UN-Tribunal

UN-Tribunal: Milosevic gibt dem Westen und dem Vatikan die Schuld

Den Haag/dpa. - «Außenminister Genscher war der Hauptkriminelle bei der ZerstörungJugoslawiens», betonte der ausgeruht wirkende Milosevic in seinerüber vierstündigen Verteidigungsrede. Zusammen mit seinem NachfolgerKlaus Kinkel und Bundeskanzler Helmut Kohl habe Genscher alles getan,um die nach Abtrennung von Jugoslawien strebenden Kräfte in Kroatienund Slowenien zu fördern. Auch der Vatikan und die USA hätten diesePolitik verfolgt, behauptete er. Die übrigen EU-Staaten hätten sichdem Diktat Deutschlands gebeugt. Dadurch sei es zur gewaltsamenVernichtung seines Landes ...

31.08.2004, 07:45
Slobodan Milosevic, einstiger jugoslawischer Präsident, ist als Kriegsverbrecher vor dem UN-Tribunal in Den Haag angeklagt. (Foto: dpa)
Slobodan Milosevic, einstiger jugoslawischer Präsident, ist als Kriegsverbrecher vor dem UN-Tribunal in Den Haag angeklagt. (Foto: dpa) ANP POOL

«Außenminister Genscher war der Hauptkriminelle bei der ZerstörungJugoslawiens», betonte der ausgeruht wirkende Milosevic in seinerüber vierstündigen Verteidigungsrede. Zusammen mit seinem NachfolgerKlaus Kinkel und Bundeskanzler Helmut Kohl habe Genscher alles getan,um die nach Abtrennung von Jugoslawien strebenden Kräfte in Kroatienund Slowenien zu fördern. Auch der Vatikan und die USA hätten diesePolitik verfolgt, behauptete er. Die übrigen EU-Staaten hätten sichdem Diktat Deutschlands gebeugt. Dadurch sei es zur gewaltsamenVernichtung seines Landes gekommen.

Am ersten Verhandlungstag nach halbjähriger Prozesspause warf ervor allem der amerikanischen Regierung und der NATO vor, durchVerdrehung von Fakten und falscher Darstellung der Vorgänge imKosovo 1999 eine «Aggression mit Bombenangriffen» vorbereitet zuhaben. Das anschließende Aufzwingen einer UN-Verwaltung für dasGebiet habe zu einem Pogrom von Albanern gegen Serben imKosovo geführt. Zur Bekräftigung seiner Thesen will Milosevic unteranderem den früheren US-General Wesley Clarke als Zeugen aufrufen.

Vor den drei Richtern wiederholte Milosevic in seiner von vielenZitaten aus Büchern und Dokumenten begleiteten Einleitung auch seineAblehnung des Tribunals, das er als illegal bezeichnete. «DiesesTribunal ist nur errichtet worden, um die aufgehäuften Fehler derwestlichen Politik und den Barbarismus der drei Monate langenBombenangriffe auf den Kosovo zu vertuschen», rief er. ChefanklägerinCarla Del Ponte auf der anderen Seite des Gerichtssaals hielt er vor,dass ihre «falsche Anklage» voller Lügen gegen ihn und das serbischeVolk steckten.

Die Richter gewährten Milosevic auf sein Drängen hin dieFortsetzung seiner Verteidigungsrede für eineinhalb Stunden amMittwoch.

Karte des früheren Landes Jugoslawien einst und jetzt (Grafik: dpa)
Karte des früheren Landes Jugoslawien einst und jetzt (Grafik: dpa)
dpa