Immobilien-Entwickler Goodman

Immobilien-Entwickler Goodman: Amazons großer Bauherr

Halle (Saale) - Der Online-Handel in Deutschland floriert: Seit Jahren wächst der Umsatz der Branche zweistellig und wird in diesem Jahr wohl die 40-Milliarden-Euro-Grenze überspringen. Um die Expansion zu bewältigen, lassen die großen Internethändler ein Versandzentrum nach dem anderen aus dem Boden stampfen. Doch auch wenn an den Fassaden die Logos von Amazon, Zalando & Co. montiert sind, der Eigentümer der Lager heißt häufig Goodman. Der Immobilien-Entwickler ist der Bauherr der ...

Von Steffen Höhne 26.12.2014, 17:43

Der Online-Handel in Deutschland floriert: Seit Jahren wächst der Umsatz der Branche zweistellig und wird in diesem Jahr wohl die 40-Milliarden-Euro-Grenze überspringen. Um die Expansion zu bewältigen, lassen die großen Internethändler ein Versandzentrum nach dem anderen aus dem Boden stampfen. Doch auch wenn an den Fassaden die Logos von Amazon, Zalando & Co. montiert sind, der Eigentümer der Lager heißt häufig Goodman. Der Immobilien-Entwickler ist der Bauherr der Onlinehändler.

Die Bautätigkeit in der deutschen Logistikbranche hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Talsohle lag, bedingt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise, im Jahr 2010 bei zwei Millionen Quadratmetern neuer Logistikfläche, ermittelte das Analyseunternehmen Bulwiengesa. Im Jahr 2012, dem bisherigen Höhepunkt, wurden 3,8 Millionen Quadratmeter errichtet, für dieses Jahr wird eine Fläche von 3,2 Millionen Quadratmetern erwartet. Die positive Entwicklung geht nach Einschätzung von Immobilien-Fachmann Tobias Kassner nicht nur auf die gute Konjunktur zurück: „Viel wichtiger sind andere Trends.“ Neben der Dynamik im Online-Handel sei dies die EU-Osterweiterung. Deutschland liege im Zentrum der Warenströme sowohl der Nord-Süd- als auch der Ost-West-Achse. Daher würden viele Waren in der Bundesrepublik umgeschlagen. Auch in den kommenden Jahren wird mit einer hohen Nachfrage gerechnet.

Sieben große Logistikzentren hat Goodman allein für Amazon in den vergangenen Jahren hierzulande errichtet, zwei für Zalando, eines für Home 24 und derzeit wird vor den Toren der Stadt Halle erstmals für Ebay gebaut. „Wir haben schon sehr früh an den Online-Handel geglaubt und profitieren nun davon“, sagt Goodman-Deutschlandchef Jordan Corynen der MZ.

Eigene Fonds zur Finanzierung

Goodman ist ein australischer Immobilien-Konzern mit einem weltweit verwalteten Vermögen von 19,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen besitzt 432 Industrie-Objekte, davon 136 in Europa. Der Projekt-Entwickler unterscheidet sich von vielen Wettbewerbern vor allem darin, dass er nicht nur Flächen sucht und Lagercenter baut, sondern diese auch im Besitz behält. „In der Regel vermieten wir unsere Objekte“, sagt Corynen. Goodman stelle die Finanzierung über eigene Fonds sicher, in Europa sei dieser aktuell 3,3 Milliarden Euro schwer. „Wir gehen selbst voll ins Risiko“, so der Manager. Für die schnell wachsenden Online-Händler ist dies attraktiv, werden ihre Bilanzen nicht sofort durch hohe Investitionskosten belastet.

Möglichst viel Nutzfläche, auf möglichst wenig Raum: Funktionalität und Wirtschaftlichkeit spielen bei der Konzeption von Logistikcenter oft noch eine größere Rolle als bei anderen Industriebauten. Der Warenfluss soll möglichst effizient gestaltet werden. Einerseits. Andererseits sind in den großen Versandzentren mitunter tausende Arbeiter tätig, auf deren Gesundheit geachtet werden muss. Diese benötigen Pausenräume, Sanitäreinrichtungen, hin und wieder werden auch Fitness-Räume eingerichtet.

Vergleichbar hohe Qualität

Nach Worten des Goodman-Chefs werden die Logistikzentren in enger Abstimmung mit den Kunden errichtet, die diese zunächst für zehn bis 15 Jahre mieten. Danach müssten diese aber auch für andere Unternehmen nutzbar sein, falls die Verträge nicht verlängert werden. So achte Goodman beim Bau etwa auf eine Mindesthöhe der Objekte von zehn Metern, dass die Hallen teilbar sind und Expansionsmöglichkeiten bestehen.

Immobilienexperte Tobias Kassner vom Analyseunternehmen Bulwiengesa sagt: „Im Gegensatz zu kleineren, aber ebenfalls sehr guten Entwicklern aus Deutschland, kann Goodman als international operierendes Unternehmen seinen Kunden überall auf der Welt eine vergleichbar hohe Qualität sowie einheitliche Standards liefern.“ Ebenfalls auf den Weltmarkt ausgerichtete Kunden müssten nicht in jedem Land auf die Suche nach einem geeigneten Projektpartner gehen. So hat Goodman zuletzt für Amazon auch ein neues Logistikzentrum im polnischen Breslau errichtet.

Mit einer Hallenfläche von 123 000 Quadratmetern, das sind etwa 18 Fußballfelder, ist es größer als viele andere Zentren. Von Polen aus will Amazon vor allem deutsche Kunden beliefern. Zudem profitiert der Immobilien-Entwickler davon, dass gerade Industriefirmen Logistikdienstleistungen immer weiter auslagern. Auch Goodman selbst arbeitet äußerst arbeitsteilig. Das Unternehmen mit zwei Büros in Düsseldorf und Hamburg beschäftigt hierzulande nur 30 Mitarbeiter. Die Errichtung der Lager überlässt der Immobilienriese Bau- und Service-Unternehmen.

Halle/Leipzig ist ein Schwerpunkt

Nach einer aktuellen Logistikstudie aus dem Hause Bulwiengesa ist Goodman mit dem Konzept zum mit Abstand größten Entwickler von Logistik-Immobilien in Deutschland geworden. Es folgt mit großem Abstand der ebenfalls international agierende Projektentwickler Prologis vor den Einzelhändlern Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland), Rewe und Edeka, die als sogenannte Eigennutzer gelten. Die deutschen Mittelständler im Projektgeschäft wie Ixocon, Harder & Partner oder Grabe rangieren eher im Mittelfeld. Sie verfügen über ein starkes regionales Netzwerk, bei den großen Geschäften blieben sie zuletzt aber häufig außen vor.

Goodman expandierte stark im Ruhr- und Rhein-Main-Gebiet sowie in Hamburg. In den vergangenen Jahren rückte auch die Region Halle/Leipzig in den Fokus. Für DB Schenker wurde an der A14 ein riesiges Logistikzentrum mit einer Fläche von 143 000 Quadratmetern errichtet. Die Bahn-Tochter wickelt dort den Autoteile-Versand von BMW nach China und Südafrika ab. „Gute Verkehrsanbindungen und die Nähe zu Osteuropa sprechen für die mitteldeutsche Region“, so Corynen. Der Goodman-Manager betont, dass alle Engagements langfristig angelegt sind. „Wir bauen für uns selbst.“ Die Objekte sollen mindestens 30 Jahre genutzt werden. Bei der Planung kommt es vor allem auf eines an: die Lage. (mz)