Bühnen Halle

Bühnen Halle : Der Streit hinter den Kulissen schwelt - es gibt besorgte Stimmen

Halle (Saale) - Ein Sommerabend, wie man ihn sich nur wünschen kann: Warm ist es, man hat Freude am Draußen-Sein. Und wenn es dann noch Kunst, Gespräche und ein Bier an frischer Luft gibt - um so schöner. So ist es am Donnerstag im Hof des Neuen Theaters Halle gewesen, als sich zu vorgerückter Stunde die Mitglieder des Schauspielstudios von ihrem Publikum und den Kollegen verabschiedeten. Auf der Bühne natürlich, mit einer zu Herzen gehenden Collage aus Musik, Spiel und ...

Von Andreas Montag 08.07.2017, 08:00

Ein Sommerabend, wie man ihn sich nur wünschen kann: Warm ist es, man hat Freude am Draußen-Sein. Und wenn es dann noch Kunst, Gespräche und ein Bier an frischer Luft gibt - um so schöner. So ist es am Donnerstag im Hof des Neuen Theaters Halle gewesen, als sich zu vorgerückter Stunde die Mitglieder des Schauspielstudios von ihrem Publikum und den Kollegen verabschiedeten. Auf der Bühne natürlich, mit einer zu Herzen gehenden Collage aus Musik, Spiel und Clownerie.

Mira Helene Benser, Sophia Platz, Marie Scharf, Benito Bause, Paul M. Oldenburg, Paul Maximilian Pira und Paul Simon waren dabei, nur Barbro Viefhaus fehlte - allerdings entschuldigt. Sie ist schon in Stuttgart im Engagement, auch die übrigen sieben haben nach Abschluss ihres Studiums direkt einen Job gefunden. Nach Dresden, Rostock und sogar Zürich geht die Reise. Und man hat sich an diesem heiteren, aber auch wehmütigen Abend ernsthaft zur Ordnung rufen müssen: Natürlich ist es gut, dass sie in die Welt ziehen! Aber man hätte sie eben auch gern hier behalten.

Künstlerisch stimmt es bei den Bühnen Halle - aber hinter den Kulissen schwelt ein Streit

So haben es auch die Gestandenen des Ensembles gesehen. Elke Richter, die Grande Dame des Hauses, Peter W. Bachmann und andere hatten für die jungen Leute ein rührendes Abschiedsständchen einstudiert und Matthias Brenner, der Intendant, sang der Truppe nicht ohne Melancholie ein schönes Lied.

Bei so viel Innigkeit und Einverständnis mag man gar nicht glauben, was sich seit Monaten hinter den Kulissen der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, kurz TOOH, abgespielt hat und noch immer nicht ausgeräumt ist. Und es sind beileibe nicht die Geldnöte des durch Landeswillen unterfinanzierten Hauses allein, die die Stimmung trüben. Es geht vor allem um Kompetenz und Kompetenzen. Und am Ende auch um Sein oder Nichtsein.

Gewiss, jetzt beginnen die Theaterferien, da wird erst einmal ganz privat Luft geholt - aber die Luft im Theater-Kessel steht immer noch unter hohem Druck. Die Kontroverse zwischen dem Geschäftsführer der TOOH, Stefan Rosinski, und den Chefs der Oper, Florian Lutz, sowie des Schauspiels, Matthias Brenner, war öffentlich geworden und verschärfte sich noch, nachdem Rosinski im Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) die Spartenchefs unter anderem zur Professionalität gemahnt hatte. Lutz konterte, wiederum in der MZ, dass es zwischen Rosinski und ihm offenbar unterschiedliche Auffassungen von Professionalität gäbe. Vertrauensvolles Miteinander sieht anders aus.

Man kann trefflich darüber streiten, ob es wirklich eine gute Idee gewesen ist, die Sparten der halleschen Bühnen unter dem Dach einer GmbH zu vereinen. Aber die Stadt hat es so gewollt, nun muss sie sich allerdings auch den Folgen stellen. Viel hört man einstweilen nicht.

Bühnen-Streit in halle: OB Wiegand wird gebeten, „Schritte zu unternehmen“

Unterdessen hat sich die Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle mit einem Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Halle, Bernd Wiegand, gewandt. Man sei „sehr beunruhigt“, heißt es in dem Schreiben, das der MZ vorliegt, und beobachte „mit großer Sorge, wie sich ein Missverhältnis zwischen dem Geschäftsführer der TOOH und den künstlerischen Leitern der einzelnen Sparten auftut“.

Zugleich wird die Arbeit von Florian Lutz zwar auch kritisch, aber vor allem mit ausdrücklichem Lob gewürdigt. Und weiter, wohl auf Rosinski bezogen, teilen die Opern- und Ballettfreunde mit: „Auch die bekannt gewordene Diskreditierung der Arbeit des vom Publikum als Schauspieler, Regisseur, Theaterintendant und engagierten Streiter für die Kultur unserer Stadt hoch geschätzten Matthias Brenner verwundert uns sehr.“

Wiegand wird als Vorsitzender des Aufsichtsrates der TOOH dringend gebeten, „kurzfristig geeignete Schritte zu unternehmen, um das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen dem Geschäftsführer der TOOH, Herrn Rosinski, und den künstlerischen Leitern der einzelnen Einrichtungen zu beenden und eine gedeihliche, zukunftsweisende Entwicklung der Oper Halle, des Orchesters und der anderen Bühnen der Stadt Halle zu fördern“.

Man darf gespannt sein, was geschieht. Wenn überhaupt. Aber durch Aussitzen erledigen sich Dinge selten. Matthias Brenner jedenfalls tritt allen Gerüchten, die schon durch die Stadt liefen, entgegen: „Keine Bange: Ich gehe hier nicht von der Fahne!“ Da ist es schon früher Freitagmorgen, im Hof des Neuen Theaters wird immer noch gefeiert. Und es gibt auch verdammt gute Gründe dafür. Die halleschen Bühnen können sich nämlich sehen lassen. (mz)