Options Group Deutschland erklärt

Options Group Deutschland erklärt : IT-Spezialisten sind für viele Banken zu teuer

Nach dem Brexit buhlt auch Frankfurt am Main um den EU-Finanzplatz Nummer eins. Damit Deutschland zum Finanzzentrum Europas wird, braucht es vor allem spezialisierte Finanzexperten, die weit mehr als die klassischen Bank-Kompetenzen beherrschen. Diana Herpel ist Partner bei Options Group Deutschland in Frankfurt am Main und vermittelt seit über 10 Jahren IT Fach- und Führungskräfte an Banken und Finanzinstitute. Im Interview sprach Sie mit uns über das Tabuthema Gehalt. Deutschlands Banken brauchen gutes IT Personal um den Standort weiter zu stärken. Doch kann sich die Branche das überhaupt ...

16.01.2019, 11:11

Nach dem Brexit buhlt auch Frankfurt am Main um den EU-Finanzplatz Nummer eins. Damit Deutschland zum Finanzzentrum Europas wird, braucht es vor allem spezialisierte Finanzexperten, die weit mehr als die klassischen Bank-Kompetenzen beherrschen. Diana Herpel ist Partner bei Options Group Deutschland in Frankfurt am Main und vermittelt seit über 10 Jahren IT Fach- und Führungskräfte an Banken und Finanzinstitute. Im Interview sprach Sie mit uns über das Tabuthema Gehalt. Deutschlands Banken brauchen gutes IT Personal um den Standort weiter zu stärken. Doch kann sich die Branche das überhaupt leisten?

Der Kampf um IT Kräfte geht in die finale Runde. Noch nie waren hoch qualifizierte ITler so umkämpft wie heute. Aber spiegelt sich diese Entwicklung auch in den Gehältern wider? „Es ist deutlich zu sehen, dass die Gehaltsforderungen von wechselbereiten IT Kandidaten häufig mit den Vorstellungen meiner Kunden aus der Bankenbranche auseinander gehen“, sagt Herpel und erklärt, dass dieser Trend bereits bei Absolventen und Junioren zu verzeichnen ist. IT Junioren mit wenig Erfahrung fordern hohe Gehälter, da sie wissen, dass der Kampf um die Spezialisten bereits bei den Rohdiamanten angekommen ist. So verdient ein Absolvent der Informatik oder Wirtschaftsinformatik mit ersten Berufserfahrungen oder nach Absolvierung eines Praktikums zwischen 40.000 bis 62.000 Euro. IT Spezialisten auf allen Leveln haben häufig eine Vielzahl von Jobmöglichkeiten und erhalten über soziale Netzwerke nicht selten unmoralische Stellenangebote mit konkreten Gehaltszahlen. „Das verzerrt den Arbeitsmarkt und versetzt Bewerber in eine Komfortzone und zeigt sich dann spätestens bei überzogenen Gehaltswünschen während des Vorstellungsgesprächs”, erzählt Herpel.

Verlangen ITler zu viel Geld?

„Es gibt viele Kandidaten, die beim Vorstellungsgespräch hoch pokern ohne den tatsächlichen Mehrwert ihrer Qualifikationen richtig einschätzen zu können. Sie nutzen die hohe Nachfrage und die verzweifelte Situation der Unternehmen regelrecht aus. Doch genauso haben wir auch mit Kandidaten zu tun, die unter Wert verdienen und sich sehr bescheiden in puncto Gehalt platzieren”, berichtet Herpel aus Sicht ihrer mehr als zehnjährigen Erfahrung bei Options Group Frankfurt. Damit sich auf beiden Seiten keine Unzufriedenheit einstellt, empfiehlt es sich auch für Kandidaten ein Gespräch mit einem Personalberater zu suchen, das schafft Transparenz, um ein realistisches Bild vom entsprechenden Nischenmarkt zu erhalten. Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Arbeitgebern. Faktoren, wie Reisebereitschaft, Überstundenregelung und das Umfeld sollte man ebenfalls bei seiner Entscheidung nicht unberücksichtigt lassen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, als Kandidat im Vorfeld zu überlegen, welchen Mehrwert man für den neuen Arbeitgeber wirklich mitbringt und welches Gehalt im Marktvergleich dafür gerechtfertigt ist, sodass eine „win win Situation“ für beide Parteien entsteht. Grundsätzlich gilt natürlich auch hier der Grundsatz von Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage an IT Spezialisten in allen Branchen ist überdurchschnittlich hoch und dagegen das Angebot überschaubar, sodass die Konkurrenz mit hohen Gehältern lockt. Die Industrie-, Technologie- und Automobilbranche kämpfen mit guten Gehaltspaketen und bringen die Banken ins Schwitzen. „Wer da budgettechnisch nicht mithalten kann, dem empfehlen wir über andere attraktiven Rahmenbedingungen einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice Möglichkeiten, Zugang zu den neuesten Technologien, IT Konferenzen, Tutorials/Blogs/Meetups, Hackathons oder die Aussicht auf Mitarbeit an spannenden und innovativen Projekten sind im Kampf um junge, agile Talente Rahmenparameter eines guten Kompensationspakets”, so Herpel im Interview.

Beratungsfirmen verzerren Gehälter

Dennoch sind die Banken gefordert ihre Gehaltsbänder nochmal gründlich zu überprüfen. Insbesondere bei IT Architekten, Data-Warehouse Experten, Softwareentwicklern und Experten für Digitalisierungsinitiativen müssen Banken mehr Geld in die Hand nehmen, um eine sinnvolle Investition in ihre eigene Zukunft zu leisten. Auch Beratungsunternehmen verzerren Gehälter für Top IT Spezialisten, da diese häufig mit einem Bonus beteiligt werden. So passiert es nicht selten, dass Banken IT Spezialisten teuer über Beratungsfirmen einkaufen, welche sie intern aufgrund der knapp dotierten Planstellen nicht besetzen können. Ein Teufelskreis, der sich kaum durchbrechen lässt.

Options Group hält die Finanzbranche für wettbewerbsfähig

Unsere Expertin von Options Group Deutschland ist dennoch überzeugt, dass die Finanzbranche durchschnittlich gute Gehälter zahlt, aber zunehmend die Konkurrenz im Auge behalten muss und starre Gehaltsbändern überdenken sollte. Insbesondere wenn es darum geht „high performer“ wie zum Beispiel Digitalisierungs-Experten einzustellen, die einen besonderen Mehrwert für das Unternehmen bringen, sollten Banken diese Talente mit adäquaten Investments für sich gewinnen. Dann ist der Weg geebnet in eine fortschreitende digitalisierte Zukunft zu gehen, die aus Banken letztendlich Technologieunternehmen machen kann.