Zu wenig lukrative Aufträge

Zu wenig lukrative Aufträge: Hallesches Forschungsinstitut ISW ist insolvent

Halle (Saale) - Eines der bekanntesten ostdeutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ist pleite. „Das ISW hatte zu viele Projekte, die nicht gewinnbringend waren“, sagte der Insolvenzverwalter Alexander Jacobi der MZ zu den ...

Von Steffen Höhne
Viele Jahre stand Michael Schädlich als Leiter an der Spitze des ISW Halle. Zur  Jahreswende 2018/19 schied er altersbedingt aus. imago sportfotodienst

Eines der bekanntesten ostdeutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ist pleite. „Das ISW hatte zu viele Projekte, die nicht gewinnbringend waren“, sagte der Insolvenzverwalter Alexander Jacobi der MZ zu den Gründen.

Dadurch sei das hallesche Institut in finanzielle Schieflage geraten. Derzeit werde mit den Kreditgebern und den öffentlichen Auftraggebern über eine Fortführung gesprochen. „Das Ziel ist der Erhalt des Instituts“, sagte Jacobi.

Stellen werden abgebaut

Wie erst jetzt bekannt wird, hatte das Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gemeinnützige Gesellschaft mbH (ISW) bereits am 11. März eine Sanierung in Eigenverwaltung eingeleitet. Am 27. Mai wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Laut Jacobi hatte das Institut vor der Insolvenz noch rund 50 Mitarbeiter. „Derzeit geplant ist eine Fortführung des Geschäfts mit 30 Mitarbeitern“, sagte der Insolvenzverwalter. Dazu sei es nötig, auch neue Aufträge zu erhalten. Nach Jacobis Angaben wird die Sanierung vom Eigentümer unterstützt.

Zur Jahreswende 2018/19 war der damalige Institutsleiter und frühere Präsident des Fußballclubs HFC, Michael Schädlich, aus Altersgründen aus dem Institut ausgestiegen, wie es damals hieß. Die Anteile wurden an die F+U Unternehmensgruppe mit Sitz in Heidelberg (Baden-Württemberg) abgegeben. Auch andere geschäftsführende Gesellschafter wie Gunthard Bratzke schieden aus. Damit verlor das Institut wichtige Führungspersonen, die bis dahin Aufträge für das ISW an Land zogen. Einerseits.

ISW Halle: Imageverlust durch Berateraffäre

Andererseits war Schädlich auch Teil der sogenannten Berateraffäre. Über Jahre erhielt das Beratungsinstitut ISW Millionenaufträge von verschiedenen Ministerien in Sachsen-Anhalt. 21 Millionen Euro sollen es laut Landesregierung seit 2011 gewesen sein. In die Kritik gerieten Schädlich als auch der frühere Chef der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, Manfred Maas, durch einen 4,5-Millionen-Euro-Vertrag, den das Finanzministerium 2013 über den Umweg der Investitionsbank am Landtag vorbeischleuste. Auftragnehmer war das ISW.

Verantwortlich waren der damalige Finanzminister Jens Bullerjahn und Staatssekretär Jörg Felgner (beide SPD). Felgner musste 2016 deswegen auch als Wirtschaftsminister zurücktreten. Der Vorwurf, dass Maas seinem Freund Schädlich geholfen hat, den Auftrag zu erhalten, konnte nie belegt werden. Doch das Image des ISW litt unter der öffentlichen Kritik enorm. (mz)