Denis Cuspert

Denis Cuspert: Berliner Rapper in Syrien getötet

Ein sanfte Klaviermelodie erklingt, während Bilder von Berliner S-Bahnhöfen zu sehen sind. Ein stoischer Computerbeat setzt ein und ein junger Mann in Bomberjacke beginnt zu rappen. „Willkommen in meiner Welt / voll Hass und Blut“, singt der Kahlgeschorene, umgeben von einem Dutzend mitwippender Gefolgsleute und zwei böse blickenden ...

Von Steffen Könau 19.01.2018, 19:05

Ein sanfte Klaviermelodie erklingt, während Bilder von Berliner S-Bahnhöfen zu sehen sind. Ein stoischer Computerbeat setzt ein und ein junger Mann in Bomberjacke beginnt zu rappen. „Willkommen in meiner Welt / voll Hass und Blut“, singt der Kahlgeschorene, umgeben von einem Dutzend mitwippender Gefolgsleute und zwei böse blickenden Doggen.

Willkommen in der Welt von Denis Cuspert, der sich vor zehn Jahren, als das Video entstand, noch „Deso Dogg“ nannte und ein leidlich erfolgreicher Rapper war. Aber nicht glücklich, sondern das Gegenteil davon: Cuspert, 1975 als Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers geboren, der abgeschoben worden war, ehe sein Sohn zu Welt kam, hatte die Behörden schon als Jugendlicher auf sich aufmerksam gemacht.

Cuspert war Mitglied einer Gang, er dealte und fiel als Beteiligter einer Messerstecherei auf. Später brüstete er sich mit einer Weiterbildungsreise nach Florida, wo er die berüchtigte Straßenbande Crips besuchte.

Nach seiner Rückkehr inszenierte sich Cruspert als Gangsta-Rapper im US-Stil, er predigte das „Thug-Life“ (Verbrecherleben) und verherrlicht Brutalität und Faustrecht. Der große Erfolg aber bleibt aus, das Album „Alle Augen auf mich“ geht wie ein Stein unter - und Denis Cusbert, streng erzogen von seinem Stiefvater, einem US-Militärpolizisten, sucht sein Heil nun im Glauben. In der Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln, in der auch der spätere Breitscheid-Platz-Attentäter Anis Amri betet, trifft er Gleichgesinnte und mit dem radikalen Prediger Pierre Vogel einen Mann, der ihn für den Dschihad begeistern wird.

Cuspert nennt sich „Abu Talha al-Almani“

Er ist 35, als er dem Islamischen Staat sein Leben widmet und einen Treueeid auf den selbsternannten Kalifen Abu Bakr Al-Baghdadi leistet. Über Tunesien und Ägypten reist Cuspert, der sich jetzt „Abu Talha al-Almani“ nennt, nach Syrien, wo er den Truppen des Kalifats beitritt.

Wichtiger aber als seine Rolle in Kampfhandlungen ist seine Propagandawirkung: Cuspert ist der prominenteste Deutsche in den Reihen der Islamisten, er wirbt im Internet um Kämpfer und singt in einem Video begeistert von der Aussicht auf den Märtyrertod: „Ich zünde die Bombe inmitten einer Menge, drücke auf den Knopf. Mitten im Zentrum oder in der U-Bahn.“

Erstmals totgesagt wird er 2013, doch Cuspert, der längst als eines der Top-Ziele der Anti-IS-Allianz gilt, überlebt die Verletzungen, die er bei einem Luftangriff erleidet. Nur ein Aufschub. Nach einem Bericht der IS-Medienagentur Wafa ist Abu Talha al-Almani jetzt in der Stadt Raranidschin in der syrischen Provinz Dair as-Saur getötet worden. Der Ex-Rapper wurde 42 Jahre alt. (mz)