Aber um jetzt auf deine Frage zurück zu kommen: Wenn du Lieder schreibst, die den Menschen gefallen, dann freut das einen. Für uns ist das keine Selbstverständlichkeit, gerade nach so vielen Jahren, die wir das jetzt schon machen. Deshalb sind wir einfach froh, dass so viele Leute zu unseren Konzerten kommen und es sogar in den letzten Jahren mehr geworden sind.

Orientiert ihr euch inzwischen stärker am Mainstream? „Ballast der Republik“ von 2013 war immerhin das erfolgreichste Album eurer gesamten Karriere.

Das freut einen natürlich, aber Du solltest immer das machen, wohinter du stehst und die Lieder schreiben, die du gut findest. Was dann damit passiert, kannst du nicht planen. Wir jedenfalls können das nicht. Du kannst nicht sagen: Wir schreiben jetzt mal ein Lied, das ein Hit wird. Bei „Tage wie diese“ war uns nicht bewusst, dass sich das Lied so verselbstständigen würde und letztendlich dann im Stadion gespielt werden würde, als die deutschen Fußballer die WM in Brasilien gewonnen haben.

In „Urknall“ träumt ihr euch trotzdem in alte Zeiten zurück, ohne goldene Schallplatten, Champagner und Sportwagen. Was hat der Andi von 1982 dem heutigen Andi denn voraus?

Viele Sachen hat der dem nicht voraus. Und vieles war damals bestimmt nicht besser als heute. So ist das ja auch gar nicht gemeint in dem Song. Aber man hatte natürlich damals eine Naivität und Unbekümmertheit, die mittlerweile nicht mehr da ist.

Du machst dir heute über mehr Dinge Gedanken. Was aber auch völlig in Ordnung ist, denn wenn wir so weiter gelebt hätten wie in den Anfangsjahren, würde es uns wahrscheinlich nicht mehr geben. Es wäre auch erschreckend, wenn man immer noch derselbe wäre wie 1982. Es hat sich viel verändert. Die Art, wie wir leben, die Art, wie wir touren.

Was läuft bei den Tourneen heute anders?

Wir stehen inzwischen nüchtern auf der Bühne. Das war Anfang der 80er Jahre nicht der Fall, da waren wir bei sehr vielen Konzerten völlig dicht, was aber nicht weiter schlimm war, weil unser Publikum denselben Alkoholpegel hatte. Das ist heute anders. Du hast eine ganz andere Verantwortung, weil die Konzerte größer sind, eine große Crew mit dir unterwegs ist und sich sehr viele Menschen lange auf solch einen Abend freuen, da will man dann in bestmöglicher Verfassung sein.

Vollgas gebt ihr ja nach wie vor bei euren Konzerten. Wie sehr müsst ihr dafür an eure körperlichen Grenzen gehen?

Man versucht immer, das Beste zu geben und an seine Grenzen zu gehen. Ich glaube sogar, dass wir heutzutage fitter sind als Anfang der 80er Jahre, weil wir uns damals schon sehr exzessiv auf Tour verhalten haben. Ich hoffe, dass sieht man auch auf der Bühne.

Sänger Campino hatte nach einem Konzert einen Hörsturz. Wie lange kann das mit dem Punk noch gut gehen?

Das weißt du nie. Solche Erfahrungen, wie du sie hier ansprichst, zeigen uns natürlich, dass jederzeit irgendwas passieren kann. Deshalb sollte man alles genießen, was man gerade hat - und das tun wir.

Würdet ihr aufhören, wenn ihr körperlich nicht mehr so könnt wie im Augenblick?

Nur weil du körperlich nicht mehr so Vollgas geben kannst wie vor 20 Jahren, heißt das ja nicht, dass es deshalb ein schlechtes Konzert sein muss.

Ich bin jemand, der sehr gerne zu Konzerten geht und wenn ich mir ansehe, in welcher Form Nick Cave und Iggy Pop momentan sind, finde ich das sehr, sehr beruhigend, denn die sind in keiner Weise peinlich - und ich finde sogar besser als jemals zuvor.

Sollte es aber so weit kommen, dass es bei uns peinlich wird auf der Bühne, sollten wir die Größe haben, aufzuhören. Ich hoffe aber, dass dieser Punkt noch lange nicht gekommen ist und bin zuversichtlich, dass es bei uns noch eine Weile weitergeht.

In Ferropolis eröffnen Wanda und Feine Sahne Fischfilet für euch. Sind das Bands, die euch auch persönlich bewegen?

Selbstverständlich. Wir wünschen uns die Bands ja auch selbst und fragen dann an, ob sie uns begleiten können. Von daher bewegen sie uns natürlich. Es macht auch einfach Spaß mit anderen Musikern unterwegs zu sein und sich dann am Konzerttag die anderen Bands anzuschauen. Das gefällt mir.

Gibt es Schnittmengen zwischen Wanda- und Hosen-Fans?

Das hoffe ich doch mal. Ich mag Wanda und ich freue mich darauf, sie zu sehen. Ich glaube schon, dass es unseren Zuschauern genauso geht und es an dem Abend sehr gut funktionieren wird. 

Hat sich das Publikum in diesem Punkt verändert?

Auf jeden Fall! In den 90er Jahren haben wir Green Day zu uns auf Tour eingeladen, die damals noch keiner kannte. Zu der Zeit war es noch so, dass die Leute schon während des Auftritts von Green Day „Hosen“ gerufen haben, vielleicht nur, weil sie irgendwas rufen wollten.

Das gibt es zum Glück nicht mehr. Heute wird die Vorband im besten Fall total abgefeiert und unsere Fans haben sehr großen Spaß mit den Bands, die mit uns auf Tour sind. (mz)

Andreas „Andi“ Meurer