Corona-Pandemie

Kommt jetzt die Schnelltest-Pflicht für Arbeitgeber?

In einer spontanen Umfrage der MZ äußern sich Unternehmer skeptisch zur Schnelltestpflicht.

Von Klaus Adam
Eine Mitarbeiterin in einem Testzentrum hält ein Stäbchen für einen Rachenabstrich in der Hand. Symbolbild: dpa

Elster/Jessen. „Die Folgen der Pandemie und aktuell damit auch die Schnelltests sind immer ein Thema für uns“, erklärt auf eine MZ-Anfrage Karin Labhart, Pressesprecherin der Feintool-Unternehmensgruppe. Bekanntlich hat das im schweizerischen Lyss ansässige Unternehmen auch einen Standort in Jessen. Aber, so Labhart, „im Moment ist das Bestreben, die Lage zu beobachten, wie sie sich entwickelt. Ich weiß, in Deutschland wird in großen Autofirmen schon getestet. Wir tun für unsere Mitarbeiter alles, was wir können. Aber im Moment ist die Frage des Testens noch nicht entschieden.“

Die MZ hatte vergangene Woche berichtet, dass Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Überlegungen hegt, Corona-Schnelltests in Unternehmen verbindlich zu machen.

Detaillierte Regularien

Mit ziemlichem Unverständnis reagierte der Geschäftsführer des Unternehmens Empl Germany in Elster, Uwe Göbel, auf einen möglichen Zwang, die Mitarbeiter im Unternehmen regelmäßig testen zu lassen. „Es ist so schon alles kompliziert. Wie soll denn das funktionieren, Betriebe zum Testen zu verpflichten?“, fragt er. Das widerspricht nach seiner Auffassung „allen Hygieneregeln. Da gehört medizinisches Personal dazu“, so Göbel, der meint, „150 bis 200 Leute jeden Tag oder jede Woche im Do-it-yourself-Modus zu testen, das geht einfach nicht“. Die Fehlerquote bei nicht sachgemäßem Anwenden wäre ohnehin viel zu hoch.

Der Elsteraner Empl-Chef verweist auf die Vielzahl von Hygiene- und Schutzmaßnahmen vor Ansteckung, die in dem Unternehmen seit einem Jahr gelten. Und die würden auch permanent überprüft und angepasst. Das begann damit, so Uwe Göbel, dass er vor einem Jahr Masken anfertigen ließ, als es noch kaum welche im Handel gab. „Das war nicht billig.“ Der Zugang für fremde Personen in den Betrieb sei stark reglementiert worden. „Für Materiallieferanten haben wir eigene mobile Toiletten angekauft beziehungsweise angemietet, extra Wasch- und Desinfektionsplätze für sie eingerichtet.“

Seit es dann Operationsmasken (die bekannten blauen) und FFP2-Masken gab, stellt sie das Unternehmen für seine Mitarbeiter zur Verfügung. Es wurden konkrete Regularien für das Arbeiten und das Sich-Bewegen auf dem Firmengelände erlassen, einschließlich Festlegungen, wo und unter welchen Umständen die Masken aufzusetzen sind. Sobald Angehörige von Mitarbeitern in Quarantäne geschickt werden, bezahle das Unternehmen den Beschäftigten zwei freie Tage zu Hause, um sich zügig testen zu lassen.

Dazu gebe es Regelungen mit dem Betriebsarzt und der Wittenberger MyCare-Apotheke. Wenn die Tests negativ ausfallen, können der oder die Betreffende dann wieder zur Arbeit kommen. „Wir haben übrigens einige Schnelltests gekauft in der Spuckvariante. Die haben wir als Plan B in der Hinterhand. Aber nochmal: Wer soll das permanent durchziehen?“