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Personalien Personalien: Ingrid Schmidt erste Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts

Von Marc-Oliver von Riegen 01.03.2005, 16:43
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) begrüßt die neue Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts (BAG), Ingrid Schmidt, am Dienstag (01.03.2005) in Erfurt in ihrem Amt. Erstmals in der mehr als 50-jährigen Geschichte des BAG wird mit Ingrid Schmidt eine Frau an der Spitze stehen. Die 49-Jährige tritt die Nachfolgevon Hellmut Wißmann an, der in den Ruhestand geht. Schmidt wird die sechste Präsidentin des höchsten deutschen Arbeitsgerichtes. Das BAG in Erfurt ist einer von fünf obersten Gerichtshöfen des Bundes. In den zehn Senaten urteilen mehr als 200 ehrenamtliche und derzeit 33 Berufsrichter über alle Fragen der Arbeitswelt. (Foto: dpa)
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) begrüßt die neue Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts (BAG), Ingrid Schmidt, am Dienstag (01.03.2005) in Erfurt in ihrem Amt. Erstmals in der mehr als 50-jährigen Geschichte des BAG wird mit Ingrid Schmidt eine Frau an der Spitze stehen. Die 49-Jährige tritt die Nachfolgevon Hellmut Wißmann an, der in den Ruhestand geht. Schmidt wird die sechste Präsidentin des höchsten deutschen Arbeitsgerichtes. Das BAG in Erfurt ist einer von fünf obersten Gerichtshöfen des Bundes. In den zehn Senaten urteilen mehr als 200 ehrenamtliche und derzeit 33 Berufsrichter über alle Fragen der Arbeitswelt. (Foto: dpa) dpa-Zentralbild

Erfurt/dpa. - Das Bundesarbeitsgericht (BAG) wird erstmals inseiner 50-jährigen Geschichte von einer Frau geführt. Die 49-jährigeIngrid Schmidt trat am Dienstag in Erfurt die Nachfolge von Hellmut Wißmann an, der nach mehr als fünf Jahren an der Spitze in Ruhestandging. «Eine Frau in einem Spitzenamt - das ist zwar leider noch immeretwas Besonderes», sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement(SPD). Zugleich sei es aber auch eine Bestätigung, dass dieGleichbehandlung im Arbeitsleben vorankomme.

Die neue BAG-Präsidentin hält den Frauenanteil in der Justiz nochfür zu gering. «Grammatikalisch ist die Justiz weiblich», sagteSchmidt. Doch trotz grundgesetzlich verbürgter Gleichberechtigung seisie noch immer Männersache. Die Juristin hat sich vorgenommen, dasAmt so zu führen wie ihr Vorgänger. «Die Fußstapfen sind schon groß.»Ihre Ernennung wird im höchsten deutschen Arbeitsgericht als «bestedenkbare Entscheidung» bezeichnet, und in der Justiz genießt sieeinen guten Ruf.

«Ich bin halt so, wie ich bin», sagte Schmidt. «Wenn ich kämpfe,kämpfe ich mit offenem Visier.» Sie kennt das BAG seit Jahren: Diegebürtige Südhessin arbeitete als Richterin am HessischenLandessozialgericht, war wissenschaftliche Mitarbeiterin amBundesverfassungsgericht und wechselte 1994 zum Bundesarbeitsgericht,damals noch in Kassel. Seit 2002 ist sie Vorsitzende Richterin desSechsten Senats, der sich mit der Auslegung von Tarifrecht imÖffentlichen Dienst beschäftigt.

In einer Entscheidung zum Öffentlichen Dienst stellte ihr Senat imvergangenen Jahr eingetragene Lebenspartnerschaften homosexuellerPaare mit Ehepaaren gleich. Damit schloss das Bundesarbeitsgerichteine Tariflücke. Öffentliche Arbeitgeber müssen Homosexuellen inLebenspartnerschaften demnach die gleichen Ortszuschläge zahlen wieVerheirateten.

Die neue Präsidentin übernimmt das Amt in einer Zeit, in der dieZahl neuer Verfahren voraussichtlich weiter steigt. Da bleibt wenigRaum für Hobbys: «Ich habe keine Zeit nebenher», sagte Schmidt, dieverheiratet ist und zwei Kinder hat. Doch sie hofft darauf, baldwieder zu joggen, Badminton zu spielen - oder einen Krimi zu lesen.«Weil die Welt da so schön schwarz-weiß ist.»