Schokoladenfabrik

Halloren: Schokoladenfabrik aus Halle (Saale) muss drei Tochter-Gesellschaften verkaufen

Halle (Saale) - Halloren: Das hallesche Unternehmen hat sich bei der Expansion verhoben und verkauft nun drei Tochter-Gesellschaften. Einige Aktionäre sprechen von Zerschlagung.

Von Steffen Höhne
Blick auf den Hauptsitz der Halloren Schokoladenfabrik AG in Halle dpa-Zentralbild

„Halloren ist vom Weg abgekommen. Wir müssen einen kompletten Strategiewechsel vornehmen“, mit diesem Bekenntnis läutete der Vorstandschef der ältesten Schokoladenfabrik der Welt, Klaus Lellé, am Mittwoch die Hauptversammlung der Aktionäre in Halle ein.

Anschließend präsentierte Lellé eine große Überraschung: Die hallesche Schokofirma hat ihre drei großen Tochtergesellschaften verkauft.

„Die Investments Delitzscher, Steenland und Bouchard wurden veräußert“, sagte Lellé . Dadurch wurden 37 Millionen Euro eingenommen. „Die Rückzahlung von Bankkrediten und Unternehmensanleihen in Höhe von 30 Millionen Euro wäre sonst sehr schwierig geworden“, begründete Lellé den Verkauf. Einige Aktionäre kritisieren das Vorgehen dennoch und sprechen von einer Zerschlagung.

Halloren hat sich bei Expansion finanziell verhoben

Vorstandschef Lellé gestand letztlich ein, dass sich Halloren bei der internationalen Expansion in den vergangenen Jahren finanziell verhoben hatte. Die niederländische Steenland habe ein asiatischer Kunde für 17 Millionen Euro übernommen. Delitzscher und Bouchard sind für je zehn Millionen Euro an Magrath, die Muttergesellschaft des Halloren-Großaktionärs Charlie Investors, veräußert worden.

Die beiden Firmen bleiben also im Unternehmensumfeld, Halloren wird offenbar weiter den Vertrieb der Produkte übernehmen. Die Schoko-Firma soll durch die Verkäufe Ende 2017 über eine Eigenkapitalquote von 70 Prozent verfügen und nahezu schuldenfrei sein. „Damit können wir wieder in neue Anlagen und Produkte investieren“, kündigte Lellé an. So soll am Firmensitz in Halle eine neue Produktionshalle entstehen. Künftig will sich das Unternehmen stärker auf die Weiterentwicklung der Marke „Halloren“ konzentrieren.

Die verkauften Gesellschaften haben bisher etwa 60 Prozent des Umsatzes der Gruppe erwirtschaftet. Der lag im vergangenen Jahr bei 124,1 Millionen Euro und damit knapp über dem Vorjahr. Wie bereits 2015 schrieb die Gruppe auch 2016 Verluste. Das Minus lag bei 968 000 Euro, im Vorjahr waren es noch 1,6 Millionen Euro gewesen.

Halloren: Angst vor „Heuschrecken“ und „Hütchenspielern“

Auf der Aktionärsversammlung wurde das Vorgehen des Unternehmens kontrovers diskutiert. Martin Weimann von der Verbraucherzentrale für Kapitalanleger sprach von einer „Zerschlagung“ des Unternehmens. „Die Heuschrecken und Hütchenspieler übernehmen nun“, sagte Weimann.

Er spielte auf den Halloren-Großaktionär Charlie Investors an, hinter dem der Unternehmer Darren Ehlert steht. Auch der Halloren-Aktionär und Wettbewerber Katjes übte Kritik. Anstatt die tolle Marke Halloren in Deutschland voranzubringen, blicke das Unternehmen auf Märkte in China oder die USA, bemängelte Katjes-Chef Tobias Bachmüller. Dem Konkurrenten wird nachgesagt, Interesse an einer kompletten Halloren-Übernahme zu haben.

Die Hallenser hatten sich durch ein sogenanntes De-Listing Ende Dezember 2016 von der Frankfurter Börse zurückgezogen. Halloren befürchtete offenbar eine feindliche Übernahme durch Katjes. Durch den Kauf der zwei Töchter hat Charlie Investors nach Unternehmensangaben Halloren praktisch entschuldet. Der Großaktionär unterstütze damit die Umstrukturierung des Unternehmens in sehr hohem Maße. (mz)