Krümmel-Störfall legt Hamburger Haushalte trocken

Geesthacht/Kiel/dpa. - Die Schnellabschaltung des Kernkraftwerks Krümmel hat in Hamburg etliche Wasserrohrbrüche nach sich gezogen und die Wasserversorgung im Westen der Stadt stark beeinträchtigt. Tausende Hamburger waren zeitweise ohne Wasser, sagte ein Sprecher der ...

05.07.2009, 10:02

Die Schnellabschaltung des Kernkraftwerks Krümmel hat in Hamburg etliche Wasserrohrbrüche nach sich gezogen und die Wasserversorgung im Westen der Stadt stark beeinträchtigt. Tausende Hamburger waren zeitweise ohne Wasser, sagte ein Sprecher der Wasserwerke.

Ursache waren Stromausfälle nach der Krümmel- Abschaltung. Daraufhin fielen etliche Wasserpumpen aus und der Druck im Wassernetz fiel ab. Als später die Pumpen wieder in Betrieb genommen wurden, kam es zu Druckstößen, die zu insgesamt elf Rohrbrüchen führten. Mittlerweile sind die Schäden behoben und der Druck baut sich wieder auf.

Ursache für den gestrigen Störfall waren nach Angaben des Betreibers Vattenfall Probleme mit einem Maschinentransformator. Die Atomaufsicht hat Sachverständige in die Anlage geschickt. Erhöhte Radioaktivität ist nicht freigesetzt worden.

Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) erklärte, sie habe eine erneute Prüfung der Zuverlässigkeit von Vattenfall veranlasst. «Vattenfall ist jetzt in der Pflicht, weitreichende Konsequenzen aus dem jüngsten Störfall zu ziehen», sagte sie. Ein Sprecher des Ministeriums teilte ergänzend mit, die erste Information über die Abschaltung an den Einsatzstab im Innenministerium sei nicht von Vattenfall gekommen, sondern von der Polizei.

In Hamburg fielen wegen eines Spannungseinbruchs im Stromnetz gestern rund 1500 von insgesamt 1800 Ampelanlagen aus. Nach drei Stunden waren bis auf rund 50 Anlagen alle wieder am Netz. Betroffen waren auch einige Einkaufszentren sowie eine Fabrik.

Das umstrittene Kernkraftwerk war erst vor zwei Wochen nach zwei Jahren Stillstand wieder in Betrieb gegangen. Kurz danach war es zunächst zu einem Defekt in der Elektronik gekommen. Einige Tage später schaltete sich der Reaktor wegen eines Problems in der Turbine ab, konnte aber mit verminderter Leistung weiter betrieben werden. Nach Vattenfall-Angaben, die noch nicht von der Atomaufsicht bestätigt sind, war menschliches Versagen der Grund für die Störung. Ein Ventil an einem ausgefallenen Eigenbedarfstransformator sei falsch eingestellt gewesen.

An diesem Wochenende sollte Krümmel wieder hochgefahren werden und seine volle Leistung erreichen. Dagegen hatten am Freitag rund 120 Atomkraftgegner mit einer Mahnwache demonstriert. Naturschutzorganisationen und die Grünen fordern, den Reaktor wegen seiner Störanfälligkeit ganz vom Netz zu nehmen. Der schleswig- holsteinische Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl, Konstantin v. Notz, erklärte, nun müssten strafrechtliche Schritte geprüft werden. Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel ergänzte, die Landesregierung müsse «unverzüglich mit Vattenfall vereinbaren, dass der Reaktor endgültig stillgelegt wird».