Ehemaliger Chef von Nazi-Kameradschaft

Ehemaliger Chef von Nazi-Kameradschaft: Linke wollen neues Mitglied Sven Liebich nicht

Halle (Saale) - Jeden Montag steht er auf dem halleschen Markt und hält eine Mahnwache, bei den Protesten gegen das Schweinehochhaus in Maasdorf (Kreis Anhalt-Bitterfeld) ist er auch dabei gewesen und bei einer Demo „gegen die Amerikanisierung Europas“ in Chemnitz hat Dauerprotestierer Sven Liebich sich jetzt öffentlich als Mitglied der Linken vorgestellt. Kein Problem eigentlich, denn beim Protest gegen Freihandelsabkommen und Ukraine-Krieg finden sich stets auch Linke ein. Allerdings selten solche: Liebich war bis 2003 Chef der Nazi-Kameradschaft Halle. In Antifa-Kreisen gilt der 39-Jährige bis heute als Vertreter einer gegen die Demokratie gerichteten ...

Von Steffen Könau

Jeden Montag steht er auf dem halleschen Markt und hält eine Mahnwache, bei den Protesten gegen das Schweinehochhaus in Maasdorf (Kreis Anhalt-Bitterfeld) ist er auch dabei gewesen und bei einer Demo „gegen die Amerikanisierung Europas“ in Chemnitz hat Dauerprotestierer Sven Liebich sich jetzt öffentlich als Mitglied der Linken vorgestellt. Kein Problem eigentlich, denn beim Protest gegen Freihandelsabkommen und Ukraine-Krieg finden sich stets auch Linke ein. Allerdings selten solche: Liebich war bis 2003 Chef der Nazi-Kameradschaft Halle. In Antifa-Kreisen gilt der 39-Jährige bis heute als Vertreter einer gegen die Demokratie gerichteten Querfrontstrategie.

Das Bekenntnis des Inhabers einer Textildruckerei sorgte denn auch für Aufregung bei der Linkspartei, vor allem in Sachsen. „Ich bin in Sachsen gemeldet, also habe ich dort einen Antrag gestellt“, begründet Liebich seinen Schritt ins Nachbarland. Das sei bereits im Sommer 2014 geschehen, „weil ich mich einbringen will“. Der Mitgliedausweis aber sei ihm jetzt erst „von zwei Genossen zu Hause vorbeigebracht“ worden.

Liebich stellt Mitgliedsantrag bei den Linken

Seitdem tritt Liebich öffentlich und bei Facebook als Linker auf. „Dabei ist er keiner“, versichert Thomas Dudzak vom Landesverband Sachsen. Zwar sei es zutreffend, dass der Hallenser einen Mitgliedsantrag gestellt habe. „Aber er ist seinen satzungsmäßigen Pflichten nicht nachgekommen, so dass wir seinen Austritt festgestellt haben.“ Sven Liebich räumt ein, keine Parteibeiträge entrichtet zu haben, allerdings habe er bis vor kurzem ja nicht gewusst, „dass mein Antrag positiv beschieden wurde“. Er habe die offenen Beiträge nachgezahlt und gehe nun davon aus, weiterhin Mitglied der Linken zu sein. Dass die Linkspartei ihn per Schiedsverfahren ausschließen könne, weil er ihre programmatischen Ziele nicht teile, wie Dudzak sagt, weist Liebich zurück. Seine Vergangenheit sei lange her, seinen Ansichten heute seien andere. (mz)