«Rudolf-Heß-Gedenkmarsch»

«Rudolf-Heß-Gedenkmarsch»: 900 Rechtsextremisten in Wunsiedel

Wunsiedel/dpa. - Erstmals seit zehn Jahren habenRechtsextremisten am Samstag im Heimatort des Hitler-StellvertretersRudolf Heß einen «Gedenkmarsch» veranstaltet. Die rund 900 Teilnehmerder Veranstaltung im oberfränkischen Wunsiedel wurden von einemGroßaufgebot der Polizei streng abgeschirmt. Der Friedhof der 10 000-Einwohner-Stadt, auf dem Heß begraben liegt, war abgeriegelt. Aneiner Gegendemonstration eines antifaschistischen Aktionsbündnissesnahmen nach Polizeiangaben rund 150 Menschen teil. Zwischenfällen gabes nicht. Bei Kontrollen an den Zufahrtsstraßen hatte die Polizei vorBeginn beider Veranstaltungen elf Neonazis und zwei Angehörige derautonomen Szene ...

18.08.2001, 17:25
Rechtsextremisten ziehen in einem Gedenkmarsch
Rechtsextremisten ziehen in einem Gedenkmarsch dpa

Erstmals seit zehn Jahren habenRechtsextremisten am Samstag im Heimatort des Hitler-StellvertretersRudolf Heß einen «Gedenkmarsch» veranstaltet. Die rund 900 Teilnehmerder Veranstaltung im oberfränkischen Wunsiedel wurden von einemGroßaufgebot der Polizei streng abgeschirmt. Der Friedhof der 10 000-Einwohner-Stadt, auf dem Heß begraben liegt, war abgeriegelt. Aneiner Gegendemonstration eines antifaschistischen Aktionsbündnissesnahmen nach Polizeiangaben rund 150 Menschen teil. Zwischenfällen gabes nicht. Bei Kontrollen an den Zufahrtsstraßen hatte die Polizei vorBeginn beider Veranstaltungen elf Neonazis und zwei Angehörige derautonomen Szene festgenommen.

   In den vergangenen zehn Jahren waren solche Aufmärsche immerverboten worden. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in Münchenhatte jedoch ein Versammlungsverbot am Freitag aufgehoben. Bei derPolizei und dem Landrat Peter Seißer (SPD) stieß dies auf heftigeKritik. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, GerhardVogler, warf den Richtern «gefährliche Ahnungslosigkeit» vor. DerLandrat sagte, der Gedenkmarsch stelle eine «klare Verherrlichung desNationsalsozialismus in der Person von Rudolf Heß dar».

   Im brandenburgischen Wittstock demonstrierten am selben Tag rund70 Anhänger der rechtsextremistischen NPD. Mehrere von ihnen wurdenangezeigt, weil sie T-Shirts mit verbotenen Abzeichen getragen undTransparente gezeigt haben sollen, auf denen eine Ermordung RudolfHeß' behauptet wurde. Während der Veranstaltung selbst kam es nachPolizeiangaben zu keinen Zwischenfällen. Der Marsch war am Freitagvom Verwaltungsgericht Potsdam genehmigt worden.

   Der Friedhof von Heß' Heimatstadt Wunsiedel war nach seinem Tod am17. August 1987 mehrere Jahre lang Wallfahrtsortrechtsextremistischer Organisationen gewesen. Das allgemeineDemonstrationsverbot, das das Landratsamt seit 1991 alljährlichverhängt, hatte in den vergangenen Jahren immer Bestand vor Gericht.

   Auch die Festspielstadt Bayreuth, wohin Rechtsextremisten undGegendemonstranten 1991 ausgewichen waren, hatte für diesesWochenende ein allgemeines Demonstrationsverbot erlassen. Ummöglichen Ausschreitungen vorzubeugen, hatte das LandratsamtWunsiedel für beide Veranstaltungen noch in der Nacht zum Samstagstrenge Auflagen erlassen.