Altertümer

Altertümer: Weltkulturerbe in Damaskus in Gefahr?

Damaskus/dpa. - Touristen feilschen im Basar. Pilgerbeten an den heiligen Stätten des Islam. Busse, Minibusse und privateFahrzeuge schieben sich durch die engen Gassen. Um dieses Chaos einwenig zu lichten, plant die Verwaltung nun die Erweiterung einerStraße in der nähe des nördlichen Stadttores Bab al-Salam(Friedenstor). Doch das Projekt ist nicht ...

14.08.2007, 06:47
In der Altstadt von Damaskus drängen sich schiitische Pilger, die das Grabmal der Tochter des Imam Ali besuchen wollen, vor dem Eingang zum Schrein der Sitt Rukija. (Foto: dpa)
In der Altstadt von Damaskus drängen sich schiitische Pilger, die das Grabmal der Tochter des Imam Ali besuchen wollen, vor dem Eingang zum Schrein der Sitt Rukija. (Foto: dpa) dpa

Touristen feilschen im Basar. Pilgerbeten an den heiligen Stätten des Islam. Busse, Minibusse und privateFahrzeuge schieben sich durch die engen Gassen. Um dieses Chaos einwenig zu lichten, plant die Verwaltung nun die Erweiterung einerStraße in der nähe des nördlichen Stadttores Bab al-Salam(Friedenstor). Doch das Projekt ist nicht unumstritten.

Die UN-Organisation für Erziehung und Kultur (UNESCO) hat sogardamit gedroht, die Altstadt als «bedrohtes Weltkulturerbe»einzustufen, sollte die Erweiterung der König-Faisal-Straße ohneRücksicht auf die Bedenken der Denkmalschützer erfolgen. Diesyrischen Experten sind zwar größtenteils der Ansicht, die Häuser,die abgerissen werden müssten, seien mehrheitlich nicht älter als 150Jahre - und daher nach syrischem Maßstab nicht schützenswert. Dochdie UNESCO hält dagegen, dass das Projekt den «urbanen Charakter» desViertels zerstören würde, obwohl die Straße nicht innerhalb, sondernaußen, direkt am Rande der Altstadt, liegt.

Auch bei den Ladenbesitzern und Handwerkern, die sich hier, amRande der Altstadt niedergelassen haben, stößt die Stadtverwaltungauf Widerstand. «Dieses Gebäude ist 300 Jahre alt, schon mein Vaterhatte hier seine Werkstatt», klagt der Schreiner Marwan Chawam. SeineWerkstatt, die in einem heruntergekommenen Gebäude mit hohen Säulenliegt, könnte nach Ansicht von Experten möglicherweise einstürzen,wenn Häuser in der Nachbarschaft für den Ausbau der Straßeniedergerissen würden.

«Selbst wenn sie mir anderswo eine neue Wohnung und ein Geschäftbezahlen sollten, ich will hier nicht weg», erklärt Masen al-Laham,der in einem zweistöckigen Haus an der König-Faisal-Straße einenwinzigen Laden hat, in dem er Nudeln, Konserven, Getränke undPutzmittel verkauft. Der 43 Jahre alte Damaszener mit dem langenschwarzen Schnurrbart hängt an dem Viertel, in dem er sein ganzesLeben verbracht hat. Mit einem Milch-Lieferanten sitzt er an diesemlauen Sommerabend vor einem Süßwaren-Geschäft und versucht zuverstehen, weshalb die kleinen Häuser in seiner Nachbarschaft nunweichen sollen, nachdem Jahrzehnte lang niemand etwas gegen dastägliche Verkehrschaos in dem Viertel unternommen hatte.

Die meisten der Pilger, die hier täglich zu Hunderten das Grabmalder Sitt Rukija (eine Tochter des von den Schiiten verehrtenPropheten-Nachfolgers Ali) besuchen, stammen aus dem Iran. Mit Bussenwerden sie in den frühen Morgenstunden zu dem Schrein gebracht. DieStraßenhändler, die rund um den Eingang zu dem Grabmal ihre Warefeilbieten, rufen ihre Kundschaft in persischer Sprache.

«Unsere Regierung will den Iranern einen Gefallen tun, weil dieseinzwischen ihre wichtigsten politischen Verbündeten sind», mutmaßtder Milch-Lieferant. Als Beweis für seine Theorie, dass die Straßen-Erweiterung angeblich von Teheran gefordert wurde, führt er denBesuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in demViertel vor einigen Wochen an.

Von derartigen Verschwörungstheorien will TourismusministerSaadallah Agha al-Kalaa nichts wissen. «Die Entscheidung über dasBauprojekt an der König-Faisal-Straße wird in Syrien getroffen. Dasist eine Frage der Souveränität», sagt er. Wann in der Angelegenheitdas letzte Wort gesprochen werde, sei noch unklar. DieStadtverwaltung werde sich den Rat der UNESCO jedoch auf jeden Fallzu Herzen nehmen.