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Einwanderer: «Wir können auf kein einziges Talent verzichten»

Berlin/dpa. - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in den schlechten Bildungschancen für Ausländerkinder eine Schwäche des deutschen Schulsystems. Die Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg sei in Deutschland zu hoch, kritisierte Merkel amDienstag bei einer Konferenz zu Integration und Bildung in Berlin. «Diese Abhängigkeit muss durchbrochen werden.» Alle Kinder müssten «die gleichen Chancen auf Bildung, Schule, Hochschule und Beruf haben». Um Schulabbruch zu verhindern, sei auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Staat und privaten Stiftungen ...

16.10.2007, 10:40

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in den schlechten Bildungschancen für Ausländerkinder eine Schwäche des deutschen Schulsystems. Die Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg sei in Deutschland zu hoch, kritisierte Merkel amDienstag bei einer Konferenz zu Integration und Bildung in Berlin. «Diese Abhängigkeit muss durchbrochen werden.» Alle Kinder müssten «die gleichen Chancen auf Bildung, Schule, Hochschule und Beruf haben». Um Schulabbruch zu verhindern, sei auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Staat und privaten Stiftungen nötig.

Auf dem Kongress verabredeten die wichtigsten deutschen Stiftungen unter Federführung der Vodafone-Stiftung, ihr Engagement für bessere Bildung für Migrantenkinder künftig zu bündeln und besser abzustimmen. Mit öffentlich-privaten Partnerschaften sollen Bildungshilfen für Migrantenkinder gefördert werden. Die Aktion fügt sich nach den Worten der Ausländerbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer(CDU), in den «Nationalen Integrationsplan» ein.

Merkel sagte: «Wir können auf kein einziges Talent verzichten.»Die Kanzlerin sprach sich für einheitliche Bildungsstandards in denSchulen aus. Das Bekenntnis der Kultusministerkonferenz (KMK) hierzusei ein «Schritt in die richtige Richtung». EU-KommissionspräsidentJosé Manuel Barroso sagte, das Wichtigste sei, die Zahl derSchulabbrecher zu senken. In Deutschland verlassen nach wie vor knappzehn Prozent eines Jahrganges die Schule ohne Abschluss. Mit dieserseit nahezu drei Jahrzehnten unverändert hohen Zahl befassen sich amMittwoch auch die Kultusminister bei einem Treffen in Bonn.

Böhmer sagte im Deutschlandradio Kultur, Deutschland könne vonanderen Ländern lernen, dass Sprachförderung für Migranten schon imKindergarten beginnen müsse. Wenn Bildung in Deutschland immer nochvon der sozialen Herkunft geprägt sei, müssten aber auch die Elterngestärkt werden. Die CDU-Politikerin plädierte dafür, ein Netz vonBildungspatenschaften in Deutschland aufzubauen.

Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums ist gute Bildungdie beste Voraussetzung für die Eingliederung von Einwandern in dieGesellschaft. «Migranten wollen sich integrieren, aber dabei ihreWurzeln nicht vergessen», sagte Familien-Staatssekretär Gerd Hoofe.Nach der Untersuchung wird die Alltagskultur von Migranten stärkerdurch ihr soziales Milieu und ihren Bildungsstand geprägt als durchReligion oder ethnische Herkunft. Für die Studie über Lebensweltenund Rollenbilder von Migranten wurden vom Institut SINUS-Sociovisionmehr als 100 Gespräche geführt.

Nach einer OECD-Untersuchung in 17 wichtigen Industrienationenversagt kein Schulsystem so sehr wie das deutsche bei der Förderungvon Einwandererkindern. In keinem anderen Land sind danach 15-jährigeMigrantenkinder der zweiten Generation - also die bereits inDeutschland geborenen - so gravierend schlechter als Ausländerkinderder ersten Generation, die zusammen mit ihren Eltern eingewandertsind und noch einen Teil ihrer Schulzeit im Heimatland verbrachthaben. Die Untersuchung der Organisation für wirtschaftlicheZusammenarbeit und Entwicklung (OECD) basiert auf Ergebnisse derPISA-Studien.