Insel-Streit um Perejil Insel-Streit um Perejil: «Petersilien-Krise» auf Druck der USA beendet

Washington/Madrid/Rabat/dpa. - Spanien zog seine Soldaten unmittelbarnach dem Kompromiss ab. Die Ursache der Krise ist aber nichtbeseitigt. Es wird damit gerechnet, dass die zwei Länder ab MontagVerhandlungen über die umstrittene Souveränität der Insel aufnehmen.
«Die Einigung dient den Interessen beider Länder und kann dieGrundlage für eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen sein»,hieß es in Washington in einer Erklärung von Außenminister ColinPowell. Dieser hatte ein Dutzend Mal mit seiner spanischenAmtskollegin Ana Palacio und Marokkos König Mohammed VI. telefoniert.In der spanischen Presse wurde dies auch als Druck auf beide Länderinterpretiert, die Lage nicht weiter zuspitzen zu lassen. Die EU undFrankreich begrüßten den Kompromiss.
Die Krise war ausgebrochen, als am 11. Juli ein kleinermarokkanischer Trupp die Insel besetzte. Als der diplomatische Druckaus Madrid erfolglos blieb, räumte das spanische Militär das Eilandsechs Tage später gewaltsam. Es wurde niemand verletzt, kein Schussfiel. Seitdem waren auf dem in Marokko «Leila» genannten Felsen 75spanische Elitesoldaten stationiert. Um 21.59 Uhr wurden die letztenvon ihnen unter dem Applaus vieler Schaulustiger am marokkanischenUfer mit Hubschraubern ausgeflogen. Die spanische Flagge hatten siezuvor eingeholt. Die sechs spanischen Kriegsschiffe sollen aber bisauf weiteres in dem Gebiet bleiben.
Außenministerin Palacio und ihr marokkanischer AmtskollegeMohammed Benaissa wollen den Kompromiss an diesem Montag in Rabatbesiegeln. Marokko will dann auch Verhandlungen sowohl über dieweiterhin von dem Alawiten-Reich beanspruchte Souveränität der Inselals auch über die Zukunft der spanischen Nordafrika-Exklaven Ceutaund Melilla beginnen, die seit 500 Jahren zu Spanien gehören, hieß esam Sonntag in Rabat. Madrid hat dies wiederholt ausgeschlossen.Benaissa wollte die Haltung seines Landes am Montag auch der EU inBrüssel erläutern.
In ihren jeweiligen Erklärungen zu der Einigung erwähnten sichSpanien und Marokko gegenseitig nicht. In Rabat hieß es, «dierühmlichen Bemühungen» von Powell und König Mohammed VI. hätten zumAbzug der Spanier von der Insel geführt. Von einem dauerhaftenVerzicht Marokkos auf das Eiland war dagegen nicht die Rede. Madriddankte Powell und erklärte, beide Länder hätten sich auf eineRückkehr zum vormaligen Zustand verständigt. Weitere Spannungenzwischen Madrid und Rabat werden nicht ausgeschlossen.
Wenige Stunden vor dem Kompromiss hatte es auf der Insel einenZwischenfall gegeben. Ein 27-jähriger Marokkaner gelangte trotz derscharfen Sicherheitsvorkehrungen mit einem Schlauchboot auf dasEiland und versuchte, die Flagge seines Landes anzubringen. DieSoldaten verhinderten das. Kurz bevor die spanischeWasserschutzpolizei ihn festnahm, schluckte er eine große MengeSchlaftabletten. In einem Krankenhaus in Ceuta sei ihm der Magenausgepumpt worden, teilten die dortigen Behörden mit. Danach sei derMann aus Casablanca entlassen und nach Marokko abgeschoben worden.
Die Insel Perejil (Petersilie) ist etwa so groß wie 15Fußballfelder und liegt 200 Meter vor der Küste in marokkanischenHoheitsgewässern. Sie war Spanien 1668 von Portugal zugesprochenworden. Rabat beharrt aber darauf, dass sie mit der Unabhängigkeit1956 an das nordafrikanische Königreich zurückgefallen ist. Spanienhat zwar eingeräumt, dass die Souveränität über das Eilandvölkerrechtlich unklar ist.
