Legida

Legida: In Leipzig formieren sich dubiose Nachfolger des fremdenfeindlichen Bündnisses

Leipzig - Die „Rückeroberung Deutschlands“, wie es in einem Aufruf im Internet hieß, ist mangels Masse vorerst ausgefallen.

Von Alexander Schierholz
Teilnehmer einer Demonstration des fremdenfeindlichen Bündnisses Legida laufen am 09.01.2017 in Leipzig (Sachsen) eine Straße entlang. dpa-Zentralbild

Die „Rückeroberung Deutschlands“, wie es in einem Aufruf im Internet hieß, ist mangels Masse vorerst ausgefallen.

Leipzig, Innenstadtring, vergangener Sonnabend: Nur etwa 60 Demonstranten kamen zu einer Kundgebung unter dem Motto „Gekommen um zu bleiben - gegen die Zerstörung Deutschlands“. Eingeladen hatte eine ominöse „Bürgerbewegung Leipzig“, sie wollte die Lücke füllen, die Legida hinterlassen hat.

Anfang Januar hatte das fremdenfeindliche Bündnis, geprägt von Hooligans und Neonazis, nach zwei Jahren seinen Rückzug von der Straße verkündet. Als Alternativen waren wolkig ein Bürgerforum und Kabarett-Abende angekündigt worden.

Die Erleichterung bei den Legida-Gegnern, von den Kirchen bis zu linken Gruppierungen, war groß. Doch schon kurz nach dem Aus machten Demo-Ankündigungen aus dem rechten Lager deutlich: Die Erben Legidas stehen bereits in den Startlöchern.

Wer hinter der „Bürgerbewegung Leipzig“ steckt, ist unklar. Auffällig ist aber ein Detail: Das Profilbild, das die Gruppierung auf ihrer Facebook-Seite verwendet, nutzt auch ein Mann aus der Nähe von Dresden als Profilfoto auf seinem Auftritt in dem sozialen Netzwerk.

Sogar Datum und Uhrzeit der Demo-Ankündigung auf dem Bild gleichen sich, nur der Ort ist verschieden. Der Mann trat im Januar 2015 als erster Pressesprecher von Legida auf. Auf eine Anfrage der MZ reagierte er am Mittwoch nicht.

Ärger ist indes programmiert: Bürgerbewegung - der Begriff steht in Leipzig für die Opposition in der DDR und die friedliche Revolution 1989. Es gibt sogar einen Verein mit diesem Namen: Das „Archiv Bürgerbewegung“, 2014 mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet, arbeitet die damaligen Ereignisse auf. Der Verein befürchtet nun, mit den dubiosen Legida-Nachfolgern verwechselt zu werden. „Wir werden demnächst im Vorstand beraten, ob wir rechtliche Schritte einleiten können“, sagt Vorstandsmitglied Uwe Schwabe.

Derweil kündigen sich bereits die nächsten Akteure aus dem rechtsradikalen Spektrum an, um die von Legida hinterlassene Lücke zu füllen: Für den 18. März mobilisiert die rechtsextreme Kleinpartei „Die Rechte“ zu einem Marsch durch Leipzig-Connewitz. 300 bis 400 Anhänger werden erwartet.

Ausgerechnet Connewitz, die linksalternative Hochburg schlechthin. Ein ähnlicher Aufmarsch hatte im Dezember 2015 gewalttätige Proteste linksradikaler Gegendemonstranten hervorgerufen, die sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert hatten. Einen Monat später legten Neonazis einen Straßenzug in Connewitz in Trümmer. Die Polizei kesselte mehr als 200 Verdächtige ein.

Linke Aktivisten haben die mutmaßlichen rechten Randalierer unterdessen an eine Art Online-Pranger gestellt, mit Fotos, Namen und Angaben zum Wohnort und zur Vernetzung in der Neonazi-, Hooligan- oder Kampfsportszene. Eine Art von Selbstjustiz, die vielen in Leipzig mittlerweile Sorgen macht. (mz)