Extra-Gebühr für Versand

Versand: 50 Cent für Paketlieferung?

Halle (Saale) - Das kostenlose Übergeben von Paketen an der Wohnungstür steht vor dem Aus.

Von Ralf Böhme 11.12.2017, 09:00

Die schöne Zeit des Gratis-Versands neigt sich offenbar ihrem Ende zu. Das kostenlose Übergeben von Paketen an der Wohnungstür steht vor dem Aus. In der Diskussion sind bereits eine Extragebühr von 50 Cent und weitere Vorschläge.

Aufwand und Kosten auf der Letzten Meile, wie Logistiker die Haustür-Zustellung nennen, laufen nach ihren Angaben immer mehr aus dem Ruder. Kurier-, Express- und Paketdienstleister räumen selbst ein, dass sie mit den rasant steigenden Mengen in Spitzenzeiten häufig überfordert sind.

Sie verweisen auf eine Rechnung, die nicht aufgeht: Zusteller, die sonst 150 Sendungen transportieren, müssten im Dezember teils 350 Pakete schaffen. Das funktioniert nicht, wissen längst auch die Händler. Jeder von ihnen ist einer Umfrage zufolge deshalb in großer Sorge. Befürchtet werden verspätete Lieferungen zum Weihnachtsfest.

„Grundsätzlichen und dauerhaften Logistikproblem“, auch in Sachsen-Anhalt

Der Bundesverband Online-Handel geht davon aus, dass sich die bisherige Lieferpraxis nicht durchhalten und vor allem nicht finanzieren lässt. Verbandspräsident Oliver Prothmann spricht gegenüber der MZ von einem „grundsätzlichen und dauerhaften Logistikproblem“, auch in Sachsen-Anhalt.

Zudem sei der Arbeitsmarkt für Zusteller wie leer gefegt. Selbst an Kleintransportern herrsche ein Mangel. Sein Fazit: „Noch so ein Weihnachtsfest können wir uns nicht leisten.“ Bis zum Sommer müsse ein neues Konzept her.

Über die Erhebung einer zusätzlichen Liefergebühr und ihre Höhe sei aber noch keine Entscheidung gefallen. Denkbar seien auch große Depots und viele kleine Verteilstellen, die von verschiedenen Paketdiensten gemeinsam genutzt werden. Dazu müsse man nun kurzfristig mit den Kommunen ins Gespräch kommen, um Immobilien zu finden.

Extra-Gebühr für extra Service: Zustellung direkt nach Hause

Richtungsweisend ist die Stellungnahme von Hermes. Der Logistiker des Otto-Konzerns bringt dazu das schwedische Modell ins Spiel: Extra-Gebühr für extra Service, zu dem gehört dann die Zustellung direkt nach Hause.

Ohne zusätzliche Kosten klappt es nur noch, wenn der Kunde seine Sendung einfach selbst im Paket-Shop abholt. Sprecher Ingo Bertram begründet den Änderungsbedarf: „Der Paketversand in Deutschland ist zu günstig.“ Allerdings müsse man nun auch eine gewachsene und weit verbreitete Gratis-Versand-Mentalität mit einkalkulieren.

Als Erfinder der möglichen 50-Cent-Gebühr gilt Boris Winkelmann, Chef des Paketdienstes DPD. Sein Hauptargument: Die Zustellung bis zur Haustür ist besonders zeitaufwendig, weil der Paketbote dabei immer nur wenige Sendungen verteilen kann. Standard sollte daher nur die Lieferung in einen Paketshop sein.

Das sagt DHL zur Zusatzgebühr

Zurückhaltend äußert sich der Marktführer DHL. „Einen Zuschlag für das Weihnachtsgeschäft oder Obergrenzen für unsere Großversender haben wir ebenso wenig geplant, wie eine Gebühr für die Zustellung von Paketsendungen an der Haustür“, sagt Sprecherin Anke Blenn.

Insgesamt sind nach Angaben der Branche 135 000 Zusteller in diesen Tagen unterwegs - rund 25 000 mehr als im Vorjahr. Es werden auch 30 Millionen Pakete mehr verschickt als vor dem Weihnachtsfest 2016, schätzt die Branche. An normalen Tagen werden dabei täglich neun bis elf Millionen Pakete verschickt, vor Weihnachten wird mit bis zu 15 Millionen Sendungen gerechnet.

(mz)