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Versandhaus Versandhaus: Neckermann steht vor dem Aus

Von Peter Dietz 19.08.2012, 10:57
Ein fertig gepackter Karton wird in der Packerei in der Zentrale von Neckermann.de in Frankfurt am Main auf einem Band zum bereit stehenden Lkw befördert. (ARCHIVFOTO: DPA)
Ein fertig gepackter Karton wird in der Packerei in der Zentrale von Neckermann.de in Frankfurt am Main auf einem Band zum bereit stehenden Lkw befördert. (ARCHIVFOTO: DPA) dpa

Frankfurt (Main)/MZ. - Schon in vier Wochen könnte alles aus sein. Findet sich nicht ein Geldgeber für Neckermann, droht dem Frankfurter Traditionsunternehmen der endgültige Untergang. „Ohne einen Investor ist bei Neckermann.de im Herbst Schluss“, sagte Firmen-Chef Henning Koopmann dem Magazin Wirtschaftswoche.

Zwar hätten sich die Geschäfte stabilisiert. Der insolvente Versandhändler könne die Wende aus eigener Kraft jedoch nicht schaffen, sagte Koopmann weiter. Die Zukunft des vor 62 Jahren gegründeten Betriebs und einstigen Symbols des deutschen Wirtschaftswunders könnte sich also in den kommenden vier Wochen entscheiden. Neckermann musste Mitte Juli Insolvenz anmelden, nachdem der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, überraschend den Geldhahn für die anstehende Sanierung zugedreht hatte. Seitdem sind 2 400 Arbeitsplätze bedroht – in der Mehrheit am Stammsitz in Frankfurt, aber auch in Heideloh (Anhalt-Bitterfeld). Insolvenzverwalter Michael Frege hatte Ende Juli noch gehofft, erste Investoren an der Angel zu haben.

Mit der Pleitemeldung waren die Bestellungen zunächst dramatisch eingebrochen. Laut Koopmann hätten sie vorübergehend um zwei Drittel unter dem Vorjahresniveau gelegen. Zudem hatte es Probleme bei der Warenauslieferung gegeben. Inzwischen habe sich der Betrieb wieder normalisiert. Auch die Kunden seien zurückgekommen.

Neckermann war in die Offensive gegangen und startete eine selbstironische Treue-Kampagne. Unter dem Motto „Insolvent. Na Und?“ will der Versender das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen. Geworben wird mit Slogans wie: „Sie haben momentan wenig Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt.“

Neckermann hat schon mehrere Rosskuren hinter sich. Um aus den roten Zahlen zu kommen, wollte der Eigentümer Sun Capital das Unternehmen zu einem reinen Online-Händler umbauen. Zuletzt stand Neckermann auf Rang drei der größten deutschen Internetversender – hinter Amazon und Otto.