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Übernahme Übernahme: Energieriese Eon kann nun Gas geben

31.01.2003, 16:20

Düsseldorf/Leipzig/dpa/MZ. - Deutschland größter Energiekonzern Eon hat mit millionenschweren Zugeständnissen an die Gegner die Ruhrgas-Übernahme perfekt gemacht. Nach monatelangem juristischem Tauziehen einigte sich Eon am Freitag mit seinen Konkurrenten außergerichtlich. Sie hatten von der Übernahme schwere Wettbewerbsnachteile befürchtet. Die kleineren Energieunternehmen hatten nach dem Verbot des Kartellamts eine Ministererlaubnis für den Zusammenschluss gestoppt.

Mit dem zehn Milliarden Euro schweren Geschäft steigt Eon zum größten Energiekonzern in Europa auf. Mit Zugeständnissen beim Zugang zum Gasnetz und Tauschgeschäften in dreistelliger Millionenhöhe hatte Eon die Kläger in letzter Minute zum Einlenken bewegt. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte, die Einigung sei im Interesse des Gemeinwohls erfolgt. Verbraucherschützer kritisierten den Zusammenschluss und warnten vor steigenden Strompreisen in Deutschland.

Nach dem Verhandlungsmarathon blickte Eon-Vorstandschef Ulrich Hartmann nach vorn: "Beim Ausbau unseres Gasgeschäfts können wir jetzt durchstarten und so im Wettbewerb mit den anderen großen europäischen Gasunternehmen mithalten."

Eon erwirtschaftete 2001 einen Umsatz von 79,6 Milliarden Euro und hat weltweit rund 110000 Beschäftigte. Der Konzern kann nun den Erwerb des Essener Ferngasimporteurs sofort vollziehen. Eon erhält die Ruhrgas-Anteile des Essener Bergbaukonzerns RAG, der wiederum die Mehrheit am weltgrößten Spezialchemiehersteller Degussa von Eon übernimmt.

Die Zugeständnisse an die Gegner Ampere, ares, GGEW, Trianel sowie den Stadtwerken Aachen und Rosenheim haben nach Eon-Angaben ein Volumen von rund 90 Millionen Euro. Dabei geht es um Strom- und Gaslieferungen sowie die Abgabe von Anlagen und Beteiligungen. Gegen die umstrittene Entscheidung hatten zahlreiche Energieversorger Beschwerde beim Kartellsenat des Düsseldorfer OLG eingereicht.

Nach Ansicht der Leipziger VNG - Verbundnetz Gas AG hat die Fusion keine Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit des Unternehmens als eigenständige ostdeutsche Ferngasgesellschaft. "Im Gegenteil, die VNG hat nun die Chance, ihre Position auszubauen", sagte VNG-Chef Klaus-Ewald Holst. Die Fusion war an die Auflage gebunden worden, dass Eon und Ruhrgas ihre VNG-Anteile in Höhe von insgesamt 42 Prozent verkaufen müssen. Die kommunalen Aktionäre der VNG haben signalisiert, dass sie ihre Option zum Erwerb von zusätzlichen zehn Prozent nutzen werden. VNG selbst hatte im Oktober vergangenen Jahres Interesse an einer Beteiligung an einem westdeutschen Regionalversorger gezeigt.