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Sicherheit in der Arktis Showdown im Grönland-Konflikt? Dänen treten in Washington an

„Wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit“: Mit Äußerungen wie diesen sorgt US-Präsident Donald Trump bei Verbündeten seit Tagen für Alarmstimmung. Nun gibt es ein Krisentreffen.

Von Ansgar Haase und Khang Mischke, dpa 14.01.2026, 04:26
Kann mehr Nato-Präsenz in der Arktis die Grönland-Debatte entschärfen? (Archivbild)
Kann mehr Nato-Präsenz in der Arktis die Grönland-Debatte entschärfen? (Archivbild) Ebrahim Noroozi/AP/dpa

Washington/Brüssel - US-Präsident Donald Trump will das zu Dänemark gehörende Grönland unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen - möglicherweise auch gegen den Willen der Dänen und Grönländer. Kommt es schon heute bei einem Treffen in Washington zum Showdown? Für die Dänen und Grönländer lässt vor allem die Anwesenheit eines US-Politikers nichts Gutes erwarten. Fragen und Antworten zur Lage im Überblick:

Worum soll es bei dem Treffen gehen?

Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen und die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt wollen den Amerikanern klarmachen, dass die USA keinen Anspruch auf Grönland haben und dass die größte Insel der Welt nicht zum Verkauf steht. Zudem werden sie vermutlich argumentieren, dass sich die strategischen Interessen Trumps auch anders befriedigen lassen können als über einen Anschluss Grönlands an die USA. 

Mit wem reden Rasmussen und Motzfeldt?

Ursprünglich war das Gespräch nur mit Außenminister Marco Rubio geplant. Kurzfristig wurde aber mitgeteilt, dass auch US-Vizepräsident JD Vance teilnehmen wird. Für die Gäste ist dies nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Vance gilt im Gegensatz zu Rubio als Hardliner und als deutlich weniger diplomatisch. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, dass es vor einem Jahr im Weißen Haus zu einem Eklat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj kam. Vance hatte Selenskyj damals vor laufenden Kameras Undankbarkeit und Respektlosigkeit vorgeworfen.

Warum will Trump Grönland kontrollieren? 

In öffentlichen Äußerungen begründet Trump sein Interesse mit der strategischen Bedeutung der größten Insel der Welt, die zwischen den USA, Russland und Europa liegt und weit in den Polarkreis hineinragt. Das weitgehend autonome, aber zu Dänemark gehörende Grönland mit seinen nur rund 57.000 Einwohnern ist unter anderem wegen seines Rohstoffreichtums und als Basis für die militärische Kontrolle der Arktis interessant.

Zudem könnten sich mit dem Klimawandel zumindest im Sommer neue Schifffahrtsrouten ergeben. Trump verweist zudem auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen. 

Stimmt das mit der russischen und chinesischen Präsenz?

Ja, vor allem China macht westlichen Militärs Sorgen. Der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, Alexus G. Grynkewich, sagte jüngst zu möglichen Bedrohungen durch China, das Land trete vor allem im hohen Norden immer aggressiver auf. So schickten die Chinesen Forschungsschiffe in die Region, die dann unter wissenschaftlichem Deckmantel vermutlich militärische Erkundungen vornähmen. In der jüngsten eisfreien Jahreszeit seien Schiffe außerordentlich lange vor der Nordküste Alaskas geblieben. Zudem gebe es gemeinsame Patrouillen mit den Russen.

Warum kümmert sich nicht die Nato um die Sicherheit Grönlands?

Das ist eine der Ideen, um die aktuelle Diskussion zu entschärfen. Mehrere Bündnisstaaten haben sich zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen - auch Deutschland. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen „Arctic Sentry“ (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann.

Hat die Initiative Aussichten auf Erfolg?

Das ist unklar. Grund ist, dass Nato-Einsätze nur gestartet werden können, wenn alle Alliierten zustimmen. Dabei stellt sich auch die Frage, ob es den USA bei ihrem Interesse an Grönland vielleicht weniger um Sicherheit als um Rohstoffe geht. In diesem Fall dürfte ein neuer Nato-Einsatz die Grönland-Debatte nicht beenden. Für dieses Szenario spricht, dass die Dänen grundsätzlich nichts gegen eine US-Militärpräsenz auf der Insel haben. 

So betreiben die USA schon heute auf Grundlage von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf der Insel. Dieser Stützpunkt unterstützt unter anderem Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen.

Wie wird die militärische Drohkulisse der USA gesehen?

Dass die Trump-Regierung bislang auch militärischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, sorgt in Europa für große Beunruhigung. Als wahrscheinlich gilt aber, dass die Amerikaner dies nur als Drohkulisse einsetzen, um die Insel kaufen zu können. 

US-Regierungssprecherin Leavitt unterstrich zuletzt erneut, die USA wollten Grönland kaufen, weil andernfalls China oder Russland die Insel womöglich erwerben oder feindlich übernehmen würden. Es läge „nicht nur im besten Interesse der Vereinigten Staaten, sondern möglicherweise auch im besten Interesse Grönlands, Teil der Vereinigten Staaten zu werden“, sagte sie.

Was bedeutet der Konflikt für die Nato?

Für die Nato ist die Grönland-Debatte höchst brisant. Einerseits muss das Bündnis um seine Glaubwürdigkeit fürchten, wenn ein führendes Mitglied auf einmal androht, sich durch Zwang Gebiete eines anderen Nato-Staates einzuverleiben - vor allem auch mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas Ansprüche auf Taiwan. Andererseits wäre es für die Nato ein Super-GAU, wenn die USA im Streit über ein solches Thema aus dem Bündnis austreten würden, weil die Abschreckung der Nato vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der Stärke der konventionellen Streitkräfte der USA beruht.

Und wenn die USA sich Grönland mit Gewalt einverleiben sollten?

Was dann passieren würde, ist vollkommen unklar. Sicher ist nur, dass Dänemark nicht den Nato-Bündnisfall ausrufen könnte, weil dazu auch die USA zustimmen müssten. Grundsätzlich ist eine militärische Konfrontation sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mächtigsten Militärmacht der Welt anlegen würde. 

Dänemark könnte vermutlich auch nicht um die Aktivierung der in den EU-Verträgen enthaltenen Beistandsklausel bitten. Dies wäre nach Einschätzung von ranghohen EU-Beamten nur möglich, wenn Grönland selbst EU-Mitglied wäre. Die Grönländer hatten 1982 allerdings für den Austritt aus der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) gestimmt.

Wäre die Nato in diesem Fall Geschichte?

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen warnte zuletzt, dass eine Grönland-Annexion der USA das Aus für die Nato bedeuten würde. Ob wirklich alle Bündnisstaaten das so sehen, ist allerdings fraglich. Grund ist, dass die US-Atomwaffen noch immer eine starke Sicherheitsgarantie und Abschreckung sind, die derzeit niemand ersetzen kann. Vor allem die baltischen Staaten könnten ohne den Nato-Schutzschirm in größere Gefahr durch Russland geraten. Die Glaubwürdigkeit der Nato wäre auf jeden Fall schwer beschädigt.