Kein Öko-Strom im Winter

Energie: Kein Öko-Strom im Winter

Halle (Saale) - Windräder und Solaranlagen lieferten im Januar in Mitteldeutschland kaum Leistung.

Von Steffen Höhne

Sachsen-Anhalt ist Ökostrom Land. Rund 54 Prozent des hierzulande produzierten Stroms kommt von Windrädern, Solar- und Biomasse-Anlagen. Damit liegt das Land im Bundesvergleich auf Platz drei. Doch bezieht sich das nur auf den Jahresdurchschnitt.

Von Mitte bis Ende Januar 2017 lieferten die erneuerbaren Energien an einzelnen Tagen fast gar keinen Strom, ergab eine Auswertung des Netzbetreibers Mitnetz-Strom aus Halle auf Anfrage der MZ.

Ökostrom in Sachsen-Anhalt: Dunkelflaute im Winter

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: So lag am 20. Januar um 11.30 Uhr die maximale Last im mitteldeutschen Netzgebiet bei 3 143 Megawatt - damit können rund drei Millionen Haushalte versorgt werden. Zu diesem Zeitpunkt lieferten die Ökoenergien aber fast keinen Strom. Die Windenergie hatte nachts um 1 Uhr die maximale Einspeisung mit 60 Megawatt.

Mitnetz-Strom-Geschäftsführer Adolf Schweer spricht von einer sogenannten Dunkelflaute. Das seien Phasen im Winter, in denen durch ein Hochdruckgebiet kaum Wind weht und an trüben Tagen die Sonneneinstrahlung sehr gering ausfällt. Im Januar ist das fast zwei Wochen der Fall gewesen.

Nach Worten von Schweer lieferten in dieser Zeit die Braunkohle- und Gaskraftwerke den notwendigen Strom. In Sachsen-Anhalt sind das etwa das Kohle-Kraftwerk Schkopau (Saalekreis) oder das städtische Gaskraftwerk in Halle. Zudem bezog Mitnetz aus dem überregionalen Stromnetz von 50 Hertz Energie. Diese stammte zu diesem Zeitpunkt vor allem von den großen Braunkohle-Kraftwerken in der Lausitz (Brandenburg/Sachsen). „Ohne die Kohle-Kraftwerke wäre eine gesicherte Energieversorgung nicht möglich“, so Schweer.

Das trifft nicht nur auf Mitteldeutschland zu. Laut eines Berichtes der Zeitung „Die Welt“ wurden beispielsweise am 24. Januar rund 90 Prozent des Strombedarfs in Deutschland mit konventionellen Energieträgern gedeckt. Der Verbrauch lag bei 83 Gigawatt. „Die Versorgungssicherheit ist gegeben“, betont Schweer. „Es gibt aber öfter angespannte Situationen.“

Konventionelle Kraftwerke gleichen fehlenden Ökostrom aus

Der Grund: Erneuerbare Energien haben in den vergangenen Jahren bundesweit bereits 82 konventionelle Kraftwerke vom Markt verdrängt. In Sachsen-Anhalt beispielsweise wird an windstarken Tagen mehr Ökostrom produziert, als Strom insgesamt benötigt wird. Als erstes werden dann Gas- und Kohlekraftwerke heruntergefahren. Dadurch sinken deren Einsatzzeiten und damit die Wirtschaftlichkeit.

Noch reichen die Kapazitäten der konventionellen Kraftwerke aus, um den fehlenden Ökostrom komplett zu kompensieren. Nach der Abschaltung aller Atomkraftwerke 2022 könnte die Situation jedoch anders aussehen.

Nach Ansicht von Schweer werden dringend große Stromspeicher benötigt. „Batterie-Speicher könnten allerdings nur ein oder zwei Tage eine Dunkelflaute überbrücken“, so der Energieexperte. Mitnetz arbeitet daher mit Forschungseinrichtungen zusammen, um Strom in Wasserstoff (Gas) umzuwandeln, da sich dieses besser - etwa in unterirdischen Kavernen - speichern lässt. (mz)