„Heuschrecke des Jahres“

„Heuschrecke des Jahres“: Bauern vergeben Schmähpreis an Leipziger Autohändler

Leipzig - Mit Treckern sind Landwirte der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) am Mittwoch vor das Autohaus Hercher in Leipzig gefahren.

Von Steffen Höhne 27.06.2019, 08:59

Mit Treckern sind Landwirte der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) am Mittwoch vor das Autohaus Hercher in Leipzig gefahren. Der landwirtschaftliche Verband verlieh den Schmähpreis „Heuschrecke des Jahres“ dem Autohausbesitzer und Agrarinvestor Markus Hercher, der persönlich aber nicht vor Ort war. „Herr Hercher hat den Preis verdient, weil er im Gegensatz zu anderen Akteuren mit Landwirtschaftsbetrieben handelt wie mit Gebrauchtwagen“, sagt Michael Grolm, Landesvorsitzender der AbL Mitteldeutschland.

Die Bauern werfen dem Autohausbesitzer vor, sich Landwirtschaftsflächen unter Umgehung des sogenannten Grundstücksverkehrsgesetzes anzueignen. Der direkte Kauf der Flächen wäre kaum möglich, sagt Grolm.

Laut Verband soll Hercher neben mehreren Autohäusern mindestens acht landwirtschaftliche Betriebe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einer Fläche von insgesamt 7000 Hektar besitzen. Damit würde er zu den großen Landwirten bundesweit gehören. Auf MZ-Anfrage äußerte sich Hercher nicht zu den Vorwürfen. Ob seine Familie seit langem Landwirtschaft betreibt, ist unklar.

Vorkaufsrecht für Landwirte umgangen: Schmähpreis für Autohändler

Laut Bundesanzeiger gehören zu seinen Betrieben unter anderem die Agrar GmbH Zum Himmelsberg in Oldisleben (Thüringen) und die Agrargenossenschaft Straßberg/Siptenfelde (Landkreis Harz). Nach Ansicht des bäuerlichen Verbandes nutzen Investoren wie Hercher eine Gesetzeslücke.

In Deutschland regelt das Grundstücksverkehrsgesetz den Bodenerwerb. Darin ist festgelegt, dass beim Verkauf von größeren Ackerflächen örtliche Landwirte ein Vorkaufsrecht besitzen. So soll eine funktionierende Agrarstruktur erhalten bleiben. Das wird laut AbL jedoch häufig umgangen, weil die Investoren ganze landwirtschaftliche Betriebe inklusive Acker erwerben - nicht die Flächen direkt. „Diese Investoren zahlen Millionen für Betriebe, da können normale Landwirte nicht mithalten“, sagt Grolm.

Der AbL und auch der Bauernbund dringen daher auf ein Agrarstrukturgesetz, das solche Käufe erschwert. Sachsen-Anhalts Agrarministerin Claudia Dalbert (Grüne) will auch ein solches Gesetz auf den Weg bringen. Doch der Landesbauernverband sieht die Pläne kritisch. Große Betriebe befürchten, dass auch ihre Zukäufe und vor allem Verkäufe reglementiert werden. (mz)