Mehr Jobs, höhere Löhne

Mehr Jobs, höhere Löhne in Sachsen-Anhalt: Was bringt das Jahr 2018?

Halle (Saale) - Die Unternehmen in Sachsen-Anhalt können nicht mehr alle freien Stellen besetzen. Werden dadurch die Löhne steigen?

Von Steffen Höhne 29.12.2017, 09:00

Für arbeitslose Sachsen-Anhalter wird es einfacher, einen neuen Job zu finden. Die Landesarbeitsagentur rechnet damit, dass im kommenden Jahr rund 9.300 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen.

„Die stabile Konjunktur wird sich weiterhin positiv auf das Beschäftigungswachstum auswirken“, sagte der Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius, der MZ. Vor allem in der Pflege, der Logistik und in der Immobilienbranche entstehen neue Jobs. Insgesamt geht er von 804.000 Stellen im Land aus.

Arbeitsmarkt Sachsen-Anhalt: „Die Demografie ist der stärkste Treiber“

Die Zahl der Arbeitslosen wird aber nicht nur wegen neuer Stellen sinken. „Die Demografie ist der stärkste Treiber“, so Senius. Es gehen mehr Menschen in Rente als neu auf den Arbeitsmarkt kommen. „Im Herbst 2018 könnte die Arbeitslosenquote bei rund sieben Prozent liegen“, sagt Senius voraus.

Aktuell liegt die Quote bei 7,7 Prozent. Im November 2017 waren rund 88.000 Frauen und Männer erwerbslos gemeldet. Daraus folgt, es konkurrieren immer weniger Arbeitslose um mehr Stellen. Bei den Arbeitsagenturen sind aktuell 19.500 freie Arbeitsplätze gemeldet, 3.500 mehr als vor einem Jahr. Allerdings ist ein Großteil der freien Stellen zunächst befristet oder bei Zeitarbeitsfirmen.

Unternehmen haben Schwierigkeit bei der Besetzung neuer Stellen

Dennoch: Für viele Unternehmen wird es bereits schwer, alle freien Stellen zu besetzen. „Das Thema Fachkräftesicherung nimmt an Bedeutung zu“, sagte Senius. Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel will der Arbeitsmarktexperte aktuell noch nicht sprechen. Es gebe aber sogenannte Engpassberufe. Dazu zählt der Arbeitsagenturchef unter anderem Mechatroniker, Energietechniker, Klempner und Pfleger.

Das Problem auf dem hiesigen Arbeitsmarkt: Einerseits gibt es viele Langzeitarbeitslose, die kaum vermittelt werden können. Beispielsweise weil sie keine Ausbildung haben, krank sind, drogenabhängig oder fast das Rentenalter erreicht haben. Oft kommen mehrere dieser Faktoren zusammen. Andererseits gibt es einen steigenden Fachkräftebedarf.

Die Landesbank Nord/LB erwartet für Sachsen-Anhalts Beschäftigte daher steigende Einkommen. „Ich glaube, hier wird sich einiges tun“, sagte Nord/LB-Vorstand Hinrich Holm zuletzt.

Der Durchschnittsbruttolohn liegt bei 16 Euro in Sachsen-Anhalt

„Denn wir haben hier eine Nachfrage nach Fachkräften, die in einer Gewichtsklasse ist, dass die Unternehmen jetzt von selber drauf kommen werden, dass sie etwas tun müssen, wenn sie nicht hinten runterfallen wollen.“ Eine Regulierung der Lohnniveaus zwischen Ost und West sei vonseiten der Politik nicht nötig. Die Märkte würden das „ein Stück weit“ von sich ausgleichen. Der Durchschnittsbruttolohn - also vor Steuern und Sozialabgaben - liegt im Land bei 16 Euro pro Stunde. Das sind rund sechs Euro weniger als in den alten Ländern.

Um Arbeitnehmer im Unternehmen zu halten, werden zunehmend auch Arbeitsverträge entfristet. So hat der Backwaren-Hersteller Aryzta in Eisleben (Mansfeld-Südharz) zuletzt 380 Mitarbeitern aus der Produktion unbefristete Verträge angeboten.

Insgesamt entwickelt sich die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt stabil. Gewinner und Verlierer des Jahres 2017 hat die MZ auf der Wirtschaftsseite zusammengefasst. (mz)