Diplomatische Krise

U-Boot-Streit: US-Regierung um Beschwichtigung bemüht

Der Streit um den geplatzten Vekauf französischer U-Boote nach Australien belastet die amerikanischen und britischen Beziehungen mit Frankreich.

Von dpa 20.09.2021, 20:50 • Aktualisiert: 21.09.2021, 09:31
Joe Biden (l) und Emmanuel Macron bei einem Treffen im Rahmen des G7-Gipfels im Juni.
Joe Biden (l) und Emmanuel Macron bei einem Treffen im Rahmen des G7-Gipfels im Juni. Phil Noble/PA Wire/dpa

Washington - Die US-Regierung bemüht sich angesichts des schweren diplomatischen Streits mit Frankreich um eine Beschwichtigung der Partner in Paris.

US-Präsident Joe Biden habe um ein Telefonat mit dem Präsidenten Emmanuel Macron gebeten, um über das weitere Vorgehen und sein klares Bekenntnis zum Bündnis mit Frankreich zu sprechen, sagte ein hochrangiger Beamter der US-Regierung am Montag in Washington. „Der Präsident möchte seinen Wunsch zum Ausdruck bringen, eng mit Frankreich im Indopazifik und weltweit zusammenzuarbeiten.“ Dabei sollten auch konkrete und praktische Schritte für die Kooperation zur Sprache kommen. Die Partnerschaft zwischen den USA und Frankreich habe über Jahrzehnte Sicherheit, Stabilität und Wohlstand auf der Welt gefördert.

Frankreich hatte sich wegen eines geplatzten, milliardenschweren U-Boot-Geschäfts mit Australien empört über die neue Sicherheitspartnerschaft zwischen den USA, Großbritannien und Australien gezeigt. Australien hatte im Zuge eines Dreierpakts den Bau atomgetriebener U-Boote vereinbart und dafür einen 56-Milliarden-Euro-Vertrag mit Frankreich von 2016 aufgekündigt. Die Regierung in Paris beorderte deshalb auf Wunsch von Präsident Macron seine Botschafter aus den USA und Australien zu Beratungen heim.

Der US-Regierungsvertreter sagte mit Blick auf die erboste Reaktion der Franzosen: Man teile nicht die Sicht aus Paris dazu, wie sich alles entwickelt habe, „aber wir verstehen ihre Position“. Das Telefonat von Biden und Macron sei eine wichtige Gelegenheit, sich persönlich auszutauschen. Die US-Regierung sei überzeugt, dass beide Länder einen produktiven Weg vorwärts finden würden.

Ein Termin für das Telefonat von Biden und Macron sei noch nicht vereinbart, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Auf die Frage, ob der US-Präsident seinem französischen Kollegen irgendetwas anbieten werde, um den wirtschaftlichen Schaden des geplatzten Deals zu mildern, sagte Psaki: „Mir ist kein Plan bekannt, irgendetwas anzubieten.“ Fokus des geplanten Gespräches sei das feste Bekenntnis zum Bündnis und der Zusammenarbeit beider Staaten.

Zuvor war bekannt geworden, dass die französische Verteidigungsministerin Florence Parly ein Treffen mit ihrem britischen Kollegen Ben Wallace abgesagt hatte. Die Begegnung sei „auf einen späteren Termin verschoben“ worden, sagte der Co-Vorsitzende des Franco-British Council, Peter Ricketts, wie die BBC und die Zeitung „Guardian“ berichteten. Parly sollte im Rahmen eines Treffens der Organisation nach London reisen, auch ranghohe Militärs sollten an den Beratungen der beiden größten Militärmächte Westeuropas teilnehmen.

Der britische Premierminister Boris Johnson versuchte, Frankreich zu beruhigen. London und Paris hätten eine „sehr freundliche Beziehung“, die „von äußerster Wichtigkeit“ sei, sagte er auf dem Flug zur UN-Generalversammlung in New York. „Unsere Liebe zu Frankreich ist unauslöschbar.“ Der Deal solle niemanden ausschließen.

Der australische Premierminister Scott Morrison betonte derweil am Sonntag, er bereue es nicht, den Deal mit Paris aufgekündigt zu haben. „Es ist verständlich, dass in diesem Fall die andere Partei, die an diesem Vertrag beteiligt war, gekränkt und enttäuscht ist. Das verstehe ich“, sagte er. Jedoch gingen die australischen Interessen vor. Er habe „tiefe und ernsthafte Bedenken“ gehabt, dass die französischen U-Boote nicht ausgereicht hätten, „um unsere souveränen Interessen zu schützen“, sagte Morrison.

Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly in Paris.
Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly in Paris.
Sadak Souici/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa