Massive Schneefälle

Massive Schneefälle: Kaum Energie aus Solaranlagen - Kohlekraftwerke unter Volldampf

Halle (Saale) - Wegen massiver Schneefälle liefern Solaranlagen in Mitteldeutschland kaum noch Energie. Warum die Netze weiter störungsfrei sind.

Von Steffen Höhne
Schneebedeckte Solarmoduelle liefern keinen Strom.

Die weißen Wasserdampfwolken aus den Kühltürmen sind kilometerweit zu sehen. Die beiden mitteldeutschen Kohlekraftwerke Schkopau (Saalekreis) und Lippendorf (Sachsen) arbeiten bei den eisigen Temperaturen unter Volldampf. Müssen sie auch, denn durch die massiven Schneefälle fällt die Solarenergie in den kommenden Tagen fast komplett aus.

Die Dächer mit den Sonnenpaneelen können nicht beräumt werden, bei großen Freiflächenanlagen ist der Aufwand groß. Ins Netz des mitteldeutschen Energieversorgers Envia-M wurden am vergangenen Sonntag in der Spitze um 12 Uhr lediglich 370 Megawatt Solarstrom eingespeist. Die Versorgung war nach Angaben des Unternehmens aber weiter stabil. Denn ein kräftiger Wind sorgte dafür, dass die Windenergieanlagen zur selben Zeit mehr als 3.000 Megawatt Strom einspeisten.

Dunkelflaute im Winter

Kritischer würde die Situation, wenn in den kommenden Tagen neben der Solarkraft auch die Windkraft wegfallen würde. Fachleute sprechen von einer sogenannten Dunkelflaute, die gerade in den Wintermonaten immer wieder auftritt. Am 1. Februar um 17 Uhr gab es laut Fraunhofer ISE beispielsweise eine solche Situation.

Wind und Sonne lieferten deutschlandweit nur sieben Gigawatt Strom, bei einem Verbrauch von 68 Gigawatt. Die Last wurde vor allem von den Braunkohlekraftwerken mit einer Leistung von 14 Gigawatt und Gaskraftwerken mit 16 Gigawatt getragen. Ohne Stromimporte aus dem Ausland hätte die produzierte Strommenge in Deutschland allerdings nicht mehr ausgereicht.

„Mit dem Wintereinbruch wird einmal mehr deutlich, dass die regenerativen Energien nicht in der Lage sind, stabile Grundlast zu liefern“, sagt Elke Hagenau, Sprecher des Braunkohle-Unternehmens Mibrag aus Zeitz (Burgenlandkreis), der MZ.

Geringe Gefahr eines großflächigen Stromausfalls

Die Gefahr eines großflächigen Stromausfalls hält Thorsten Lenck vom Beratungsinstitut Agora Energiewende aber für gering: „Die konventionellen Kraftwerke und Stromimporte reichen derzeit aus, die Versorgung auch ohne Solar- und Windkraft zu decken.“ In den kommenden Jahren ändert sich die Situation jedoch, wenn Kern- und Kohlekraftwerke endgültig vom Netz gehen.

„Zunächst werden kleinere, flexible Gaskraftwerke diese Lücke schließen müssen“, so der Energieexperte. Zudem werde mittelfristig aus erneuerbaren Energien erzeugter Wasserstoff das Erdgas ersetzen. „Wegen der Umwandlungsverluste wird Wasserstoff teurer bleiben, als erneuerbaren Strom direkt zu nutzen“, erläutert Lenck. Günstiger könne sein, über flexible Stromtarife die Nachfrage zu steuern.

Die aktuell massiven Schneefälle sind jedoch auch für die Braunkohle-Unternehmen eine Herausforderung. „Die Belastung ist für die Mitarbeiter in den Tagebauen sehr hoch“, so Mibrag-Sprecherin Hagenau. Die Kollegen hätten es vor allem mit Verwehungen und Anbackungen an den Geräten und Bändern zu tun, die beseitig werden müssten.

Es werde aber voll produziert. Allerdings ist der Transport laut Hagenau zum Kraftwerk Schkopau über die Schiene „aufgrund von eingefrorenen Weichen und Schienen zwischen Merseburg und Schkopau derzeit unterbrochen“. Das Kraftwerk Schkopau verfüge allerdings über einen Kohlebunker, der mehrere Tage ausreicht. „Der Betrieb ist trotz der ungewöhnliche Situation gesichert“, sagt Michael Rost, Referent im Kraftwerk Schkopau.

Stromausfall nur in einem Ort

Auch die Leitungsnetze sind trotz der Schneemassen kaum beeinträchtigt. In dem 74.000 Kilometer langen Stromnetz der Envia-M-Tochter Mitnetz Strom gab es bisher kaum größere Störungen. „In Sachsen-Anhalt gab es am Sonntag nur eine kleinere Störung in Könderitz, einem Ortsteil der Gemeinde Elsteraue im Burgenlandkreis. Hier waren 40 Kunden kurzzeitig ohne Strom“, teilte Envia-M-Sprecher Stefan Buscher mit. Am Montagmittag habe es noch einen Ausfall in Breitungen im Landkreis Mansfeld-Südharz gegeben. Betroffen waren rund 900 Kunden. (mz)