Probleme bei der Firmenübergabe

Firmenübergabe an neuen Chef: Nachfolgebörse in Sachsen-Anhalt hilft bei der Suche

Halle (Saale) - Vom Studentenpraktikum in den Chefsessel: Bei der Firma Häßler-Lift Hebebühnen in Halle ist das machbar. Anfang 2016 stieg Dennis Schröder (27) als Co-Geschäftsführer in den Betrieb von Thomas Häßler (56) ein. Die beiden haben einen Vertrag über eine Übergangszeit von zehn Jahren geschlossen: Das Konzept gibt dem jungen Nachfolger die Möglichkeit, Eigenkapital anzusparen und die Geschäftsanteile vollständig zu übernehmen. Und die Altersvorsorge des Senior-Unternehmers ist so ...

Von Steffen Höhne 18.10.2018, 07:00

Vom Studentenpraktikum in den Chefsessel: Bei der Firma Häßler-Lift Hebebühnen in Halle ist das machbar. Anfang 2016 stieg Dennis Schröder (27) als Co-Geschäftsführer in den Betrieb von Thomas Häßler (56) ein. Die beiden haben einen Vertrag über eine Übergangszeit von zehn Jahren geschlossen: Das Konzept gibt dem jungen Nachfolger die Möglichkeit, Eigenkapital anzusparen und die Geschäftsanteile vollständig zu übernehmen. Und die Altersvorsorge des Senior-Unternehmers ist so geregelt.

Die Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK), Antje Bauer, führt das Beispiel für eine gelungene Planung der Unternehmensnachfolge an.

Das ist kein Einzelfall. 65 bis 75 Prozent der Prozent der Einzel-Unternehmer im IHK-Bezirk gelingt die angestrebte Firmenübergabe. Häufig übernehmen die Kinder das Geschäft. Das heißt aber auch: bei 25 bis 35 Prozent gelingt das nicht - das sind bis zu 150 Firmen im Jahr. In einigen Fällen trifft es vielleicht schwache Unternehmen, die ohnehin schon Probleme haben, sich am Markt zu behaupten. Doch es sind auch gesunde Unternehmen darunter.

Die IHK bietet daher umfangreiche Beratungen und eine Nachfolgebörse ab. Ein weiteres positives Beispiel der Kammer: Bereits seit 2014 sucht Dieter Bock (67) einen Nachfolger für seine Sommerrodelbahn in Petersberg (Saalekreis). Er nutzte mehrere IHK-Sprechtage und ging die Suche systematisch an.

Unter anderem inserierte er in der Nachfolgebörse nexxt-change.de. Mehrere Interessenten meldeten sich, aber die Verhandlungen waren schwierig. Mit der Zeit sei es gelungen, ein marktgerechtes und finanzierbares Angebot zu entwickeln, teilte die IHK mit. Bock ist inzwischen mit einer Nachfolgerin einig geworden - Anfang 2019 ist die Weitergabe geplant.

Häufig scheitern Übernahmen an einer fehlenden Finanzierung. Viele Jung-Unternehmer besitzen das nötige Kapital nicht. Das Land Sachsen-Anhalt bietet daher Unterstützung an. Laut Landesregierung gibt es 17 Förderprogramme, die in Anspruch genommen werden können. Erst im vergangenen Jahr legte Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) ein zinsgünstiges Darlehensprogramm auf. Die Mittel werden bisher aber nur zögerlich abgerufen.

Olaf Meister, Finanzexperte in der Grünen-Landtagsfraktion, sagt: „Es müsse geprüft werden, ob die vielen Programme wirklich wirken.“ Eine Anfrage bei der Landesregierung ergab, dass es keine Erfolgskontrolle bei den ausgegeben Mitteln gibt. So konnte die Regierung nicht mitteilen, ob geförderte Unternehmen nach drei Jahren noch am Markt sind. (mz)