Schutz vor Netzüberlastung

Schutz vor Netzüberlastung: Gisa und Audi erfinden intelligente E-Auto-Ladeeinrichtung

Halle (Saale) - Ein ausreichendes Ladenetz gilt als Grundvoraussetzung dafür, dass die Elektromobilität den Durchbruch schafft. Doch wenn viele Elektroautos zur gleichen Zeit laden, gehen in der Straße die Lichter aus - das ist eine Befürchtung, die Skeptiker der Elektromobilität an die Wand malen. Der hallesche IT-Dienstleister Gisa und der Autobauer Audi haben nach eigenen Angaben nun in einem Modellversuch eine Antwort darauf gefunden, wie Netzüberlastungen zu vermeiden ...

Von Steffen Höhne

Ein ausreichendes Ladenetz gilt als Grundvoraussetzung dafür, dass die Elektromobilität den Durchbruch schafft. Doch wenn viele Elektroautos zur gleichen Zeit laden, gehen in der Straße die Lichter aus - das ist eine Befürchtung, die Skeptiker der Elektromobilität an die Wand malen. Der hallesche IT-Dienstleister Gisa und der Autobauer Audi haben nach eigenen Angaben nun in einem Modellversuch eine Antwort darauf gefunden, wie Netzüberlastungen zu vermeiden sind.

Gelingen soll das mit dem sogenannten Smart Meter Gateway (SMG). „Durch das Gerät wird eine sichere Kommunikation zwischen Elektroauto, Ladeinfrastruktur und Netzbetreiber aufgebaut“, sagt Gisa-Projektleiter Uwe Klemm der MZ.

Netzüberlastung durch E-Autos noch kein Thema

Klemm nennt folgendes Szenario: In einem Straßenzug, der von einem Ortsnetz-Transformator versorgt wird, laden mehrere Elektroautos gleichzeitig mit in Summe zu hoher Leistung. Die Belastung des Stromnetzes ist zur groß. Der Blackout droht. „Durch den Smart Meter Gateway würde das erkannt und der Netzbetreiber könnte einzelne Ladesäulen kurzfristig abschalten“, so Klemm.

Heute sei eine Netzüberlastung durch E-Autos noch kein Thema. Doch in den kommenden Jahren könnte es punktuell dazu kommen. Nach Angaben von Gerhard Paris, Projektleiter Smart Charging bei der Audi, wurde die Machbarkeit der Kommunikationsanbindung zwischen potenziellen Netzbetreibern und Elektrofahrzeugen gezeigt. Jetzt liege die flächendeckende Umsetzung bei den Netzbetreibern und Stromanbietern.

Der Smart Meter Gateway wird heute schon als intelligenter Stromzähler in allen Haushalten installiert, die einen Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr haben. Es handelt sich um eine sichere Datenverbindung, die nur schwer für Cyber-Kriminelle angreifbar ist.

Technik hat Potenzial

Klemm sieht großes Potenzial in dieser Technik. Mittelfristig würde es die neue Vernetzungstechnik erlauben, die Ladeleistung, den Ladezeitpunkt und die Ladedauer für jedes Auto zu beeinflussen. Auch hier nennt er ein Beispiel: „Wenn in der Nacht Windräder große Mengen Ökostrom produzieren, der Strompreis an der Leipziger Energiebörse fällt, dann könnte auch der Preis zum Aufladen sinken.“ Die E-Auto-Besitzer könnten dann günstiger laden.

Seit Jahren werden solch flexiblen Tarifmodelle in der Energiewirtschaft diskutiert und angekündigt. Umgesetzt wurden sie bisher - auch wegen fehlender gesetzlicher Bestimmungen - bisher jedoch noch nicht. Durch die Smart Meter gibt es jetzt zumindest die Technik dafür. (mz)