Was wäre, wenn

Was wäre, wenn: Smartphones und Internet: Warum die DDR trotzdem untergegangen wäre

Berlin - Kameras in Zigarettenschachteln und Taschen, Abhörwanzen versteckt in Schuhen und Gürteln. Um ihre Bürger zu überwachen, nutzte die Stasi vielfältige Methoden, erzählt der Direktor des Spionagemuseums Berlin, Robert ...

Kameras in Zigarettenschachteln und Taschen, Abhörwanzen versteckt in Schuhen und Gürteln. Um ihre Bürger zu überwachen, nutzte die Stasi vielfältige Methoden, erzählt der Direktor des Spionagemuseums Berlin, Robert Rückel.

Telefone waren in der DDR wenig verbreitet, Handys und Internet gab es noch nicht. Aber was wäre geschehen, wenn die Welt von damals auf dem technischen Stand von heute gewesen wäre. Hätte es dann eine friedliche Revolution gegeben?

Smartphones und Internet in der DDR: Kontrolle der Kommunikation

„Man hätte eine riesige, gigantische Glocke über dieses Imperium gezogen“, meint der Stasi-Forscher Helmut Müller-Enbergs. Damit hätte die DDR den Kontakt zum Westen durch die Kontrolle der Kommunikationswege mindern wollen. „Etwa so wie in China oder Nordkorea heute.“ Das Internet wäre selektiert worden, Wikipedia nicht frei zugänglich gewesen, und die Stasi hätte versucht, Telefonie und das Verschicken von Bildern einzuschränken. Verschlüsselte Kommunikation und soziale Medien wären in der DDR wahrscheinlich verboten gewesen.

Andererseits hätte Erich Honecker soziale Medien auch nutzen können, um vom Parteitag der SED zu berichten und den Sozialismus anzupreisen, mutmaßt Müller-Enbergs. Soziale Netzwerke hätten zudem für Propaganda genutzt werden können. 

30 Jahre Mauerfall: Internet hätte das Ende der DDR beschleunigt

So hatten der russische Geheimdienst und die Stasi nachweislich durch die Streuung von Falschnachrichten versucht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, erzählt Spionagemuseumsdirektor Rückel. Und die Bürger hätten durch intensive Handynutzung deutlich mehr Daten über sich preisgegeben. Andererseits glaubt er, sind Internet und Handy auch „mächtige Werkzeuge der Freiheit“.

Ähnlich sieht das der Historiker Müller-Enbergs. Er glaubt, dass die oppositionelle Szene alles daran gesetzt hätte, sich über Chatgruppen zu vernetzen. „Die DDR wäre schneller untergegangen“, meint der Stasi-Forscher. Auch damals habe man nicht verhindern können, dass viele DDR-Bürger West-Fernsehen empfingen. Mit Smartphones wären Nachrichten und Bilder noch schneller verbreitet worden. „Ich glaube die alten Genossen hätten ganz schön rennen müssen, um das einzufangen.“ (dpa)